Die Kunst der Höchstleistung. Sportpsychologie, Coaching, Selbstmanagement
Die Sportpsychologie wird in einer zunehmenden Zahl von Sportarten bewusst eingesetzt, um Sportlerinnen und Sportler auf ihrem Weg zu Weltspitzenleistungen zu begleiten und zu unterstützen. Dies ist dadurch möglich geworden, dass weltweit eine zunehmende Zahl von Psychologen den Sport als ein wichtiges Feld erkannt hat, um Verfahren aus der Psychologie zum Nutzen der Athleten einzusetzen. Gleichzeitig wurden damit Voraussetzungen geschaffen, um wissenschaftlich-theoretische Grundlagen sportpsychologischer Interventionen zu erforschen, aufzuhellen und deren Ergebnisse wieder in praktische Programme zu transferieren. Hier besteht im Normalfall eine Erwartungshaltung unter den Sportpraktikern, dass Sportpsychologen Angebot in den Bereichen Motivation und Zielorientierung, Konzentration oder Entspannung machen können, die insbesondere in Stress beladenen Wettkampfsituationen hilfreich sein können. Die Möglichkeit sportpsychologischer Diagnoseverfahren, um Stärken und Schwächen von Sportlern zu erkennen, wird dabei eher selten in Betracht gezogen, obwohl gerade hier ein Feld sehr effektiver psychologischer Unterstützung besteht. Das Konzept des Selbstmanagement greift an dieser Stelle in den Prozess der Vorbereitung und Erbringung sportlicher Höchstleistungen ein, in dem es Wege aufzuzeigen versucht, Emotionen, Kognitionen und Verhalten durch Reflexion und Lernen aufeinander abzustimmen. Da sich im Spitzensport dieser Prozess stets an der Grenze der menschlichen Leistungsfähigkeit abläuft, Sportler dieses Limit manchmal überspringen und sich überfordern, aber auch darunter liegen und damit umgehen müssen, sind derartige Optimierungsprozesse von entscheidender Bedeutung, wenn das sportliche Ziel tatsächlich erreicht werden soll. Grenzerfahrungen zählen in diesem Prozess zu den ständigen Wegbegleitern, die verarbeitet werden müssen, um ein neues sportliches Ziel angehen zu können. Mit dem Selbstmanagement setzt sich aus einer reihe von Schritten zusammen, die nach einander ablaufen: Es beginnt mit der Schaffung günstiger Ausgangsbedingungen und dem Beziehungs- bzw. Vertrauensaufbau zwischen Sportler und Psychologen, dem sich der Aufbau der Änderungsmotivation und der Auswahl derÄnderungsbereiche anschließt. Von grundlegender Bedeutung ist die aktuelle Verhaltensanalyse, des Ist-Zustandes und die Erstellung des funktionalen Bedingungsmodells, die für Phase 3 charakteristisch sind. Mit der Vereinbarung von psychologischen Zielen wird von den Partnern ein zustand definiert, den es zu erreichen gilt (Phase 4). Es bleibt die Auswahl geeigneter Methoden und deren effektiver Einsatz, d.h. ein individuelles psychologisches Trainingsprogramm wird in Phase 5 zusammengestellt. Dieses unterliegt einer kontinuierlichen Bewertung, um psychologische Fortschritte zu erkennen und in die Weiterarbeit einfließen zu lassen. Das passiert in der Phase 6, bevor die letzte Phase der Erfolgsoptimierung dient, d.h. der Feststellung, dass der Sportler die notwendige Problemlösungs- und Selbstmanagementkompetenz erworben hat, die er zukünftig selbständig nutzen kann. Für diese Prozesse stellt der Autor sehr umfassende praktische Beispiele vor, die er in verschiedenen Sportarten (Individual- wie Teamsportarten) selbst erfolgreich genutzt hat. Damit entsteht ein sehr praktisches Bild der Einsatzmöglichkeiten des Selbstmanagement, um - durch eine klare Zielbestimmung und Kontrolle der Lebensbedingungen die Motivation von Sportlern zu erhöhen - den Widerstand gegen Änderungen und Gegenkontrolle zu reduzieren - durch die Einbeziehung in Entscheidungsprozesse die Selbsteffizienz zu erhöhen - durch die Zuordnung des Erfolgs zum Sportler selbst und nicht zu anderen unabhängige Handlungen zu verstärken - das das aktive Erleben von rechten und Eigenverantwortung soziale und ethische Werte zu gewährleisten - psychologische Lernprozesse zu Generalisieren und die positiven Erfahrungen auch auf andere Bereiche zu übertragen.
Die Nutzung der vorgestellten Programme und Übungen des Selbstmanagements im Sport kann dazu beitragen, die individuellen und Team bezogenen Potenziale im Training und Wettkampf effektiv zu nutzen. Das "Extremorgan" Gehirn kann in dieser Beziehung mehr leisten, als oftmals vermutet. Damit dies aber auch tatsächlich passiert, sollten Sportler, Trainer, Ärzte und Psychologen eng zusammenarbeiten und sich der wissenschaftlichen Möglichkeiten bedienen, die zum Beispiel das Selbstmanagement bietet.
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| Subjects: | |
|---|---|
| Notations: | social sciences |
| Language: | German |
| Published: |
Wien, New York
Springer
2006
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| Pages: | 304 |
| Document types: | book |
| Level: | intermediate |