1909

Entstehung einer Dopingkarriere. Prädiktoren eines Phasenmodells von Kindern und Jugendlichen

Soziologen, Pädagogen, Politiker, aber auch Mediziner und Verantwortungsträger von Sportorganisationen diskutieren mit zunehmendem Umfang und wachsender Intensität im Zusammenhang mit der Dopingproblematik im Spitzen- wie auch im Wettkampf- und Freizeitsport welche Prozesse bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auf dem Weg hin zur Dopingkarriere ablaufen. Dabei vergessen sie auch nicht, den Sport auf dem Hintergrund allgemeiner gesellschaftlicher Prozesse zu betrachten, die zweifelsohne das Entscheidungsverhalten gerade von Heranwachsenden beeinflussen. Die Frage, wie sich Mädchen und Jungen in einer Gesellschaft verhalten sollen, die von ihnen bereits im Kindes- und Jugendalter ein beträchtliches Maß an Leistung erwarten, ja verlangen, die nur durch erlaubte, faire Mittel zu erbringen sind, in der aber gleichzeitig diese Forderung nicht selten nur dann zu erfüllen sind, wenn unerlaubte, leistungssteigernde Mittel appliziert werden - eine Tatsache, die in der Welt der Erwachsenen außerhalb des Sports auch als nicht verwerflich betrachtet wird, ja manchmal geradezu erwartet, gefordert und gefördert wird. Die vorliegende Arbeit geht Fragen nach, die sich in diesem Zusammenhang sowohl hinsichtlich der prozessualen Struktur der Entscheidungsvorbereitung, Entscheidungsfindung und Entscheidungsumsetzung ergeben wie auch nach den Konsequenzen in der praktischen Anwendung dieser Phasenstruktur innerhalb der Vorbereitung auf die Einnahme oder die Ablehnung der Applikation von Dopingsubstanzen durch Mädchen und Jungen im Schulalter. Dieser Altersbereich wurde bewusst für eine Befragung von 557 Schülern (Gymnasium, Realschule, Hauptschule, Berufsschule) im Alter von 11-24 Jahren (450 Probanden entstammten den Altersklassen 13-18 Jahre) gewählt, kann doch davon ausgegangen werden, dass er für das Thema von entscheidender Bedeutung ist, sowohl hinsichtlich von Dopingentscheidungen im Nachwuchsleistungssport als auch im Fitnesssport. Hier wird eingangs der Frage nachgegangen, welche Unterschiede es im Dopingverständnis zwischen Erwachsenen und Jugendlichen gibt, was insbesondere hinsichtlich der Bewertung von Dopinghandlungen bedeutsam ist. Der eingesetzte Fragebogen erfasste Informationen zu soziodemographischen Variablen und zu sportlichen Aktivitäten, bevor Wissen über Doping, Einstellungsvariable, der multiple Substanzkonsum, die Griffnähe von Medikamenten und letztlich das Maß an Informationen zum Doping thematisiert wurden. Der Analyse der Befragungsergebnisse wurde auf das Dopingthema angewendete Rubikon-Modell nach Heckhausen zugrunde gelegt. Dabei ging es um die Zuordnung der Befragten zu den verschiedenen Phasen des Modells und um die differenzierte Erklärung ihrer Haltungen und (aktiven oder potenziellen) Handlungen. Dabei konnten Variablen identifiziert werden, die das Doping bezogene Verhalten (wie subjektiv empfundener Leistungsdruck, Versagensängste, ökonomische und sportliche Perspektiven) sowie unterschiedliche Motivations- und Volitionsstadien (einschließlich ihrer inneren und äußeren Einflussfaktoren) innerhalb einer Dopingkarriere identifiziert werden. Hinsichtlich der aufeinander abfolgenden Handlungsphasen galt das Interesse des Autors - dem prädezisionalen Handlungsstadium (Vergleich der angestrebten Ziele und Ergebnisse mit der hier noch theoretischen Realisierbarkeit und Formulierung eines beabsichtigten Ziels), - der präaktionalen Handlungsphase (Abschluss der internen Bewertung der Umsetzbarkeit mit Hilfe von zielfördernden Handlungen, Formulierung eines Plans), - der volitional geprägten Handlungsphase (Beginn der aktiven Umsetzung bis hin zum erfolgreichen Abschluss oder als Alternative mit dem Abbruch der Handlungen) und - der postaktionalen Handlungsphase mit der zentralen Bewertung der Handlungsergebnisse im Vergleich zu den im ersten Stadium definierten Zielen. Die vorgestellten Befragungsergebnisse erlauben einen differenzierten und detaillierten Blick in das Entscheidungsverhalten Jugendlicher bei Kontakten mit der Dopingproblematik und weisen nachdrücklich darauf hin, dass Dopingprävention verstärkt im Altersbereich von 13-15 (oder eher) einsetzen sollte, wenn die erwarteten ablehnenden Haltungen bei den Mädchen und Jungen tatsächlich erzielt werden sollen. Hier sind insbesondere dann Erfolge in der Dopingvorbeugung zu erzielen, wenn aufklärerische Maßnahmen mit Aspekten der Gesundheitsgefährdung durch Sucht- und Rauschmittel verbunden werden. Desweiteren sollte diese Phase der Meinungsbildung genutzt werden, um insbesondere bei am Sport Interessierten realistische sportliche Ziele zu stecken, die ohne Leistungsmanipulation zu erreichen sind.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Sozial- und Geisteswissenschaften
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Saarbrücken Südwestdeutscher Verlag für Hochschulschriften 2008
Ausgabe:Saarbrücken: Südwestdeutscher Verlag für Hochschulschriften, 2008.- 180 S.
Seiten:180
Dokumentenarten:Buch
Level:hoch