Vorbilder im Sport. Perspektiven auf ein facettenreiches Phänomen
Außergewöhnlich Leistungen oder Verhaltensweisen von Sportlern bzw. im Sport werden gerne als beispielhaft beschrieben. Wer erinnert sich nicht an herausragende kämpferische Leistungen in schier aussichtsloser sportlicher Lage, die dann doch noch zum Sieg führten (Typexempel ist hier der Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Finale der Weltmeisterschaft 1954 in Bern gegen eine übermächtig erscheinende ungarische Mannschaft) oder an ein durchgängig ehrenhaftes Verhalten gerade in Sportarten, deren Charakter durch kämpferische Auseinandersetzungen geprägt ist (wie es von Gentleman-Boxer Henry Maske oder Sven Ottke stets zu erleben war). Aber auch der Sport an sich, das faire Verhalten von Sportlerinnen und Sportlern, der Zusammenhalt in Mannschaften, ihr "Teamgeist", um ein gemeinsames Ziel zu erreichen (wie es gerade den deutschen Handballdamen bei den Weltmeisterschaften 2007 in Frankreich gelang), die taktische Disziplin bei der Umsetzung von Vorgaben des Trainers oder der hartnäckige Kampf um ein erfolgreiches Comeback nach einer schweren Verletzung, ohne aufzugeben - all das sind dem Sport immanente Züge, die gerne als Vorbild für das Handeln auch in anderen Lebenssituationen dienen. Allerdings gibt es auch die ernüchternden Erlebnisse, wenn Idole oder Stars, Vorbilder im Sport, des Betrugs überführt werden (hier haben gerade die letzten Monate im Radsport, in der Leichtathletik oder im Baseball einen Blick hinter die Kulissen des gerne als so fair und rein betrachteten Sp(r)itzensports gestattet), wenn ein brutales Foul auf dem Fußballplatz oder in der Handballhalle die Zuschauer und Fans den Atem anhalten lässt oder wenn sich Gerichte mit Manipulationsvorwürfen innerhalb von wettbetrügerischen Mafiastrukturen befassen müssen.
Bisher gibt es nur sehr wenige wissenschaftliche Publikationen, die sich diesem Phänomen aus wissenschaftlicher Sicht nähern. Insofern ist es den Herausgebern und Autoren zu danken, dass sie die Vorbildfunktion des Sports, der Sportlerinnen und Sportler, der Trainer und der Akteure im unmittelbaren Umfeld der Athleten etwas näher und aus sehr unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Es geht dabei sowohl um eine theoretische Einordnung und Behandlung der Entstehung, des Wesens und der Funktionen von Vorbildern, als auch um ganz praktische Erfahrungen mit sportlichen Vorbildern. Dies erscheint insbesondere auch dadurch interessant, dass eine intensivere Beschäftigung damit gerade im Sport zu einem sehr heterogenen, teilweise sogar skurilen Bild führt. Die vorgelegten Berichte sind sehr vielschichtig, reichen von der Untersuchung anthropologisch-phänomenologischer Grundlagen und der Tauglichkeit elementarer sportlicher (Regel geleiteter) Verhaltensweisen für die Formulierung vorbildhaften Verhaltens bis zum Einfluss von christlichen Lebensüberzeugungen von Sportlerinnen und Sportlern auf ihr verhalten in Training und Wettkampf. Dass die Vorbildfunktion im Sport auch Trainer einbeziehen kann, zeigt ein Beitrag, wie in anderen Beiträgen auch dien problematischen Themen von (angeblichen) Vorbildern im Sport vorgestellt werden und stellen gerade diese in einen breiteren situativen, persönlichen, motivationalen und kulturellen Kontext.
Inhaltsverzeichnis
Eine anthropologisch-phänomenologische Spurensuche (C. Kruse)
Zur Vorbildfunktion des Sports - zwischen Idealen und Ernüchterungen (T. Schauerte)
Christliche Werte im Sport. Eine Basis für vorbildliches Verhalten im Sport? (G. Schmitt)
Wenn Vorbilder enttäuschen (Th. Bruns)
Vorbilder am Spielfeldrand - zur Inszenierung von Trainerlegenden (J. Schwier)
Boxhelden mit angezweifelter Vorbildfunktion. Yankee Sullivan und John L. Sullivan (St. Wassong & E. Mertin)
Die Spielerfrau als Vorbild. Anmerkungen zur medialen Inszenierung eines gesellschaftlichen Phänomens (D. Schaaf)
Helden, Stars und Vorbilder im Feld des Mediensports. Oder: Zidane trifft Materazzi (J. Schwier & Th. Schauerte)
Bewegungslernen durch Vorbilder (H. Müller)
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Sozial- und Geisteswissenschaften |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Köln
Sportverlag Strauß
2007
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| Ausgabe: | Köln: Sportverlag Strauß, 2007. - 180 S. |
| Schriftenreihe: | Sport - Medien - Gesellschaft, 3 |
| Seiten: | 180 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | mittel |