Anpassung der morphologischen und mechanischen Eigenschaften des Muskels und der Sehne durch exzentrisches Training - Effekt der Reizfrequenz
Regelmäßiges Training kann zu einer Erhöhung des Muskelquerschnittes (radiale Adaptation) und der Muskelfaserlänge (longitudinale Adaptation) führen und somit die Muskelkraft, die Verkürzungsgeschwindigkeit sowie die maximalen Muskelleistung - als Produkt von Kraft und Geschwindigkeit - erhöhen. Neuere Studien belegen, dass exzentrisches im Vergleich zu konzentrisch durchgeführtem Training zu einer höheren Muskelhypertrophie führt (Roig et al., 2009; Vikne et al., 2006); zudem wird mit exzentrischen Kontraktionen eine longitudinale Adaptation assoziiert (Butterfield et al., 2005). In einer vorangegangenen Studie unserer Arbeitsgruppe (Sharifnezhad et al., 2014) zeigte sich dabei eine Spezifität der Bewegungsgeschwindigkeit (Reizfrequenz) bei exzentrischen Kontraktionen hinsichtlich radialer und longitudinaler Muskeladaptation. Aus trainingspraktischer Sicht sind die mit exzentrischen Kontraktionen assoziierten Adaptationen insofern interessant, als dass sie zur Steigerung der sportlichen Leistung (z. B. Kumagai et al., 2000) und zur Verletzungsprophylaxe (z. B. Brockett, Morgan, & Proske, 2004) beitragen können.
Ziel der vorliegenden Arbeit war es, den Einfluss der Geschwindigkeit von exzentrischen Belastungen auf die mechanischen und morphologischen Muskeleigenschaften zu untersuchen. Wir stellten die Hypothese auf, dass die Durchführungsgeschwindigkeit der applizierten exzentrischen Belastung einen entgegenwirkenden Effekt auf die longitudinale und radiale Muskeladaptation zeigt. Hohe Geschwindigkeiten führen eher zu einer longitudinalen Adaptation während niedrige Geschwindigkeiten eine radiale Hypertrophie begünstigen. Die vorliegende Studie konnte zeigen, dass ein ca. 12-wöchiges Training mit exzentrischen Kontraktionen sowohl eine radiale als auch longitudinale Muskelhypertrophie hervorruft. Die radiale Muskelhypertrophie äußert sich in der signifikanten Zunahme der maximalen Muskelquerschnitte und indirekt in der Zunahme der maximalen Knieextensionsmomente. Auf eine longitudinale Muskeladaptation deutet die signifikante Zunahme der Muskelfaserlänge hin. Zwischen den einzelnen Trainingsgruppen konnte jedoch für keinen der untersuchten Parameter ein signifikanter Unterschied gefunden werden. Unsere Hypothese, dass ein Training mit langsamen exzentrischen Kontraktionen eher eine radiale Hypertrophie begünstigt und ein Training mit hohen Geschwindigkeiten eher zu einer longitudinalen Muskeladaptation führt, konnte daher nicht bestätigt werden.
© Copyright 2018 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2017/18. Veröffentlicht von BISp. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Trainingswissenschaft Biowissenschaften und Sportmedizin |
| Veröffentlicht in: | BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2017/18 |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Bonn
BISp
2018
|
| Online-Zugang: | https://my.page2flip.de/15646901/16713668/16713670/html5.html#/14 |
| Seiten: | 13-16 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |


