Mentales Training

In seiner Beschreibung des Mentalen Trainings hat einer der Pioniere dessen Einsatzes im Sport, Hans Eberspächer, dieses als universelle Drehscheibe bezeichnet, die in nahezu allen Situationen einsetzbar ist, in denen Handlungsabläufe auf höchstem Niveau gefordert sind, die dann zu einer Verbesserung der Lernleistung wie auch zu einer Steigerung der sportlichen Leistung beitragen können. Diese recht allgemein gehaltene Definition sowohl in einem grundlegenden wissenschaftlichen Rahmen zu stellen als auch praktische Anwendungsfelder mit Beispielen zu beschreiben und nachvollziehbar zu machen, ist eines der Ziele von Jan Mayer und Hans-Dieter Hermann. Was ist nun aber dieses Mentale Training wirklich? Es ist sportpsychologisches Vorstellungstraining auf der Grundlage von Wahrnehmungen und der Speicherung von Informationen, bei dem Bewegungen und/oder Handlungen dem eigentlichen praktischen Handlungsvollzug vorweggenommen werden. Die Wahrnehmung und Repräsentation von sportlichen Bewegungen stehen dabei im Zentrum, bei dem das menschliche Bewegungs-Wahrnehmungs-System kontinuierlich überprüft, ob die für eine Bewegung gewählte Ausführungsmöglichkeit den Umweltanforderungen (zum Beispiel in einer Wettkampfsituation) entspricht. Um das mentale Training entsprechend einsetzen können, muss es vorher unter fachlicher Anleitung erlernt werden. Dazu gibt es verschiedene Ansätze, die im Buch vorgestellt werden: - sprachlich-symbolische Ansätze - räumlich-bildhafte Ansätze - kinästhetische Ansätze. Für den praktischen Einsatz Mentalen Trainings gibt es ebenso verschiedene Arten, die entsprechend der aktuellen Situation und auch nach den individuellen Voraussetzungen/Neigungen der Trainierenden ausgewählt werden können: - mental-sprachliches Training (wird oftmals zum Einstieg in das Mentale Training genutzt, wobei Selbstgespräche eingesetzt werden) - Mentales Training aus der Beobachterperspektive (der Trainierende betrachtet sich selbst, als ob er sich beim Bewegungsvollzug zusieht) - Mentales Training aus der Innenperspektive (der Trainierende vollzieht die Bewegung nach, betrachtet dabei sich selbst als auch seine Umgebung von innen). Neben den psychologischen Grundlagen sind aber auch die neurophysiologischen Erkenntnisse wie zur neuronalen Plastizität wichtig, wenn man die Wirkungsmechanismen und die Wirksamkeit des Mentalen Trainings erklären und verstehen will. Diese Themen finden sich deshalb natürlich ebenfalls in diesem Buch. Die umfangreichsten Kapitel wenden sich den Anwendungsfeldern des Mentalen Trainings in Leistungssport, Rehabilitation und Arbeit/Wirtschaft zu, wobei der erstgenannte Bereich den größten Raum einnimmt. Das ist nicht verwunderlich, wird Mentales Training doch sowohl in der Optimierung des Trainings und Wettkampfs als auch beim Umgang mit und der Rückkehr ins Training nach Verletzungen erfolgreich eingesetzt. Dabei ist die Sportartspezifik wichtig, die eine adäquate Entsprechung hinsichtlich der Komplexität des Trainingsprogramms erfahren muss. Es gilt in jedem Fall, Knotenpunkte der Bewegung zu identifizieren, diese zu verbalisieren und entsprechend einer erlernten Rhythmisierung in der Praxis einzusetzen. Zur Erkennung der Effekte des Mentalen Trainings ist dann auch wichtig, einen Abgleich der vorgestellten und der tatsächlich ausgeführten Bewegung hinsichtlich deren zeitlicher Äquivalenz durchzuführen. Für all diese Aufgaben bieten die beiden Autoren verallgemeinerte Hinweise auf der Grundlage vielfältiger eigener praktischer Erfahrungen, die aber auch durch Metaanalysen vorliegender dokumentierter Ergebnisse gestützt werden. Inhaltsverzeichnis Leistung zum definierten Zeitpunkt - Anforderungen an sportpsychologisches Training Grundprinzipien des sportpsychologischen Trainings Mentales Training - ein sportpsychologisches Trainingsverfahren Vorstellungen als Prüf- und Führungsgröße für menschliches Handeln Vorstellungen an situative Gegebenheiten anpassen Vorstellungen vom Bewältigen kritischer Situationen ergänzen Psychologische Grundlagen des Mentalen Trainings Wahrnehmung und Repräsentation von Bewegung Bewegung und Wahrnehmung als System Mentales Training erlernen und anwenden Aufbau von Bewegungsvorstellungen Sprachlich-symbolische Ansätze Räumlich-bildhafte Ansätze Kinästhetische Ansätze Arten des Vorstellungstrainings Mental-sprachliches Training Mentales Training aus der Beobachterperspektive Mentales Training aus der Innenperspektive Die Rolle der Vorstellungsfähigkeit Wirksamkeit des Mentalen Trainings Wirksamkeitsstudien, Metaanalysen und Reviews Beeinflussende Variablen Wirkmechanismen des Mentalen Trainings Den Wirkmechanismen auf der Spur: Periphere Begleiterscheinungen des Mentalen Trainings42 Studien zur EMG-Aktivität Zeitliche Äquivalenz Kardiovaskuläre Begleiterscheinungen des Mentalen Trainings Theorieansätze zu möglichen Wirkmechanismen Hypothesen zu den Wirkmechanismen Weitere Erklärungsansätze Neurophysiologische Grundlagen des Mentalen Trainings Neuronale Plastizität Motorisches Lernen und neuronale Plastizität Neurophysiologische Ansätze zur Erklärung der Wirksamkeit des Mentalen Trainings Funktionale Äquivalenz II Anwendungsfelder Mentales Training im Leistungssport Vorstellungen entwickeln mit Leistungssportlern Beschreiben der Bewegung Bewegungsbeschreibung durch Videobeobachtung konkretisieren und differenzieren Bewegungsbeschreibung durch die eigene praktische Durchführung konkretisieren und differenzieren Erarbeitung von Knotenpunkten - Reduzierung der Knotenpunkte auf Schlagwörter - Rhythmisierung der Schlagwörter Überprüfung der zeitlichen Äquivalenz von vorgestellter und praktisch durchgeführter Bewegung Mentales Training Einsatzmöglichkeiten des Mentalen Trainings im Leistungssport Mentales Training zur Trainingsoptimierung Mentales Training zur Optimierung der Wettkampfleistung Mentales Training zur Optimierung des Umgangs mit Verletzungen Anwendungsvielfalt des Mentalen Trainings im Leistungssport Komplexität der Sportarten und Mentales Training Komplexitätsstufe 1: Bewegung (ohne Variation) Komplexitätsstufe 2: Bewegung + Variation Komplexitätsstufe 3: Bewegung + Variation + Team Komplexitätsstufe 4: Bewegung + Variation + Gegner Komplexitätsstufe 5: Bewegung + Variation + Gegner + Team Komplexitätsstufe 6: Bewegung + Variation + Gegner + Kontakt Komplexitätsstufe 7: Bewegung + Variation + Gegner + Kontakt + Team Mentales Training in der Rehabilitation Zielstellung des Mentalen Trainings im Anwendungsfeld Rehabilitation Mentales Training in der Rehabilitation nach Sportverletzungen Belastungsreaktionen verletzter Sportler Beeinflussende Faktoren der psychischen Belastungsreaktion Phasen der psychologischen Rehabilitation Merkmale erfolgreich rehabilitierender Sportler Mentales Training in der Rehabilitation verletzter Leistungssportler Praxis des Mentalen Trainings für sportartunspezifische Übungen im Aufbautraining Praxis des Mentalen Trainings für Einzeltechniken Praxis des Mentalen Trainings komplexer Bewegungsfolgen Wirksamkeit des Mentalen Trainings in der Rehabilitation nach Sportverletzungen Mentales Training in der neurologischen und orthopädischen Rehabilitation Mentales Training in der neurologischen Rehabilitation Mentales Training bei der Rehabilitation von orthopädischen Erkrankungen Mentales Training im Bereich Arbeit und Wirtschaft Anforderungen im Arbeits- und Wirtschaftsleben Belastung und Beanspruchung Repräsentation und Vorstellungen von Handlungsoptionen im beruflichen Kontext Chirurgie und Zahnmedizin Mentales Training in der Chirurgie Mentales Training in der Zahnmedizin Luftfahrt Einsatz des Mentalen Trainings im Rahmen der Pilotenausbildung Musik Produktion/Fertigung Anhang Anhang A Neurophysiologische Grundlagen des Mentalen Trainings Das sensomotorische System Motorischer Kortex Anhang B Methoden und Verfahren zur Darstellung mentaler Aktivitäten Positronenemmisionstomographie (PET) Funktionelle Magnetresonanztomographie fMRT) Transkranielle Magnetstimulation (TMS) Anhang C Praktische Anleitung zur Progressiven Muskelrelaxation (PMR) nach Jacobson Praxis der PMR Anhang D Fragebogen zur Erfassung der Vorstellungsfähigkeit MIQ (Deutsch) Auswertung des Fragebogens Literatur Quellenverzeichnis Stichwortverzeichnis
© Copyright 2010 Veröffentlicht von Springer. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Sozial- und Geisteswissenschaften
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Berlin, Heidelberg, New York Springer 2010
Ausgabe:Berlin, Heidelberg, New York: Springer, 2010.- 251 S.
Seiten:251
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch