Eye-Tracking im Spitzensport - Validität, Grenzen und Möglichkeiten
Im Rahmen eines vom BISp in Auftrag gegebenen Reviews sollten national und international publizierte sportwissenschaftliche Forschungsbefunde zum Eye-Tracking hinsichtlich des Nutzens der bisherigen Erkenntnisse für den Spitzensport aus einer kritischen Perspektive beleuchtet und im Hinblick auf die Einsatzmöglichkeit der Eye-Tracking- Technologie im Spitzensport eruiert werden. Dem Auftrag entsprechend wurden die methodisch-technischen Aspekte von Eye-Tracking im Sport beleuchtet. Hierunter fielen Punkte wie beispielsweise die Ermittlung der in den Blickstudien eingesetzten Eye-Tracking- Systeme, die Häufigkeit der monokularen oder binokularen Blickerfassung, die berichtete zeitliche Auflösung und räumliche Genauigkeit der Blicksysteme, Verfahren zur Auswertung von Blickdaten (z. B. zeitaufwendige Bild-für-Bild- Analyse) und mögliche technische Probleme bei der Durchführung von Blickstudien im Sport. Das Review konnte zeigen, dass das Blickverhalten von Sportlerinnen und Sportlern angesichts der Komplexität sportlicher Handlungssituationen, variierender Personenmerkmale und Aufgabenanforderungen durch zum Teil beachtliche intra- und interindividuelle Variation gekennzeichnet ist (vgl. Dicks et al., 2017). Da auch oftmals keine "wahren" Expertinnen und Experten untersucht wurden, wird vor einem unreflektierten Kopieren eines potentiell erfolgreichen Blickbewegungsmusters an dieser Stelle gewarnt. Die für eine bestimmte Person oder Personengruppe gefundene Blickstrategie ist möglicherweise für eine andere trainierende Person oder Personengruppe keine erfolgreiche Strategie. Beim Training im Leistungssport muss möglicherweise ein sehr individueller Weg begangen werden, um alle positiven Aspekte hervortreten zu lassen und negative Konsequenzen zu vermeiden. Positive Begleiterscheinungen können sein, dass eine Sportlerin oder ein Sportler eine deutlich höhere Aufgabenfokussierung einnehmen kann, eine höhere wahrgenommene Kontrolle empfindet und mehr Zuversicht bzw. eine höhere Selbstwirksamkeitserwartung entwickelt. Vielleicht ist dabei die Fokussierung auf eine individuell erfolgreiche Blickstrategie hilfreicher als die Übernahme eines Blickmusters einer anderen erfolgreichen Person. Zusammenfassend zeigt dieses systematische Review zum Thema Eye-Tracking im Sport die (eigenen) Grenzen beim Stand der Wissenschaft, aber auch die Potentiale für den Spitzensport auf. Wie groß die Limitierungen und die Möglichkeiten sind, liegt zum Teil im Auge des Betrachters. Die Potentiale werden nur in einer engen Kooperation zwischen sportwissenschaftlicher Forschung und Spitzensport nutzbar gemacht werden können. (vom Autor übern. gek.)
© Copyright 2018 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2016/17. Veröffentlicht von Sportverlag Strauß. Alle Rechte vorbehalten.
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| Notationen: | Trainingswissenschaft Naturwissenschaften und Technik Sozial- und Geisteswissenschaften |
| Veröffentlicht in: | BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2016/17 |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Hellenthal
Sportverlag Strauß
2018
|
| Online-Zugang: | http://my.page2flip.de/2895682/14185088/14185117/html5.html#/80 |
| Seiten: | 79-84 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |