Entwicklung und Intervention in Krisensituationen bei Spitzensportlern. Aspekte zu Verlauf, Bewältigung und Gesundheit
Das Ende einer leistungssportlichen Karriere kann sehr unterschiedlich aussehen. Es kann langfristig vorbereitet sein, manch einer hat sogar das Glück, auf dem Höhepunkt seiner Karriere abtreten zu können, mit Ruhm beladen und ohne Probleme beim Wechsel in eine berufliche und familiäre Zukunft. Ein Karriereende kann aber auch sehr schnell (das kann auch sehr früh mit Blick auf die bisherige Länge und die eigentlich noch geplante Fortführung der Laufbahn bedeuten) erfolgen. Und das Ende einer Karriere erfolgt auch in nicht gar so wenigen Fällen völlig unerwartet (und damit oftmals auch unvorbereitet für die Sportlerinnen oder Sportler) von einer zur anderen Sekunde, wenn es zu einer schweren Verletzung kommt, die eine Weiterführung leistungssportlichen Trainings unmöglich macht. Die zentralen Fragen, denen sich Pia-Maria Wippert in ihrer hier vorliegenden Untersuchung zuwendet lauten: Wie gehen Athletinnen und Athleten mit diesem kritischen Abschnitt ihres Lebens um, wie bewältigen sie die weitreichenden Lebensveränderungen und sich daraus ergebende Belastungen, welche Bewältigungsstrategien entwickeln sie allein oder gemeinsam mit Partnern und Unterstützern?
Die Ergebnisse wurden durch Studien mit insgesamt 61 Sportlerinnen und Sportlern im Alter von 16-35 Jahren gewonnen. es wurden zwei Studien durchgeführt, wobei die erste als prospektive Längsschnittstudie über neun Monate angelegt war und jeweils die Phase des Karriereendes umfasste. Krisenphasen und Krisenmechanismen wurden erfragt und dokumentiert und in Beziehung zu Persönlichkeitseigenschaften, Selbstkonzepten und Selbstakzeptanz der Befragten, ihren sozialen Netzwerken oder auch körperlich-psychischen Symptomen in der Untersuchungsphase gestellt. In der nachfolgenden, zweiten Studie wurde Probanden ein Betreuungsprogramm für die Übergangsphase des Karriereendes angeboten. Eine Befragung befasste sich mit der Wirksamkeit dieser Unterstützung.
Zusammenfassend wird ein sehr komplexer Unterstützungsprozess angeregt, der bereits vor dem Ende der aktiven Laufbahn einsetzen sollte. Hier sollten Kompetenzerwerb und der Aufbau und die Pflege sozialer und beruflicher Netzwerke in den Mittelpunkt gerückt werden. Die Notwendigkeit und der Sinn umfassender unterstützender Maßnahmen ergibt sich aus den langfristigen Wirkungen, die das Erleben und die Bewältigung gerade dieser Phase des nach-sportlichen Lebens für Sportlerinnen und Sportler besitzen und durch die wesentlich auch die perspektivische Leistungsfähigkeit in verschiedenen Bereichen geprägt wird. Die vorliegenden ersten Ergebnisse mit dem Mentorenprogramm sind interessant und viel versprechend. Sie sollten zum Nachdenken anregen, da die physische und psychische Gesundheit der betreuten Sportlerinnen und Sportler sowie ihr Wohlbefinden bereits nach gut einem halben Jahr besser waren.
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| Notationen: | Sozial- und Geisteswissenschaften |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Köln
Sportverlag Strauß
2007
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| Ausgabe: | Köln: Strauß, 2007.- 209 S. |
| Schriftenreihe: | Wissenschaftliche Berichte und Materialien des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, 2007, 1 |
| Seiten: | 209 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |