Motivation und Handeln
Das Leben der Menschen ist davon geprägt, dass sie handeln und sich mitteilen, kommunizieren. Dies ist auch von außen wahrnehmbar, erlebbar. Das Leben des Menschen ist aber ebenso davon geprägt, dass er geistig aktiv ist, dass er etwas wahrnimmt,über etwas nachdenkt, etwas fühlt. Dies wiederum ist von außen nicht wahrnehmbar, jedenfalls nicht direkt. Aus diesen geistigen Aktivitäten heraus entwickelt der Mensch seine Pläne, Ziele und auch Motive, um sich später dann handelnd mit seiner Umgebung auseinanderzusetzen (oder eben auch nicht). Wenn dies bewusst passiert, wenn damit ein bestimmtes Ziel verfolgt wird, gerät es in den Gesichtskreis und das Interessensfeld der Motivationspsychologie, die sich u. a. fragt, warum diese geistigen Prozesse ablaufen, wie sie (situations- oder personenbedingt etc.) determiniert sind und wie sich aus dieser geistigen Aktivität dann tatsächlich Handlungen entwickeln.
Die Auseinandersetzung mit bzw. die Einwirkung auf seine Umwelt ist damit verbunden, dass der Mensch eine bestimmte, von ihm beabsichtigte Wirkung erzielen will. Das kann bspw. die Exploration bisher Unbekanntem sein oder eine gewissen Kontrolle seiner Umwelt sein. In diesem Prozess spielen aber auch das Engagement für die Erreichung eines bestimmten Ziels (Aktivierung) oder die Distanzierung von einem solchen (Deaktivierung) eine wesentliche Rolle, wobei eine Entscheidung für die eine oder andere Variante auch zu späteren Zeitpunkten wieder in Frage gestellt und neu entschieden werden kann.
Weshalb eine Entscheidung so und nicht anders fällt, warum eine Person eine Entscheidung trifft, die wiederum eine andere Person auf keinen Fall so treffen würde, ist Gegenstand der Motivationspsychologie, die dabei auch die jeweilige konkrete Situation und deren Entwicklung einbezieht. In der Auseinandersetzung mit den personellen Faktoren wiederum geht es um individuelle Bedürfnisse, um implizite Motive (wie in der frühen Kindheit Erlerntes oder emotional getönte Präferenzen) und explizite Motive (wie bewusste Selbstbilder, Werte und Ziele, mit denen sich eine Person selbst beschreibt). Diese wirken im engen Zusammenhang mit situativen Faktoren, in Interaktionen von mehreren Menschen in Situationen, aus denen Handlungsanreize auf persönliche Präferenzen stoßen. Es kommt zu einer Wichtung der Anreize und der Handlungsergebnisse nach dem persönlichen Motivationsprofil. In diesen Prozess fließen all diese und weitere Faktoren ein. Der Mensch kann aber Einfluss nehmen auf die motivationale und volitionale Regulation. Er kann sich innerhalb verschiedener Handlungsphasen Abwägen - Intentionsbildung - Planen - Intentionsinitiierung - Handeln - Intentionsdeaktivierung - Bewerten) für Tendenzen und Werte entscheiden, denen er in seiner Handlung jeweils mehr Gewicht beimessen will, die das Gesamtbild seiner Motivationen in einer bestimmten Handlungsphase besonders gut zusammenfügt, um die Funktion der Phase entsprechend zu erfüllen. Um dies zu tun, laufen bewusste und unbewusste Prozesse der Informationsverarbeitung und der Aufmerksamkeitssteuerung ab, werden aufgenommene Informationen interpretiert, Ursachen untersucht und bewertet oder zukünftige Verläufe und Ergebnisse von Handlungen prognostiziert.
Für das Verständnis motivationspsychologischer Prozesse ist auch wichtig, dass sie als dynamische Interaktion zwischen Person und Situation verlaufen, die innerhalb des individuellen Lebenslaufs Veränderungen, Entwicklungen unterliegen können. Allerdings hat die motivationale und volitionale Steuerung des Wirksamkeitsverhaltens starke Wurzeln in der frühen Kindheit, wobei hier auch der Einfluss und die Steuerung durch erwachsene Bezugspersonen besonders groß sind. Im weiteren Lebensverlauf lassen diese Einflüsse nach, entwickeln die Heranwachsenden eine Eigendynamik der Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt.
Im vorliegenden Lehrbuch wird der gesamte Kanon an Themen der Motivationspsychologie umfassend auf der Grundlage aktueller Wissensbestände und Forschungsergebnisse präsentiert. Dabei wird eine Vielzahl von Themen aufgegriffen, die für den Sport in allen Altersklassen und auf allen Leistungsstufen von großer Bedeutung sind. Da soll nur beispielhaft die Frage nach dem Grundmotiv sportlicher Aktivität wie auch eines leistungssportlichen Trainings genannt sein. Aber auch Fragen wie Flow-Erlebnisse beim sportlichen Bewegungsvollzug (am besten beim Hauptwettkampf des Jahres) oder soziale Interaktion in Teams und mit dem Betreuerstab sind aus sportlicher wie aus motivationspsychologischer Sicht interessant, Machtverhalten und Motivationsregulation (Angst, Hoffnung oder Furcht vor und bei sportlichen Wettkämpfen) sind immer wieder Gegenstand sportlicher Prozesse und Auseinandersetzungen. (Angehenden) Trainern und Übungsleitern, Sportpsychologen und Physiotherapeuten bietet das Buch einen Überblick über viele interessante Einblicke in das menschliche Denken und Handeln, die sie im Sport, im Training und Wettkampf, regelmäßig antreffen, die sie verstehen und auch beeinflussen wollen (und sollen.)
Inhalt
Motivationsforschung: Probleme und Sichtweisen,
Entwicklungslinien der Motivationsforschung
Eigenschaftstheorien der Motivation
Situative Determinanten des Verhaltens
Motivation durch Erwartung und Anreiz
Leistungsmotivation
Soziale Bindung: Anschlussmotivation und Intimitätsmotivation
Machtmotivation
Implizite und explizite Motive
Biopsychologische Aspekte von Motivation
Handlungsziele
Motivation und Volition im Handlungsverlauf
Individuelle Unterschiede in der Selbststeuerung
Intrinsische Motivation und Flow-Erleben
Kausalattribution von Verhalten und Leistung
Motivation und Entwicklung
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Sozial- und Geisteswissenschaften |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Berlin
Springer
2010
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| Ausgabe: | Berlin u.a.: Springer, 4., überarb. und erw. Aufl., 2010.- 550 S. |
| Seiten: | 550 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |