Motorische Leistungsfähigkeit im Kindes- und Jugendalter
Dem jeweils aktuellen Stand der motorischen Leistungsfähigkeit heranwachsender Mädchen und Jungen sowie deren Entwicklung über längere Zeiträume gilt schon seit vielen Jahren das Interesse sowohl von Sportwissenschaftlern, aber auch Mediziner, Soziologen und Gesundheits- und Schulpolitiker sind an Untersuchungen zu diesem Thema, deren Auswertung und dem Ableiten von Konsequenzen beteiligt. Dabei sind in den letzten Jahren immer kritischere Töne zu hören gewesen, haben doch soziale und technologische Veränderungen in starkem Maße Einfluss darauf genommen, was Kinder und Jugendliche heute an körperlich-sportlicher Leistungsfähigkeit besitzen, wobei nicht selten - gerade in Europa - Rückschritte mit vorherigen Generationen erkennbar wurden. Die Veränderungen der Lebens- und Umweltbedingungen von Kindern und Jugendlichen werden dabei in einen engen Zusammenhang mit gesundheitlicher Vorsorge und der Entwicklung von Zivilisationskrankheiten gestellt, werden als zunehmendes Risiko für die Gesunderhaltung der jungen Generation und dem Erhalt ihrer körperlichen und auch psychischen Belastbarkeit diskutiert, und es wird nach Möglichkeiten gesucht, den Negativtendenzen gezielt entgegenzuwirken. Um dies wirksam planen und umsetzen zu können, bedarf es einer klaren, wissenschaftlich abgesicherten Informationslage zum aktuellen Stand der motorischen Leistungsfähigkeit in größeren, in nationalen Räumen. Dazu wurde Ende des letzten Jahrzehnts der erste nationale Kinder- und Jugendgesundheitssurvey initiiert, mit dem der Gesundheitsstatus von deutschen Kindern und Jugendlichen bis zu einem Alter von 17 Jahren erhoben wurde. Parallel dazu fand eine vergleichbare Untersuchung im Nachbarland Luxemburg statt. In beiden Projekten wurde auch die motorische Leistungsfähigkeit ermittelt, und das nach einheitlichen Standards, die durch die erfahrene Forschungsgruppe MoMo um Klaus Bös entwickelt wurden.
Im vorliegenden Buch, das gleichzeitig auch die erfolgreich verteidigte Dissertation des Autors darstellt, werden die luxemburgischen Befunde aus der Untersuchung von 1.188 Kindern und Jugendlichen im Alter von 9, 14 und18 Jahren in den Referenzrahmen der deutschen Untersuchung gestellt. Als Zielstellung seiner Arbeit formuliert Matthias Wagner,
1. die Identifikation alters- und geschlechtsbezogener Differenzen der motorischen Leistungsfähigkeit im untersuchten Altersbereich,
2. die Identifikation landesbezogener Differenzen der motorischen Leistungsfähigkeit zwischen Luxemburg und Deutschland sowie
3. die Identifikation von Korrelaten für das Niveau der motorischen Leistungsfähigkeit.
Nachdem er sich dem Thema aus theoretisch-wissenschaftlicher Perspektive genähert und sehr intensiv angenommen hat, und dabei u. a. die motorischen Merkmale systematisiert sowie Determinanten der motorischen Entwicklung bzw. Korrelate der motorischen Leistungsfähigkeit identifiziert und in ein operationalisiertes Rahmenmodell überführt hat, wenden sich die folgenden Kapitel 7-9 den eigenen Untersuchungen zu. Dabei wird sehr schnell deutlich, dass sich der Untersuchungsansatz nicht das Leistungsniveau bei ausgewählten körperlich-sportlichen Aktivitäten (zur Ermittlung von Kraftausdauer, Schnellkraft, großmotorischer Koordination, Reaktionsschnelligkeit, großmotorischer Koordination bei statischen und dynamischen Präzisionsaufgaben, kleinmotorischer Koordination bei Präzisionsaufgaben sowie unter Zeitdruck, Rumpfbeweglichkeit) in Beziehung zu unterschiedlichen Merkmalen wie Gewichtsstatus und Sportinteresse, Umfang von Freizeitaktivitäten und Beteiligung an Vereinsaktivitäten (einschließlich Umfang und Sportart) sowie Sportaktivitäten in der Familie und unter Freunden oder das vorherrschende sozioökonomische Milieu gestellt werden.
Die Ergebnisse kommen nicht unerwartet: Ein sportfreundliches, sportaffines Umfeld (und entsprechende Vorbilder) in der Familie und unter Peers wirkt positiv, genauso Sportangebote in Kindereinrichtungen und in der Schule wie auch in der näheren Wohnumgebung. Daraus entwickelt sich ein nachhaltiges Sportinteresse, das sich in vereinsgebundenen, aber auch "freien" sportlichen Aktivitäten niederschlägt und, natürlich möchte man sagen, auch Auswirkungen auf die sportlich-motorische Leistungsfähigkeit hat. Dass der BMI ebenfalls zu den Prädikatoren des Niveaus der motorischen Leistungsfähigkeit zählt, ist weder zufällig, noch überraschend, weist aber auch auf Interventionsmöglichkeiten hin, die nicht ausschließlich etwas mit der sportlichen "Kultur" im Umfeld der Kinder und Jugendlichen haben, sondern die Themen wie Gesundheitsvorsorge und gesunde Ernährung betreffen, um Übergewicht bzw. Adipositas zu vermeiden.
© Copyright 2011 Veröffentlicht von Hofmann Verlag. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Trainingswissenschaft Nachwuchssport |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Schorndorf
Hofmann Verlag
2011
|
| Ausgabe: | Schorndorf. Hofmann, 2011. - 231 S. |
| Schriftenreihe: | Beiträge zur Lehre und Forschung im Sport, 180 |
| Seiten: | 231 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |


