Neue Sportarten und Bewegungsfelder für den Sportunterricht. Innovatives Lehren und Lernen im Lichte der Themenkonstitution
Dass Snow- und Skateboarding, Streetball und Freeclimbing Trendsportarten sind, ist sicherlich unstrittig, was ist aber mit Kick-O-Robic, Canyoning, Tae-Bo, Beach-Volleyball oder gar Fußball? Um mit der heute populärsten Sportart weltweit zu beginnen: Ja, Fußball war einmal in deutschen Landen eine Trendsportart, auch wenn es bereits mehr als 100 Jahre her ist, dass Seeleute und Studenten diese englische Erfindung nach Norddeutschland "einschleppten". Beim Beach-Volleyball kann man heute davon ausgehen, dass die Sportart den Entwicklungsschritt von der Trendsportart zur allgemein akzeptierten und national wie international ausgeübten Sportart (die es auch bereits in das olympische Programm geschafft hat) erfolgreich getan hat.
Es bleibt die Frage danach, was Trendsportarten tatsächlich charakterisiert? Gibt es Kennzeichen, an denen man ablesen kann, dass sich hier ein neuer sportlicher Trend in einer Sportart manifestiert? Wie, wo und warum kommt es dann dazu?
Angesichts einer sich ständig und sehr schnell weiterentwickelnden und ausdifferenzierenden Sportlandschaft mit neuen Bewegungsideen und neuen Sportgeräten, aber auch mit sich verändernden Auffassungen von Sport und Sportarten insgesamt, ist eine Beschäftigung mit diesen neuen Sportartenthemen sowohl für den organisierten Sport als auch für die akademische Sportlehrerausbildung und für die Sportlehrer selbst ein wichtiges Aktionsfeld, um Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen moderne, spannende und herausfordernde, ihre sportlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickelnde Bewegungsangebote zu machen, die von ihnen akzeptiert werden.
Für neue Sportarten stellen sich didaktische Fragen neu oder gar erstmalig. Neue didaktische Positionen und Konzepte müssen eng mit pädagogisch begründeten Methodenentscheidungen verknüpft werden. Dabei müssen nicht selten innovative Lehrlernformen entwickelt, erprobt und in den Sportalltag überführt werden, da bisherige, traditionelle Formen der Unterrichtsgestaltung den Anforderungen neuer Sportarten nicht gerecht werden (können). Wodurch zeichnen sich dann diese Konzeptionen aus, welche Elemente enthalten sie und wie verläuft der Prozess der Erarbeitung bzw. Entwicklung. Vorliegende Erfahrungen mit neuen Sportarten orientieren sehr intensiv auf die aktive Einbeziehung der Lernenden mit deren bereits vorhandenen Vorerfahrungen. Sie werden aktiv einbezogen und aufgefordert, sich an der Suche nach Bewegungslösungen und den Entwicklungsschritten dahin mit Ideen und Vorschlägen zu beteiligen. Diese Partizipation muss durch den Sportlehrer entsprechend arrangiert und inszeniert werden. Dazu und dabei werden Kommunikations- und Kooperationsfähigkeiten und die Problem- und Lösungsorientierung entwickelt.
Die damit verbundene Themenkonstitution fordert auch einen innovativen Erfahrungsaustausch und kritische Diskussionen auf der Ebene der Sportpraktiker und Sportwissenschaftler, um praktische Erfahrungen aus dem Unterricht erschließen und verarbeiten zu können, sie zu dokumentieren und zu reflektieren - als eine Grundlage für die weitere wissenschaftliche Bearbeitung des Themenkomplexes.
In enger Verbindung mit diesen konstituierenden Aufgaben stehen Fragen, wie neue Sport- und Bewegungsthemen ihren Weg in die Wirklichkeit des Sportunterrichts finden, welche Faktoren darauf Einfluss haben bzw. nehmen, wie der Entwicklungsprozess abläuft, wie typische Neuinszenierungen aussehen, welche Hindernisse auftreten können und wie der Gesamtprozess durch die verschiedenen Akteure reflektiert wird.
Aktuell vorliegende Erfahrungen und Erkenntnisse aus unterschiedlichen Trendsportarten, aber auch aus übergreifenden Themenfeldern werden in mehreren Teilbeiträgen thematisiert:
- Bewegungslernen an der Halfpipe (eine neue Lehrlernmethodik im Sport entsteht mit informellen Bewegungsszenen als einem wichtigen Element)
- Le Parkour (Erlebnispädagogik im Grenzbereich zur Erkundung der eigenen Umwelt und Umgebung mittels alternativer Bewegungsformen)
- American Sports (Sport als gesellschaftliche Ausdrucksform - Happiness, Individualismus, Werte... warum kommen so viele sportliche Trends gerade aus Nordamerika?)
- Frisbeespielen und -golfen (die Eleganz neuer sportlicher Bewegungen und bewegungspädagogische Perspektiven)
- Abenteuer und Erlebnis (Inliner-Wanderung und Abenteuerpädagogik)
- Fitness im Schulsport (das Spannungsfeld von Bodybuilding und Körperbildung)
- Bewegen im Wasser (angesichts einer sich verändernden ökologischen Umwelt und Konsequenzen für das Lehrlernfeld).
Dabei entwerfen die Autoren ein sehr vielschichtiges Bild der modernen Sportwirklichkeit, das in den Schulen wahrgenommen werden muss, für das Sportlehrer offen sein müssen, um ihre Schülerinnen und Schüler auch zukünftig zu erreichen. Für die sich dabei ergebenden pädagogischen Ansprüche und didaktischen Herausforderungen und Neuentwicklungen sind nicht immer bereits Konzeptionen und Methoden nachlesbar. Hier sind alle Beteiligten aufgefordert, sich zu beteiligen, kreative und innovative Ideen zu entwickeln, sie auszuprobieren und in die fachliche Diskussion einzubringen.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Schulsport Sozial- und Geisteswissenschaften |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Baltmannsweiler
Schneider Verlag Hohengehren
2012
|
| Ausgabe: | Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, 2012.- 213 S. |
| Schriftenreihe: | Forschungs- und Lehrzusammenhang Themenkonstitution, 6 |
| Seiten: | 213 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |