Leitfaden Physiotherapie
Mit der 1994 erschienenen ersten Auflage des "Leitfadens Physiotherapie" mit gut 650 Seiten legten die Autoren einen Überblick über therapeutische Konzepte und Behandlungen vor, der alle gängigen Anwendungsgebiete umfasste und der ganz bewusst als praxisnahe und am Alltag orientierte und für diesen taugliche Hilfestellung verstanden werden wollte und will. In den zurückliegenden nahezu 20 Jahren ist dieser Denk- und Schreibansatz mit den weiteren fünf Auflagen immer mehr erweitert und verfeinert worden. Inzwischen braucht es fast 1.000 Seiten, um das Grundwissen der Physiotherapie in seiner Komplexität und Vielfalt systematisch sowohl aus der fachwissenschaftlichen Sicht, aber auch aus der Perspektive des klinisch tätigen Therapeuten darzustellen und zu diskutieren.
In den zwei Jahrzehnten haben sich das Wissen zu den physiologischen und medizinischen Grundlagen als auch die darauf aufbauenden praktischen Therapiekonzepte deutlich erweitert. So sind in den letzten Jahren zum Beispiel Erkenntnisse der Neurowissenschaften stärker genutzt wurden. Auch das Verständnis einer physiotherapeutischen Intervention als biopsychosozialer Prozess hat sich spürbar gewandelt und zu einer Veränderung sowohl des physiotherapeutischen Selbstverständnisses als auch praktischen Denkens und Handelns der Therapeuten geführt. Damit werden höhere Anforderungen an das Wissen und die Fertigkeiten der Physiotherapeuten gestellt, um für den einzelnen Patienten ein geeignetes Behandlungskonzept auszuwählen und dann auch effektiv zur Anwendung zu bringen.
Im Sport gibt es hierzu eine Vielzahl von Erkenntnissen und Erfahrungen, sowohl in der Entwicklung und Umsetzung von Präventionsprogrammen, aber insbesondere auch in der Therapie nach Verletzungen oder chirurgischen Eingriffen. Die Arbeitsbedingungen von Physiotherapeuten im Sport, und hier insbesondere im Wettkampf- und Leistungssport, unterscheiden sich dabei nicht selten von denen in anderen Arbeitsbereichen. Sie begleiten Mannschaften oder Einzelsportler regelmäßig im Training und Wettkampf, sind bei Verletzungen oftmals am Ort des Geschehens und können sofort eingreifen. Sie stellen für viele Sportlerinnen und Sportler aber auch eine Vertrauensperson weit über die physiotherapeutische Intervention hinaus dar und sind auch gleichzeitig Partner von Teamärzten und Trainern mit den sich daraus ergebenden Einflussmöglichkeiten auf die Trainings- bzw. Belastungsgestaltung, aber auch mit den besonderen Stresssituationen des aktiven Sports. Diese beispielhaft genannten Besonderheiten führen dazu, dass von Physiotherapeuten im Sport ein umfangreiches Wissen und sehr vielfältige Erfahrungen gefordert werden, um den unterschiedlichen Ansprüchen gerecht zu werden. Dabei zeigt sich, dass sie diese nicht immer aus dem Sportbereich allein generieren können. Vor ihnen steht auch die Aufgabe, die Entwicklungen in Bereichen wie der inneren Medizin oder Orthopädie, aber auch aus der Pädiatrie genau zu verfolgen und für den Sport nutzbar zu machen.
Der Blick über den fachlichen Tellerrand sollte deshalb zum Tagesgeschäft gehören, um die notwendige lebenslange Wissensaneignung und Weiterbildung gewährleisten zu können. Dabei kann der enzyklopädisch angelegte Leitfaden von "Urban & Fischer" eine wichtige Hilfe sein. Er bietet eingangs die ausführliche Präsentation physiotherapeutischer Konzepte von der Alexander-Technik und der Manuellen Therapie über die Osteopathie und Rückenschule bis zum Konzept des Schlingentischs und der Spiraldynamik. Danach widmen sich die Autoren sehr intensiv den Möglichkeiten der physikalischen Therapie und Massage, bevor sie verschiedenste Hilfsmittel, Verbände und Medikamente vorstellen, die innerhalb der physiotherapeutischen Behandlungen zum Einsatz können.
Natürlich bedarf es eines ausgeprägten Fachwissens aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen, um für eine richtige Diagnose Befunde erheben und verstehen zu können. Dazu werden typische Störungsbilder aus der Orthopädie, Traumatologie, Sportphysiotherapie, Chirurgie, inneren Medizin, Gerontologie und Geriatrie, Neurologie, Pädiatrie, Gynäkologie und Urologie vorgestellt. Innerhalb dieser Kapitel werden Therapieziele klar formuliert und mit Blick sowohl auf die Behandlungsmöglichkeiten der Körperstrukturen als auch auf deren Funktionen diskutiert. Für die Verletzungs-, Krankheits-, Schadens- oder Störungsbilder werden geeignete Methoden zur Befunderhebung erklärt, es werden alternative Konzepte für konservative und post-operative Interventionen präsentiert. Die vorgeschlagenen Methoden werden dabei in ihrer praktischen, schrittweisen Nutzung innerhalb mehrerer Behandlungsphasen vorgestellt, auf den sinnvollen Einsatz von Hilfsmitteln wird hingewiesen. Weiterführende Literaturhinweise runden das Bild eines umfassenden Nachschlagewerks, das natürlich über ein alphabetisches Sachregister verfügt, ab.
Mit dem Erwerb dieses Leitfadens erwirbt man außerdem das Recht auf einen zeitlich begrenzten kostenlosen Online-Zugriff auf den Buchinhalt und die Abbildungen.
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| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Biowissenschaften und Sportmedizin |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
München
Urban & Fischer
2012
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| Ausgabe: | München: Urban & Fischer, 6. Aufl., 2012.- 991 S. |
| Seiten: | 991 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |


