Zur Bedeutung passiver Muskeleigenschaften für die menschliche Bewegungskoordination. Simulationsexperimente mit einem biomechanischen Armmodell und aktiver Muskelsteuerung
Die Fähigkeit des Menschen zur zielgerichteten und exakten Bewegungsausführung zählt zu den wichtigsten Errungenschaften der Evolution. Nicht zuletzt deshalb gehört sie zu den wichtigsten Forschungsthemen interdisziplinärer Projekte in der Bewegungs- und Trainingswissenschaft. Eine intakte Koordination von Bewegungen hat in einer Vielzahl von Teilbereichen eine entscheidende Bedeutung, sei es im Prozess der Erlernung und Festigung von motorischen Fertigkeiten im Kinder- und Jugendsport, in der Perfektionierung hoch komplizierter Bewegungen im Hochleistungssport, in der Widererlernung von Bewegungsfertigkeiten nach Verletzungen oder Schäden oder in der Erhaltung dessen, was einmal erlernt wurde im höheren Alter. Es handelt sich um eine elementare Fähigkeit des Menschen, die vielfachen Einfluss auf sein Leben nimmt. Die vorliegende Arbeit stellt die Ergebnisse der Untersuchung von Prinzipien vor, die einer koordinierten Bewegung zugrunde liegen. Dabei wurde der inhaltliche Schwerpunkt auf den Einfluss passiver Muskeleigenschaften auf die Bewegungskoordination des Menschen anhand von Simulationsexperimenten mit einem biomechanischen Armmodell und aktiver Muskelsteuerung gelegt. Dazu galt das wissenschaftliche Hauptaugenmerk dem Einfluss der Modifikation des Muskelgrundtonus und der passiven Muskeleigenschaften antagonistischer Muskeln auf die Bewegungskontrolle. Mit Methoden der Bewegungssimulation, in deren Rahmen ein biomechanisches Computermodell des menschlichen Arms mit drei Teilkörpern, vier Muskeln und zwei Gelenken wurden drei zyklische Bewegungen (eine kleine und eine große Kreisbewegung und eine halbkreisförmige Bewegung mit Bewegungsumkehr) analysiert. In diesem Modell wurde dann der Modellparameter verändert, der die passiven Muskeleigenschaften repräsentierte. Außerdem wurde die Gelenkstiffness der simulierten Bewegung untersucht und die simulierten Bewegungen mit realen verglichen. In der Interpretation der gewonnen Ergebnisse kommt der Autor zum Schluss, dass der motorische Effekt auch durch die passiven Muskeleigenschaften beeinflusst wird, woraus sich zukünftig eine größere Bedeutung des Muskeltonus' für die Untersuchung der Bewegungskoordination des Menschen ableitet. Darüber hinaus ist, bedingt durch die Beziehungen zwischen muskulärem Grundtonus und Stoffwechsel, eine ganzheitlichere Betrachtung des Problemfeldes notwendig. Es gibt auch Anzeichen dafür, dass Bewegungen in ihren groben Ausprägungen von Bewegungsprogrammen geprägt werden, die Details dahingegen über passive Muskeleigenschaften. Ebenso erscheint die Feststellung gerechtfertigt, dass passive Muskeleigenschaften am motorischen Lernen beteiligt sind. In diesem Zusammenhang verweist der Autor darauf, dass zukünftig der Beeinflussung der Muskeleigenschaften durch Muskelinnervation mehr Interesse entgegengebracht werden sollte, da die Muskeleigenschaften einen Einflussfaktor der Bewegung darstellen.
© Copyright 2001 Veröffentlicht von Utz. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Trainingswissenschaft Biowissenschaften und Sportmedizin |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
München
Utz
2001
|
| Ausgabe: | München: Herbert Utz Verlag, 2001. - 218 S. |
| Seiten: | 218 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |