Bewegungssehen: Hat der Bewegungsbeginn einen Einfluss auf die Bewegungsadaptation und die Bewegungsnachwirkung?

Das Phänomen der Adaptation an einen Reiz ist in der Sinnesphysiologie und so auch beim Sehen von Bewegung weit verbreitet. Sehr beeindruckend ist in diesem Zusammenhang die so genannte Bewegungsnachwirkung (Wasserfalleffekt), die auftritt, wenn man längere Zeit ein sich in eine bestimmte Richtung bewegendes Objekt beobachtet. Schaut man anschließend auf ein unbewegtes Objekt, so scheint sich dieses nun in die Gegenrichtung zu bewegen. Bisher ist bekannt, dass vor allem die Dauer der Bewegung die Stärke der Adaptation beeinflusst; es wurde also von einem reinen Zeitmodell ausgegangen. Mit der vorliegenden Doktorarbeit war nun folgende Frage zu beantworten: Hat die Anzahl der Bewegungsbeginne einen Einfluss auf die Adaptationstiefe und auf die Stärke der Bewegungsnachwirkung? Um für die eigentlichen Messungen einen psychophysischen Testreiz zu haben, der die Zunahme der Adaptationstiefe bei Steigerung der Reizstärke adäquat wiedergibt, wurden in einem Vorversuch zunächst zwei Reize miteinander verglichen. Beide Reize (Korrelations- und Geschwindigkeitsreiz) hatten die Aufgabe, die Bewegungsnachwirkung zu kompensieren, wobei die Stärke der erforderlichen Kompensationsbewegung bzw. der zusätzlichen Geschwindigkeitskomponente gemessen wurde. Aufgrund der besseren Ergebnisse wurde für den Hauptversuch der auf dem Korrelationsgrad der Bewegung basierende Reiz ausgewählt. Interessanterweise zeigten beide Reize im Bereich starker Adaptation eine schlechte Auflösung. Im Hauptversuch wurden zur Messung des Einflusses des Bewegungsbeginns auf die Adaptationstiefe einerseits die subjektive Wahrnehmung der Probanden mit psychophysischen Experimenten und andererseits die zugrunde liegenden neuronalen Prozesse durch die Ableitung von visuell evozierten Potentialen untersucht. Als Reizmuster diente ein Punktmuster, welches sich entweder kontinuierlich oder intermittierend in eine festgelegte Richtung bewegte. Im zweiten Fall wurden unterschiedliche Bewegungsbeginnraten bei gleicher Gesamtdauer der Bewegung eingesetzt. Wider Erwarten hatte die Zahl der Bewegungsbeginne keinen Einfluss auf die Adaptationstiefe und auf die Stärke der wahrgenommenen Bewegungsnachwirkung. Dies lässt sich sowohl durch das Vorliegen eines reinen Zeitmodells als auch durch eine mögliche Interaktion von Bewegungsbeginn- und Bewegungsstopp-Effekten erklären.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Sozial- und Geisteswissenschaften Naturwissenschaften und Technik
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Freiburg Universität Freiburg 2007
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Dokumentenarten:Dissertation
Level:hoch