Motivationspsychologie kompakt
Für das organisierte Training in allen Altersgruppen und Leistungsklassen ist das Thema der Motivation ein zentrales, auch wenn es nicht in jeder Trainingseinheit oder in jedem Wettkampf adressiert wird. Übungsleiter und Trainer, Sportlehrer oder Mannschaftskameraden sind immer wieder damit konfrontiert, sich selbst oder andere zu motivieren, sich aktiv am täglichen Training auch bei nicht optimalen persönlichen und/oder Umfeldbedingungen zu beteiligen, den inneren Schweinehund zu besiegen oder einen übermächtig erscheinenden sportlichen Konkurrenten im Wettkampf gegenüberzutreten oder Aufgaben zu akzeptieren und zu realisieren, deren, zumindest kurzfristiger, Sinn vielleicht nicht sofort und nicht jedem einleuchtet, die sich zu einem späteren Zeitpunkt aber als richtig und wichtig erweisen - um nur einige wenige Motivationsthemen zu nennen.
Für diese und viele weitere Themen in der Motivationspsychologie gibt es inzwischen viele Erkenntnisse zu den theoretischen Grundlagen und Konzepten, wie es auch eine zunehmende Zahl praktischer Erfahrungen gibt, um Theorien in der Praxis anzuwenden. Und hier ist der Sport mit seinen vielfältigen Themen von Kinder- bis zum Alterssport, vom Anfänger- bis zum Hochleistungstraining, vom Spiel im Schulsport bis zum olympischen Finale ein weites Feld mit sehr vielen Facetten der Motivationspsychologie.
Motivation und Sport scheinen aber eben eng verbunden zu sein, weshalb den für das Training und den Wettkampf Verantwortlichen angeraten werden sollte, sich mit den Grundlagen, mit unterschiedlichen Auffassungen und Konzepten, mit Definitionen und Anwendungsbeispielen auseinanderzusetzen - auch wenn es anfangs eine vielleicht schwierige, spröde und theoretische Aufgabe ist. An dieser Stelle bietet das Buch von Udo Rudolph eine kompakte und außerordentlich informative Hilfe an. Von Freuds Psychoanalyse, behavioristischen Konzeptionen und den klassischen Attributionstheorien bis hin zu modernen evolutionären Denkansätzen wird das Thema Motivation analysiert und auf praktische Handlungsansätze untersucht. Gleichzeitig kann das Buch auch Anregungen dafür liefern, sich mit einzelnen theoretischen Konstrukten und mit unterschiedlichen Lösungsvarianten für aktuelle oder perspektivische Motivationsthemen intensiver auseinanderzusetzen.
Inhalt
Was ist Motivation?
1.1 Die Wurzeln der Motivationspsychologie
1.1.1 Epikurs Thesen zur Motivation
1.1.2 Epikur und die moderne Motivationspsychologie
1.2 Eine genauere Definition der Motivationspsychologie
1.2.1 Merkmale motivierten Verhaltens
1.2.2 Generelle Verhaltensprinzipien
1.2.3 Motivation und Denken
1.2.4 Motivation und Bewusstsein
1.2.5 Motivation und Emotion
1.2.6 Motivation und Persönlichkeitsmerkmale
1.2.7 Experimenteller und klinischer Ansatz
1.2.8 Wissenschaftliche und naive Psychologie
1.2.9 Ursachen und Gründe
Freuds psychoanalytische Theorie der Motivation
2.1 Die Motivationstheorie Freuds
2.1.1 Grundlagen
2.1.2 Das Triebkonzept
2.1.3 Das Persönlichkeitsmodell
2.1.4 Denk- und Handlungsmodelle
2.2 Empirische Belege für die psychoanalytische Theorie der Motivation
2.2.1 Eine Fallstudie
2.2.2 Experimente zur Wahrnehmungsabwehr
2.2.3 Unbewusste Informationsverarbeitung und automatisches Verhalten
2.3 Anwendungen der psychoanalytischen Theorie der Motivation
Hulls behavioristische Theorie der Motivation
3.1 Verhalten als Produkt aus Trieb und Gewohnheit
3.1.1 Das Triebkonzept
3.1.2 Gewohnheitsstärke
3.1.3 Sekundäre Triebe
3.1.4 Triebe als allgemeine Energiequelle?
3.1.5 Die Rolle des Anreizes
3.1.6 Grenzen von Hulls Theorie
3.2 Die Aktivationstheorie von Berlyne
3.2.1 Trieb- versus Aktivationstheorie
3.2.2 Stimuluskomplexität und Aktivation
3.2.3 Soziale Erleichterung und Aktivation
Skinners "System"
4.1 Grundlegende Begriffe und Konzepte
4.1.1 Respondentes und operantes Verhalten
4.1.2 Verstärkung und Löschung
4.1.3 Klassisches versus operantes Konditionieren
4.1.4 Verstärkungsarten und Verstärkungspläne
4.1.5 Akquisition, Extinktion und Reaktionsrate
4.2 Empirische Belege
4.2.1 Die Skinnerbox
4.2.2 Abergläubisches Verhalten
4.3 Anwendungen des Skinner'schen Systems
4.3.1 Operantes Konditionieren im Klassenzimmer
4.3.2 Operantes Konditionieren im klinischen Kontext
4.3.3 Ethische Fragen
4.4 Skinners System und Freuds Psychoanalyse
Kurt Lewins Feldtheorie
5.1 Begriffe und Konzepte der Feldtheorie
5.1.2 Grundlagen der Feldtheorie
5.1.3 Person- und Umweltkonstrukte
5.1.4 Die Columbia Obstruction Box aus feldtheoretischer Sicht
5.2 Interpretation psychologischer Konflikte
5.2.1 Annäherungs-Annäherungs-Konflikte
5.2.2 Vermeidungs-Vermeidungs-Konflikte
5.2.3 Annäherungs-Vermeidungs-Konflikte
5.3 Empirische Überprüfungen von Lewins Theorie
5.3.1 Erinnerung an unterbrochene Handlungen
5.3.2 Wiederaufnahme unterbrochener Handlungen
5.3.3 Ersatzhandlungen
5.3.4 Anspruchsniveau und Leistung
Die Theorie der Leistungsmotivation
6.1 Erwartungs-mal-Wert-Ansätze in der Psychologie
6.2 Warum Leistungsmotivation?
6.2.1 Das Leistungsmotiv
6.2.2 Die Kontroverse um den TAT
6.3 Atkinsons Risikowahlmodell der Leistungsmotivation
6.3.1 Zentrale Annahmen des Risikowahlmodells
6.3.2 Die Tendenz, Erfolg aufzusuchen
6.3.3 Die Tendenz, Misserfolg zu vermeiden
6.3.4 Zur zentralen Rolle der Erfolgserwartung im Risikowahlmodell
6.3.5 Hull, Skinner, Lewin und Atkinson im Vergleich
6.4 Empirische Befunde zur Theorie der Leistungsmotivation
6.4.1 Aufgabenwahl
6.4.2 Anspruchsniveau
6.4.3 Ausdauer
6.4.4 Diagnostizität von Aufgaben: eine Alternativerklärung
6.5 Leistungsmotiv und Wirtschaftsentwicklung: die Studien von David McClelland
6.5.1 Leistungsstreben und Protestantismus
6.5.2 Studien zum wirtschaftlichen Erfolg
Attributionstheorien
7.1 Der Mensch als "naiver Wissenschaftler"
7.1.1 Das Menschenbild der Attributionstheorien
7.1.2 Warum-Fragen
7.1.3 Heiders "naive Handlungsanalyse"
7.1.4 Das Konzept der phänomenalen Kausalität
7.1.5 Die Differenzmethode
7.1.6 Anstrengung, Fähigkeit und Aufgabenschwierigkeit
7.2 Kovariation und kausale Schemata
7.2.1 Das Kovariationsprinzip
7.2.2 Kausale Schemata
7.3 Die Grenzen des "naiven Wissenschaftlers"
7.3.1 Zur Selbstwertdienlichkeit von Attributionen
7.4 Implizite Kausalität in der Sprache
7.4.1 Sprache und "implizite Ursachen"
7.4.2 Erklärungen der impliziten Kausalität in Sprache
7.4.3 Konsequenzen für den Gebrauch von Sprache
Attributionale Theorien
8.1 Das Konzept der Kausaldimensionen
8.1.1 Die Lokationsdimension
8.1.2 Die Stabilitätsdimension
8.1.3 Die Kontrollierbarkeitsdimension
8.1.4 Ein vorläufiger Überblick über die verschiedenen Kausaldimensionen
8.1.5 Offene und kritische Fragen zum Konzept der Kausaldimensionen
8.2 Auswirkungen von Attributionen auf Erleben und Verhalten
8.2.1 Leistungsverhalten
8.2.2 Attributionale Analysen von Hilfe und Aggression
8.2.3 Die Reduktion von Verantwortlichkeitszuschreibungen
8.3 Anwendungen attributionaler Theorien
8.3.1 Internale Kontrolle und persönliche Verursachung
8.3.2 Intrinsische und extrinsische Motivation
Psychologie des Willens
9.1 Das Realisieren von Absichten
9.1.1 Das Rubikonmodell der Handlungsphasen
9.1.2 Das Konzept der Bewusstseinslagen
9.1.3 Empirische Überprüfung
9.2 Die Theorie der Handlungskontrolle
9.2.1 Prozesse der Handlungskontrolle
9.2.2 Handlungsorientierung versus Lageorientierung
9.3 Anwendungen des Konzeptes der Handlungs-/Lageorientierung
9.3.1 Erlernte Hilflosigkeit
9.3.2 Attributionale Erklärungen der erlernten Hilflosigkeit
9.3.3 Erlernte Hilflosigkeit und Depression
9.3.4 Unkontrollierbarkeit und Lageorientierung
9.3.5 Eine Integration attributionaler und volitionaler Erklärungen
Evolutionäre Theorien motivierten Verhaltens
10.1 Evolution
10.1.1 Natürliche Selektion
10.1.2 Genotyp, Phänotyp und die Variation von Merkmalen
10.1.3 Sexuelle Selektion
10.1.4 Biologische Adaptation
10.1.5 Evolution und die Ursachen des Verhaltens
10.1.6 Evolutionstheorien als scheinbar reduktionistische Theorien des Verhaltens
10.1.7 Darwins Theorie und die Psychologie
10.2 Empirische Beiträge evolutionärer Theorien
10.2.1 Evolutionäre Theorien altruistischen Verhaltens
10.2.2 Altruismus unter Verwandten
10.2.3 Reziproker Altruismus
10.3 Evolutionäre Erklärungen der Elternliebe
10.3.1 Die Theorie des Eltern-Kind-Konfliktes
10.3.2 Elterninteressen und Sterblichkeitsraten von Jungen und Mädchen
Glossar
Leseprobe unter: https://www.beltz.de/fileadmin/beltz/leseproben/978-3-621-27793-8.pdf
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| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Sozial- und Geisteswissenschaften |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Weinheim
Verlagsgruppe Beltz
2013
|
| Ausgabe: | 3., vollst. überarb. Aufl. |
| Seiten: | 221 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |