Optimales Dehnen. Sport - Prävention - Rehabilitation
Dass vor und auch nicht so selten nach körperlich-sportlicher Bewegung Dehnungsübungen zum Standardprogramm neben Aufwärmung und Abwärmen gehören, ist inzwischen Allgemeingut und kann jeden Tag auf den Trainingsplätzen und in den Sporthallen beobachtet werden. Die Akzeptanz des Dehnens durch die Sportpraxis in Schulen und Sportvereinen basiert aber leider oftmals nicht aus einer wünschenswert gut entwickelten Wissensbasis zu den theoretischen Grundlagen des Dehnens - und des Beweglichkeitstrainings - bei Sportlehrern, Übungsleitern oder Trainern. Hinzu kommt, dass das Wissen und die praktischen Erfahrungen zum Nutzen und zur Nutzung von Dehnübungen allgemein, aber auch von speziellen Dehnübungen für bestimmte Sportarten in den letzten Jahren nahezu sprunghaft zugenommen haben, was es selbst Interessierten schwer macht, sich ständig auf dem neuesten Stand des Wissens zu halten.
Mit dem vorliegenden Buch hat sich Jürgen Freiwald die Aufgabe gestellt, sowohl die aktuellen wissenschaftlichen Grundlagen von Dehnungen zu präsentieren und zu erläutern, dabei aber nicht stehenzubleiben, sondern mit nicht weniger als 50 Übungsbeispielen eine Brücke zur Praxis des Einsatzes von Dehnungsübungen zu schlagen.
Er wählt dazu einen Ausgangspunkt in der definitorischen Klärung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede solcher Termini wie Dehnen, Beweglichkeit, Flexibilität, Gelenkigkeit, Bewegungsreichweite, Biegsamkeit, Mobilisierung und Mobilisation, Hypo- und Hypermobilität sowie Gelenklaxität, da es sich hier um die Begriffe handelt, die im Zusammenhang mit dem Dehnen von zentraler Bedeutung sind. Über Dehnung zu sprechen bedeutet in gleicher Weise, dass anatomisches und physiologisches Grundwissen zum Aufbau und den Funktionen von Gelenken und Muskeln, zum Zusammenspiel von Gelenken und Skelettmuskulatur (zum Beispiel hinsichtlich Muskelverkürzung und -verlängerung), zur Bedeutung von Gelenkachsen und Gelenkbewegungen oder zu Faktoren, die die Gelenkbeweglichkeit limitieren, vorhanden sein muss. Hier trifft der interessierte Leser auch bereits auf erste trainingswissenschaftliche Anknüpfungspunkte, wenn die Wirkungen von allgemeinem und sportartspezifischem Krafttraining in einen muskulären Zusammenhang gestellt werden. Letztlich werden in diesem Themenbereich verschiedene Aspekte der Wirkung des Dehnens auf das Bindegewebe (Sehnen, Gelenkkapseln, Bandgewebe, Knorpelgewebe) diskutiert und Wissen über die nervalen Konsequenzen von Dehnungsübungen vermittelt. Dies ist von großer Bedeutung, können doch falsch ausgeführte Dehnungsübungen (zu große Dehnung oder Kompression von Nervengewebe) zu Schäden im Nervensystem führen. Die Themen des Nervensystems sind auch deshalb wichtig, werden doch alle Informationen aus den Gelenken, den umgebenden Geweben und der Muskulatur zum Rückenmark und zum zentralen Nervensystem geleitet.
Dehnübungen sind aber auch aus physiologischen Blickwinkeln heraus nützlich, wenn sie gezielt und richtig eingesetzt werden. Hier wird zum Beispiel eine Laktatanhäufung durch Dehnübungen thematisiert und werden die positiven Konsequenzen einer vor den Dehnübungen durchgeführten Aufwärmung vorgestellt. In einem späteren Kapitel des Buchs werden dann auch verschiedene biomechanische Themen des Dehnens und der Messung der Beweglichkeit aufgegriffen. Da geht es um Dehnungs-Spannungskurven, Dehnungswiderstände, die Messung der aktiven oder der passiven Beweglichkeit und Feld- und Laborbedingungen.
Natürlich gibt es nicht das Dehnen, die Dehnübungen an sich, die in jedem Alter geeignet sind. Im Kindes- und Jugendalter sind zum Beispiel Wachstumseinflüsse zu beachten, wie auch die durch den natürlichen Altersgang abnehmende Beweglichkeit einen entsprechenden Einfluss auf den Einsatz von Dehnübungen ausübt.
Erst wenn all diese Faktoren bekannt sind und beherrscht werden, können medizinische Probleme verhindert werden, die aber durchaus im Zusammenhang mit Dehnübungen auftreten können. Eine entsprechende Zusammenstellung zu möglichen Schädigungen an Hüft-, Knie- und Sprunggelenken unterstreicht dies.
Wenn effektiv trainiert werden soll, sollten auch die Ausgangssituation sowie entsprechende Fortschritte mittels Messungen der Beweglichkeit in den verschiedenen Gelenken dokumentiert werden. Die vorgestellten Tests liefern dem Leser dafür einen Standard. Dazu gibt es im Buch auch Normwerte sowie Beispiele für neuromuskuläre Balancen und Dysbalancen. Dies ist insbesondere für die Zustandsbeschreibung zum Beginn einer gezielten Intervention mittels Dehnübungen hilfreich und unterstützt die Entwicklung geeigneter Trainingsstrategien.
Im folgenden Kapitel werden dann Aussagen und Fragen in den Mittelpunkt gestellt, die im Alltag in Gesprächen zu Dehnübungen immer wieder anzutreffen sind:
- Dehnen erhöht die Beweglichkeit.
- Dehnen erhöht die Leistungsfähigkeit in vielen Sportarten.
- Dehnen verhindert Verletzungen.
- Wie und wann sollen Dehnübungen nach Verletzungen eingesetzt werden?
- Verhindert und beseitigt Dehnen Muskelkater?
- Dehnen fördert die körperliche Regeneration.
- Dehnen reduziert die elektrische Aktivierung der Muskulatur.
Den unmittelbaren Übergang zum Praxisteil des Buchs bildet die Präsentation und Diskussion der verschiedenen statischen und dynamischen Dehnmethoden, der agonistischen Kontraktion hinsichtlich ihrer Einsetzbarkeit und Effektivität. Diese werden dann in eine unmittelbare Planungsumgebung für Trainingseinheiten für unterschiedliche inhaltliche Ziele gestellt. Die vorgestellten 46 Dehnübungen bieten ein reichhaltiges Reservoir für ein gezieltes und gleichzeitig abwechslungsreiches Training.
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| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Biowissenschaften und Sportmedizin Trainingswissenschaft |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Balingen
Spitta
2009
|
| Ausgabe: | Balingen: Spitta, 2009.- 393 S. |
| Seiten: | 393 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |


