Psychische Gesundheit von Trainern: Diagnostik und Intervention
Burnout im Leistungssport ist seit fast drei Jahrzehnten ein Thema der Sportwissenschaft. Seit der ersten Publikation, die sich mit Burnout- Prozessen im Sport beschäftigte (Caccese & Mayerberg, 1984), hat dieses Thema zunehmendes Interesse gefunden. Die Übersichtsarbeiten von Dale und Weinberg (1990), Goodger et al. (2007) sowie Altfeld und Kellmann (2013) zeigen, dass die Anzahl von Burnoutstudien im Sport in den letzten Jahren beständig gestiegen ist, zugleich aber auch, dass die zu Grunde gelegten Forschungskonzeptionen eher einseitig, nämlich überwiegend stresstheoretisch ausgerichtet sind. Im Kontext des zunehmenden Interesses der Sportwissenschaft für Burnout spielte das Trainerburnout bislang eine untergeordnete Rolle. Dabei besitzt das Thema eine hohe Relevanz sowohl aus gesellschaftlicher, aus sportwissenschaftlicher als auch aus sportpraktischer Sicht. In gesellschaftlicher Hinsicht stellen sich Trainerinnen und Trainern als Stellvertreter für andere hoch beanspruchte Berufsgruppen dar (z. B. Lehrer, Pflegepersonal), was dazu führt, dass Wissen über Burnout-Prozesse im Sport auch für die Gesamtgesellschaft von besonderer Bedeutung ist. In sportwissenschaftlicher Hinsicht sind viele Mechanismen von Trainerburnout bislang ungeklärt (Fletcher & Scott, 2010). Dies betrifft die Verursachung von Burnout, insbesondere aber Präventionsmöglichkeiten. Bisherige Untersuchungen sind häufig theoretisch ausgerichtet; zudem fehlen sensitive Messinstrumente, die dabei helfen, solche Mechanismen aufzudecken und klinische Symptome von vorklinischen zu unterscheiden. Schließlich ist Trainerburnout aus sportpraktischer Sicht hoch relevant, weil hiermit die sportliche Leistungsfähigkeit in hohem Maße beeinflusst wird. Der Athlet ist in seinem Befinden und seiner Leistungsfähigkeit von einer funktionsfähigen Trainer-Athlet-Beziehung abhängig, weshalb sich eine starke Beeinträchtigung auf Seiten der Trainerin oder des Trainers auch auf die Leistung und das Befinden des Athleten auswirkt (Price & Weiss, 2000). Trainerburnout ist also auch für Athletinnen und Athleten ein wichtiges Thema. Basierend auf diesen Gründen initiierten die Ruhr-Universität Bochum und die Deutsche Sporthochschule Köln gemeinsam das vorliegende Projekt, mit dem die beiden folgenden Hauptzielsetzungen verfolgt wurden: ›› Es sollten diagnostische Ansätze weiterentwickelt, erprobt und evaluiert werden, die einerseits salutogenetisch (gesundheitsförderlich) orientiert sind, andererseits dazu dienen, Risikofaktoren für Burnout in Frühstadien zu erkennen. ›› Es sollten Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit und zur Prävention entwickelt, erprobt und evaluiert werden, die sich sowohl als Add-On als auch als Teil der Traineraus-, -fort- und -weiterbildungen einbinden lassen.
© Copyright 2018 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2017/18. Veröffentlicht von BISp. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Sozial- und Geisteswissenschaften Biowissenschaften und Sportmedizin |
| Tagging: | Burnout |
| Veröffentlicht in: | BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2017/18 |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Bonn
BISp
2018
|
| Online-Zugang: | https://my.page2flip.de/15646901/16713668/16713670/html5.html#/120 |
| Seiten: | 119-123 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |