Das bewegte Gehirn. Körperliche Aktivität und exekutive Funktionen

Im Ergebnis interdisziplinärer Forschungen, an denen die Sportwissenschaft, die Sportmedizin, die Neurologie, Psychosomatik und Psychatrie beteiligt waren, hat sich in den letzten Jahren ein Wissenschaftszweig entwickelt, der als Bewegungsneurowissenschaft bezeichnet wird. Einer seiner wichtigsten Gegenstandsbereiche ist die Untersuchung des Zusammenhangs von körperlicher Aktivität und kognitiven Funktionen, wobei den exekutiven Funktionen zur Handlungskontrolle eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Zum exekutiven System zählen u. a. das Arbeitsgedächtnis, die Inhibition und die Steuerung von Aufmerksamkeitsprozessen. Exekutive Funktionen sind insbesondere in komplexen Situationen entscheidend, wenn verschiedene kognitive Prozesse benötigt werden. Das exekutive System steuert und organisiert Lernprozesse und Strategien zur Problemlösung. Es ist damit sowohl bei abstrakten Denkprozessen, bei der Entscheidungsfindung sowie bei der vorausschauende Handlungsplanung aktiv und beteiligt sich an der Aufgabenausführung, deren zeitlicher Strukturierung, der Fehlererkennung und -korrektur. Während zu diesen Themen wissenschaftliche Untersuchungsergebnisse vorliegen, sind manche Fragen des Zusammenspiels der verschiedenen Funktionen noch nicht in gleicher Weise gelöst. Die exekutiven Funktionen können durch körperliche, sportliche Aktivität gefördert, weiter entwickelt werden. Dazu ist es wichtig zu wissen, wie das menschliche Gehirn funktional organisiert ist, wie Neurotransmission im Rahmen des exekutiven Systems funktioniert. Die dazu durchgeführten Untersuchungen von Sabine Kubesch, in denen neuropsychologische Testverfahren mit funktionellen bildgebenden Verfahren (Magnetresonanztomographie, Positronenemissionstomographie) kombiniert wurden, können einen Einblick in die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns bei der Erfüllung exekutiver Aufgaben geben, die durch körperliche Belastung initiiert wurden und die zu einer Aktivierung bestimmter Hirnregionen führt. Die vorgelegten Ergebnisse wenden sich den Beziehungen des Lebensalter und der Leistungsfähigkeit des exekutiven Systems zu, untersuchen die Beziehungen mit Depressionen und stellen die Frage, wie die exekutiven Funktionen unter Zuständen akuter Ermüdung (Übertraining) ausgeübt werden. Dabei wird deutlich, dass in den Entwicklungsphasen von Kindern und Jugendlichen Ausdauerbelastungen eine positive Wirkung für die exekutiven Funktionen haben können.
© Copyright 2007 Veröffentlicht von Hofmann Verlag. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Schorndorf Hofmann Verlag 2007
Ausgabe:Schorndorf: Hofmann, 2007. - 119 S.
Seiten:119
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch