Trainingssteuerung im Krafttraining - Steuergröße Intensität ein überholtes Konzept?
Die Kraft, als conditio sine qua non aller sportmotorischen Leistungen, nimmt im Kanon der konditionellen Fähigkeiten eine besondere Rolle ein. Diese exponierte Stellung der Kraft bzw. des Krafttrainings innerhalb des sportlichen Trainings ist seit längerer Zeit anerkannt (12). Betrachtet man die Literatur zur Krafttrainingsmethodik, so werden, bezogen auf die isometrische und/oder konzentrische Maximalkraft, zur Dosierung der Intensität prozentuale Angaben und Wiederholungszahlen angegeben (3). Dieses Vorgehen beruht auf einer deduktiven Beanspruchungsermittlung, wie sie in arbeitswissenschaftlichen Ansätzen zur Auswahl einer "angemessenen" (orientiert an der jeweiligen Trainingsintention) Belastung vorgeschlagen wird. Prozentangaben und Wiederholungszahlen sollten danach den Grad der "ressourcenabhängigen" Ausschöpfung (15) der individuellen Fähigkeit "Maximalkraft" angeben (16). Der Begriff Intensität wird allerdings im Zusammenhang mit Angaben zum Krafttraining alleine auf die bewältigte Last bezogen und gibt nicht den Grad der Ausschöpfung der zugrundeliegenden physiologischen Ressourcen an, die zur Ansteuerung spezifischer Trainingsziele erreicht werden sollen. Implizit und explizit wird angenommen, dass bei gegebener Intensität in etwa die zugeordnete Wiederholungszahl realisiert bzw. aus einer realisierten Wiederholungszahl auf die Intensität geschlossen werden kann (7; 8; 14). Dass dieser Schluss in stringenter Weise so jedoch nicht haltbar ist, konnte nunmehr in zahlreichen Untersuchungen (1; 4; 5; 6; 9; 10; 11) nachgewiesen werden. Radlinger et al. (1998, 45) halten hierzu fest: "Unseres Erachtens erscheint es wichtig, den gewünschten Zielbereich (intramuskuläres Koordinationstraining oder Muskelaufbautraining) anhand des Kriteriums Ausbelastung in einer methodenspezifischen Belastungsdauer´ beschreiben zu können. Bei wieviel Prozent sich dieser Bereich einordnet, ist nebensächlich und hat für die richtige Therapieintensität keine Bedeutung."
Zum methodischen Vorgehen zur Steuerung und Regelung des Krafttrainings, speziell des Kraftausdauertrainings, schlägt Carl et al. (1989) treffend vor, dass es bei der Analyse der Trainingswirkungen sicherlich nicht ausreicht, nur die Wirkung in Richtung auf das Haupttrainingsziel zu betrachten, also bspw. die Vergrößerung der möglichen Wiederholungszahl bei der Durchführung einer bestimmten Übung. Es ist vielmehr notwendig eine umfassende Wirkungsanalyse in bezug auf möglichst alle als leistungsrelevant erkannten Verhaltensdimensionen einschließlich einer Analyse der Wechselwirkungen zwischen diesen Elementen und einer Analyse der Trainingswirkungen in bezug auf die indirekten Leistungsbedingungen, also bspw. auf metabolische, neurophysiologische oder emotionale Größen, herzustellen. Bezug nehmend hierauf und der Erkenntnis der zugrundeliegenden Beanspruchung (bspw. neuronale Aktivität, Laktatverhalten, Blutdruck und Herzfrequenz) könnte so das gewählte Trainingsziel mit einer entsprechenden maximalen Wiederholungszahl, respektive einer bestimmen Belastungsdauer, realisiert werden. Ein Intramuskuläres Koordinationstraining wäre so bspw. mit 3-5 Wdh. und explosiver Bewegungsausführung, ein Hypertrophietraining mit 8-15 Wdh. bis zur muskulären Erschöpfung sowie ein Kraftausdauertraining mit 25-35 Wdh. und einer Serienpause von einer Minute durchzuführen. Die Gewichtsbelastung müsste des Weiteren über die Serien jeweils neu angepasst werden, so dass die Wiederholungszahlen in einem bestimmten Korridor verbleiben können (4).
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| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Trainingswissenschaft |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
2002
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| Online-Zugang: | http://www.sport-training.de/pdf/froehlich_2002.pdf |
| Dokumentenarten: | Kongressband, Tagungsbericht |
| Level: | hoch |


