Auswirkungen von erschöpfendem Ganzkörpervibrationstraining auf neuromuskuläre Parameter im Vergleich zu erschöpfendem Kniebeugentraining
Vibrationstraining (VbX) ist eine relativ neue Form von Training zur Vorbeugung und Behandlung von Osteoporose, die mit der Idee entwickelt wurde, dass Muskeln durch auf spinaler Ebene ausgelöste Reflexe stimuliert werden. Derzeit werden verschiedene Einsatzgebiete des VbX geprüft, sie reichen vom Training für Leistungssportler (Bosco et al. 1999) über Therapie von chronischen Rückenschmerzen (Rittweger et al. 2002) und Prävention von Immobilisation und Frakturen bei geriatrischen Patienten bis hin zur Therapie der Osteoporose (Rubin et al. 2001). Im Rahmen von mit VbX durchgeführten Studien wurden verschiedene interessante Beobachtungen gemacht: So ist beispielsweise das Auftreten von Erythemen an den beanspruchten Körperpartien beobachtet worden (Rittweger et al. 2000). Überraschenderweise wurde auch eine erhöhte EMG-Frequenz während isometrischer Muskelkontraktionen nach VbX festgestellt. Und dies, obwohl muskuläre Erschöpfung sowohl bei exzentrischer als auch bei konzentrischer Muskelkontraktion normalerweise mit einer verminderten EMG-Frequenz einhergeht (Hakkinen et al. 1983). Ziel der vorliegenden Untersuchung war es deshalb, die Auswirkungen von Ganzkörpervibrationstraining auf das neuromuskuläre System explorativ zu erforschen und mit normalem Training mit Kniebeugen zu vergleichen. Aus diesem Grunde wurden der Einfluss von VbX auf die neuromuskuläre Leistung sowie die Kraft und die Ausdauer beurteilt. Dies geschah durch die Untersuchung isometrischer Muskelkontraktionen und eine Serie von Strecksprüngen. Zudem sollte eine Beurteilung der Effekte von VbX auf die Aktivierungsmuster des zentralen Nervensystems mittels EMG-Analyse während isometrischer Muskelkontraktionen sowie eine quantitative Analyse der Muskeldehnungsreflexe durchgeführt werden. Insgesamt wurden in die Studie 19 junge, gesunde Erwachsene eingeschlossen. Vor, direkt nach dem eigentlichen Training sowie nach einer zehnminütigen Erholungsphase wurden drei verschiedene Tests für jeweils 30 Sekunden durchgeführt: vertikale Strecksprünge in maximaler Höhe, EMG-Messungen während einer isometrischen Streckung im Kniegelenk mit 70 % der Maximalkraft sowie eine quantitative Analyse des Patellarsehenreflexes (PSR). Die Ergebnisse der Messungen vor dem Training waren unabhängig davon, ob VbX durchgeführt wurde, oder nicht. Die Trainingszeit bis zur kompletten Erschöpfung war signifikant kürzer sobald VbX durchgeführt wurde. Das kapillär gemessene Blutlaktat sowie die subjektiv angegebene körperliche Erschöpfung zeigten jedoch keinen signifikanten Unterschied, so dass davon ausgegangen werden kann, dass durch beide Trainingsarten eine ähnliche körperliche Erschöpfung erreicht werden konnte. In den Messungen nach dem Training war die EMG-Frequenz des M. vastus lateralis nach VbX+ signifikant gegenüber VbX- erhöht. Die Amplitude des Patellarsehnenreflexes war nach VbX+ ebenfalls signifikant gegenüber VbX- erhöht. In den übrigen Messparametern bestand kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Trainingsmodalitäten. Aufgrund der oben angeführten Resultate der neuromuskulären Untersuchungen ist deshalb anzunehmen, dass es beim Training mit vergleichbarer Erschöpfung und muskulärer Ermüdung durch die zusätzliche Applikation von VbX+ zu einer wesentlichen Beeinflussung neuromuskulärer Erregungsmuster kommt. Wenn man sich die gesteigerte Reflexamplitude des PSR vor Augen hält, kommt es möglicherweise durch VbX zu einer Steigerung der neuromuskulären Erregbarkeit. Da die Messungen in der vorliegenden Studie an jungen Erwachsenen durchgeführt wurden, sollten in Zukunft vor allen Dingen auch Messungen mit älteren Probanden oder Patienten durchgeführt werden. Durch die zusätzliche Beurteilung der neuromuskulären Parameter bei verschiedenen Vibrationsfrequenzen oder -amplituden könnten die Auswirkungen von VbX auf das neuromuskuläre System weiter untersucht und verstanden werden. Dies könnte eine große Rolle bei der Nutzung von VbX als potentielles Trainings- oder Therapiegerät in der Zukunft spielen. Dies gilt auch für die Dauer des Trainings mit VbX, die Amplitude von VbX und das eventuell zusätzlich applizierte Gewicht.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Biowissenschaften und Sportmedizin Naturwissenschaften und Technik |
| Sprache: | Englisch |
| Veröffentlicht: |
Berlin
Medizinische Fakultät der Charité - Universitätsmedizin Berlin
2006
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| Online-Zugang: | https://www.bisp-surf.de/Record/PU200907003762/RIS |
| Seiten: | 53 |
| Dokumentenarten: | Forschungsergebnis |
| Level: | hoch |


