Simulation im alpinen Skirennsport : ein Modell zur Analyse der biomechanischen Einflussgrößen und Optimierung der Fahrlinie auf realen Rennpisten mit Genetischen Algorithmen
Der alpine Spitzen-Skirennsport steht heute technisch wie konditionell auf einem hohen Niveau. Für die Athletinnen und Athleten ist dieser hohe Leistungsstandard mit einem enormen Trainingsaufwand verbunden. Nur so können sie sich in der dicht besetzten Spitze bei Weltcup-Rennen behaupten, wo oft Sekundenbruchteile oder wenige Zentimeter über Sieg und Niederlage entscheiden. Trotz der großen Leistungsdichte gibt es aber auch Bereiche, in denen Topathleten auffallend unterschiedlich handeln, so etwa, wenn es auf einer Wettkampfstrecke um die schnellste Fahrlinie geht. Bei den Disziplinen Abfahrt und Super-G liegen die ausgewählten Strecken
manchmal um einige Meter auseinander. Dabei sind diese voneinander abweichenden Fahrlinien in der Regel nicht auf Fahrfehler zurückzuführen, sondern bewusst aus jener etwas undefinierbaren Mischung von Erfahrung, Intuition und Wissen der Trainer und Athleten entstanden. Dies alles führt immer mehr zu der Auffassung, dass Trainieren rein nach dem Gefühl und nur aus subjektiver Erfahrung heraus nicht mehr möglich ist. Das gilt genauso auch für die Wettkämpfe und deren unmittelbare Vorbereitung, da hier neben den technisch-konditionellen Leistungen auch taktische Aspekte, z.B. die der Linienwahl, eine entscheidende Rolle spielen. Beim Technik- und Konditionstraining werden heute moderne wissenschaftliche Erkenntnisse durchaus verstärkt miteinbezogen, im
Taktischen fehlt dies aber um so mehr. Sucht man in der Sportwissenschaft nach Antworten zu diesem Bereich, so ist dort ein großes Defizit festzustellen. Die Trainer und Athleten finden kaum Hilfe zu wichtigen taktischen Fragen: Ist es günstiger, eine Kurve eng zu fahren und nimmt man dabei wegen der größeren Fliehkräfte und den damit höheren technischen und konditionellen Anforderungen eine aufrechte Haltung ein? Oder fährt man besser die technisch einfachere, weite Linie in einer sehr kompakten und aerodynamisch günstigen Körperhaltung? Ziel dieser Arbeit ist es, ein Simulationsmodell des alpinen Skirennlaufs zu erstellen, mit dem die Faktoren aufgezeigt, untersucht und miteinander in Bezug gebracht werden können, die die Geschwindigkeit und damit die Leistung beeinflussen. Als Randbedingungen des Modells sollen dabei reale Streckenabschnitte und Fahrlinien verwendet werden. In einem weiteren Schritt sollen dann methodische Rechenverfahren (Genetische Algorithmen) entwickelt werden, mit denen sich auf der Grundlage des Simulationsmodells die Fahrlinie optimieren lässt. Damit steht dann ein Werkzeug zur Verfügung, mit dem quantifizierbare Aussagen zur Einflussgröße biomechanischer Faktoren im alpinen Skirennsport möglich sind. Ebenso lässt sich damit die Auswirkung verschiedener Fahrlinien auf die Laufzeit berechnen und eine optimale Fahrlinie auf einem gegebenen Streckenabschnitt finden. Wie alle Sportarten ist der alpine Skirennsport von einer wohl kaum aufzulösenden Komplexität. Die Sportwissenschaft mag hier sicher manche Erfolge erzielen und ihre Modelle mögen auch noch so differenziert vorgehen, so muss sie sich doch im Klaren darüber sein, dass Modelle immer nur einen begrenzten Ausschnitt des Originals darstellen.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Naturwissenschaften und Technik technische Sportarten |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Berlin
dissertation.de
2000
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| Ausgabe: | Berlin: dissertationen.de Verlag im Internet GmbH, 2000.- 142 S. |
| Seiten: | 142 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |