Seitendifferenzen in der Diagnose der Kraftvoraussetzungen der oberen Extremitäten
In allen Ausdauersportarten wird dem Krafttraining eine zunehmende Bedeutung zugemessen. Verchoshanskij (1991) beschreibt steigende Landtrainingsumfänge und die Erhöhung des Anteils des speziellen Krafttrainings an Land. Wilke und Madsen (1988) ermittelten Anteile des Landtrainings bei Hochleistungsschwimmern von über 40 %. Im Lauf wird die Erhöhung des Anteils des Kraft- und Schnellkrafttrainings unter erschwerten Bedingungen in einer Erhöhung der Anzahl von Berganläufen und -sprüngen, Hügelläufen oder Sandläufen (Polunin/ Snesarev 1990) sowie zusätzlich durch den Einsatz von Gewichtsmanschetten, Gewichtswesten oder Zugwiderständen (Reiß/ 1995) beobachtet.
Um dieses spezielle Kraftausdauertraining besser bewerten und steuern zu können, wurde für die oberen Extremitäten ein Seilzugergometer entwickelt. Mit Hilfe dieses Ergometers können die speziellen Kraftvoraussetzungen in den Sportarten Schwimmen, Triathlon, Skilanglauf, Biathlon und Kanurennsport diagnostiziert werden.
Die Kraftausdauerdiagnose erfolgt stets unter den Bedingungen der Widerstandserhöhung (z.B. durch Zusatzlasten, Anstiege bei Läufen, Übersetzungen im Radsport) und damit der Zwangsbedingung für den Sportler, einen erhöhten Energiebetrag pro Einzelzyklus im Vergleich zur Originalbewegung abzugeben. In Folge davon verlängern sich die aktiven Bewegungsphasen (d.h. die Phase mit äußerlich meßbarer Kraftwirkung). Ziel der Kraftausdauerdiagnose ist es, die Reaktion des Sportlers auf diese Zwangsbedingung zu erfassen. Im Mittelpunkt dieses Beitrages sollen die biomechanisch meßbaren Veränderungen dieses Phänomens stehen.
Das Diagnosegerät ist mit zwei getrennten Widerstandseinheiten ausgestattet, die rückwirkungsfrei arbeiten. Am Diagnosegerät wurden die wirkenden Kräfte sowie die Auszugslänge gemessen und die Parameter Arbeit [Nm], mechanische Leistung [W], Zugwege [m], Zugzeiten [s] sowie die Bewegungsgeschwindigkeit [m/s] getrennt für den linken und rechten Arm bestimmt.
Es wurden folgende Tests ausgeführt:
a) maximale 10er Serien gegen fünf verschiedene Bewegungswiderstände und
b) Dauertests mit unterschiedlicher Dauer (1,2,4 und 5 Minuten), Bewegungsausführung (synchrone oder alternierende Armarbeit) und disziplinspezifischen Bewegungswiderständen je nach Spezialisierung des Sportlers.
An den Untersuchungen nahmen Kadersportler des Schwimm- und des Triathlonverbandes teil.
Zusätzlich wurden in einem Fragebogen Informationen über die Lateralität der SportlerInnen erfaßt. Dies beinhaltete unspezifische Leistungsvoraussetzungen wie Händigkeit, Drehseitigkeit und Absprungbein sowie sportartspezifische Leistungsvoraussetzungen, die speziell mit der Atmung im Zusammenhang stehen.
Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen die Abhängigkeit der links-rechts-Unterschiede vom Bewegungswiderstand und damit der Bewegungsgeschwindigkeit und der Bewegungsausführung (synchrone oder alternierende Arbeitsweise). Es deuten sich sportartspezifische Zusammenhänge zur Atmung an. Die Seitendifferenzen sind um so größer, je weniger der Sportler in der Lage ist, eine Dreieratmung im Training auch bei höheren Schwimmgeschwindigkeiten zu realisieren. Das bestätigt die Forderung für das Nachwuchstraining, in jedem Fall die beidseitige Atmung zu erlernen.
Im Gegensatz zu den sportartspezifischen sind die Zusammenhänge der Seitenunterschiede mit den unspezifischen Leistungsvoraussetzungen diffuser und es lassen sich keine eindeutigen Zusammenhänge erkennen. Problematisch erscheint in diesem Zusammenhang, daß der Anteil der Linkshänder unter den Leistungsschwimmern sehr gering ist.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Ausdauersportarten Naturwissenschaften und Technik |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
1998
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| Online-Zugang: | http://www.tu-darmstadt.de/fb/fb3/sport/veranst/bei/witt.htm |
| Dokumentenarten: | Kongressband, Tagungsbericht |
| Level: | hoch |


