Desoxygenierung der Muskulatur im Training und Wettkampf bei den Sportarten Ski Alpin und Snowboard

In der vorliegenden Arbeit wurde die lokale Sauerstoffsättigung während unterschiedlicher Disziplinen im Ski Alpin (Riesentorlauf, Slalom und Abfahrt) erfasst. Dabei konnte gezeigt werden, dass die Desoxygenierung im Riesentorlauf im Vergleich zum Slalom stärker ausfiel. Während es im Riesentorlauf bei den untersuchten Athleten zu einer Minimalsättigung von 2,8 % und 1 % kam, konnte im Slalom eine Entsättigung auf 10 % und 5 % erfasst werden. Die Ursachen für die disziplinspezifischen Unterschiede in der Desoxygenierung liegen vermutlich in der niedrigeren Körperposition im Riesentorlauf, der länger anhaltenden isometrischen Muskelkontraktion und den damit verminderten aeroben Stoffwechselprozessen durch die vaskuläre Okklusion (Szmedra et al., 2001). Weiterhin fanden die Autoren einen Zusammenhang zwischen der Körperposition und der Blutlaktatkonzentration sowie der Sauerstoffaufnahme. Neben der Körperposition dürften aber auch die höheren Kontraktionsintensitäten im Riesentorlauf die Sättigung beeinflusst haben. Im Abfahrtslauf zeigte sich trotz der vorwiegenden Hockposition, der hohen Geschwindigkeit und der hohen einwirkenden Kräfte eine Erholung der smO2 Werte zwischen den Be-und Entlastungsphasen. Dieses Ergebnis wird von Duvillard (1995) unterstützt, welcher zeigte, dass bei längeren, geschwindigkeitsbetonten Events - wie der Abfahrt - ein Großteil der Energiebereitstellung über den aeroben Metabolismus erfolgt und bei technischen Events (Slalom und Riesentorlauf) vorwiegend dem anaeroben Stoffwechsel unterliegt. Während der Labordiagnostik auf der Desmotronic entsättigte die Muskulatur der Athleten deutlich weniger als beim Riesentorlauf. Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass der Trainingsstimulus auf der Desmotronic den ischämischen Stress, der unter Wettkampfbelastungen auftritt, nicht adäquat abbildet. Trainingsmethoden wie das Blutflussrestriktionstraining (siehe unten) könnten vor diesem Hintergrund eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Während der Testung auf der Desmotronic konnte zudem beobachtet werden, dass die Athleten einen geringeren Anteil ihres maximalen Sauerstoffvolumens (VO2max) nutzten. Dennoch zeigten sich beim Kraftausdauertest auf der Desmotronic höhere Laktatkonzentrationen als beim Riesentorlauf. Denkbar wäre, dass die Sättigung der Muskulatur während des Skifahrens aufgrund der zusätzlichen Vibrationen verringert wird. So zeigten auch Yamada et al. (2005) eine signifikant verringerte Sauerstoffsättigung des M. vastus lateralis während Ganzkörpervibrationen. Ein weiterer Faktor für die verringerte smO2 während des Riesentorlaufs könnte die zusätzliche Stabilisations- und Gleichgewichtsarbeit beim Skifahren darstellen. (vom Autor übern. gek.)
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Kraft-Schnellkraft-Sportarten technische Sportarten Biowissenschaften und Sportmedizin
Veröffentlicht in:BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2016/17
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Hellenthal Sportverlag Strauß 2018
Online-Zugang:http://my.page2flip.de/2895682/14185088/14185117/html5.html#/339
Seiten:337-343
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch