Lehrbuch der Manuellen Medizin
Es gibt inzwischen sehr unterschiedliche Therapieoptionen für Funktionsstörungen des menschlichen Bewegungssystems. Darunter befinden sich auch die Methoden der manuellen Medizin, die sich schwerpunktmäßig mit segmentalen Funktionsstörungen der Wirbelsäule und peripherer Gelenke, Faszien und Muskeln befasst. Bevor aber ein geeignetes Therapiekonzept entwickelt wird steht zuerst die Aufgabe, mit einer differenzierten Diagnostik die Ursachen der Störungen zu erkennen und zu bewerten. Ein solcher Befund zu Funktionsstörungen kann in den angesprochenen Körperregionen auch "per Hand" erhoben werden. Hier sind verschiedene grundlegende manualmedizinische Diagnostikkonzepte wie die Dreischrittdiagnostik entwickelt worden, für die es inzwischen auch Erweiterungen und Ergänzungen mit speziellen Anwendungen für Körperregionen wie die Lendenwirbelsäule, die Halswirbelsäule oder die Gelenke der Extremitäten gibt.
In der vorliegenden 6. Auflage des Standardwerks zur Manuellen Medizin ist es ein erstes Anliegen der Autoren, die Möglichkeiten manueller Interventionen an Haltungs- und Bewegungsorganen vorzustellen, dabei aber auch gleichzeitig auf Grenzen und Kontraindikationen hinzuweisen. Dazu werden die Grundbegriffe von Blockierungen über Fehlbelastungen bis hin zu verschiedenen Wechselwirkungen definiert und mit deren Relevanz für die Diagnostik und Therapie diskutiert. Dem schließen sich sehr umfangreiche und detaillierte Kapitel zu folgenden Themen an
- manualmedizinische Diagnostik und manuelle Behandlungstechniken an den einzelnen Wirbelsäulenabschnitten
- Diagnostik und Therapie am Sakroiliakalgelenk
- Diagnostik und Therapie an der Lendenwirbelsäule
- Diagnostik und Therapie im Thorakalbereich
- Diagnostik und Therapie an der Halswirbelsäule
- Manuelle Befunderhebung und Behandlung funktioneller Störungen an den Extremitätengelenken.
Ausgehend von grundsätzlichen Positionen zur manualmedizinischen Befunderhebung in der jeweiligen Körperregion werden geeignete unspezifische und spezifische Techniken vorgestellt. Die Präsentation geeigneter Techniken erfolgt, basierend auf einer Beschreibung der Indikation, sehr präzise und differenziert in Wort und Bild, oftmals mit einer Kurzzusammenfassung der Eckpunkte der jeweiligen Technik. Zu den vorgestellten gut 100 Techniken zählen zum Beispiel die funktionelle Irritationspunktuntersuchung oder der Dreipunktgriff aus dem Kniestand, myofasziale Techniken in unterschiedlichen Körperlagen oder Hangtraktionstechniken an der Brustwirbelsäule, aber auch Druckpunkttechniken und Muskelenergietechniken.
Angesichts der engen Verbindungen der Muskeln mit der Wirbelsäule und mit Gelenken innerhalb von Blockierungsketten werden für diese ebenfalls mehrere manuelle Behandlungstechniken wie Muskeldehntechniken, die Triggerpunktbehandlung und das fasziale Ausstreichen vorgestellt und auf einzelne Muskeln bzw. Muskelgruppen in verschiedenen Körperregionen angewandt. Die Beschreibung der Körperposition des Patienten (und oftmals auch des Behandelnden), die genaue Lage von Triggerpunkten sowie der durch den Arzt oder Therapeuten durchzuführenden manuellen Aktionen erfolgt für jede einzelne Technik außerordentlich detailliert, sodass sie schnell angeeignet und umgesetzt werden kann.
Zwar liegt das Haupteinsatzgebiet manueller Techniken in der Diagnostik und Therapie der Wirbelsäule und peripherer Strukturen wie Gelenken und Muskeln, inzwischen sind aber auch Techniken entwickelt worden, mit denen Einfluss auf die Funktion innerer Organe genommen werden kann. Dafür haben die Autoren entsprechende Beispiele für die unterschiedlichen Organe zusammengetragen, um zum Beispiel Leber oder Darm zu mobilisieren. Diese liegen nicht selten im Grenzbereich zwischen manuellen und osteopatischen Techniken und nutzen in den meisten Fällen die sog. Chapman-Reflexpunkte. Diese repräsentieren bei viszeralen Störungen das jeweilige Organ und bieten daher therapeutische Ansatzpunkte.
Das Zusammenspiel manueller Techniken und bildgebender Diagnostik (dabei insbesondere der radiologischen Funktionsdiagnostik als Vergleich zu klinischen Befunden) innerhalb der klinisch funktionellen Untersuchung ist insbesondere dann notwendig und sinnvoll, wenn Kontraindikationen ausgeschlossen werden sollen. Die dazu vorgestellten Röntgenaufnahmen, Erläuterungen und Interpretationen können dem Arzt und Therapeuten wichtige Hinweise auf Störungen liefern.
Das sich anschließende Kapitel befasst sich mit Injektionsverfahren, die in den letzten Jahren zunehmend als ergänzende Therapie zu manuellen Techniken eingesetzt werden. Die gängigsten Einsatzgebiete dafür sind die therapeutische Lokalanästhesie und die Proliferationstherapie. Verfahren wie die Quaddeltherapie, die muskuläre Überflutung, die Infiltrationstherapie bei Tendinosen oder die Prolotherapie sind deshalb auch in das Lehrbuch aufgenommen worden.
Kompakte Präsentationen zu den Besonderheiten der Anwendung manualmedizinischer Techniken bei Heranwachsenden sowie zur Rezidivprophylaxe runden das Bild dieser umfassenden Darstellung des aktuellen Wissens- und Erfahrungsstands zur Nutzung der manuellen Medizin zur Diagnostik und Therapie von Funktionsstörungen ab.
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| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Biowissenschaften und Sportmedizin |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Balingen
Spitta
2011
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| Ausgabe: | Balingen: Spitta, 6. Aufl., 2011.- 385 S. |
| Seiten: | 385 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |


