Motorisches Umlernen. Eine Untersuchung zeitabhängiger Einflüsse auf das Umlernen einer großmotorischen Bewegungsfertigkeit

Das sportliche Training ist in allen Sportarten mit der Erlernung technischer Bewegungsfertigkeiten verbunden. Nicht immer gelingt es, diese so auszuprägen, dass sie nachhaltig den Vorstellungen des Trainierenden selbst, des Trainers oder eines sog. Technikleitbildes entspricht. Die sich daraus ergebende Konsequenz, um zu versuchen eine Überstimmung zwischen der Theorie und Praxis herzustellen, ist ein Umlernprozess. Dieses Umlernen kann unter zeitlich und organisatorisch variierenden Bedingungen stattfinden: so ist ein zeitnahes Umlernen zum eigentlichen Erlernen genauso vorstellbar wie ein zeitfernes Umlernen. Beide Situationen sind in der Sport- und Trainingspraxis anzutreffen, wobei bisher nicht untersucht wurde, welchen Einfluss sie auf die Ausführungsleistung hatten. Grundsätzlich wurde theoretisch davon ausgegangen und in Experimenten auch wissenschaftlich belegt, dass es zu unerwünschten Begleiterscheinungen kommt, d. h. die motorische Bewegungsleistung verschlechtert sich und muss durch entsprechend weiterführendes Training wieder auf das Niveau vor dem Umlernen gehoben werden. In der vorliegenden Untersuchung wurden die oben beschriebenen zeitlichen Lernbedingungen auf das Umlernen einer großmotorischen Bewegungsfertigkeit (Vertikalsprung) angewendet. Dazu wurden die Bedingungen für Probandengruppen so gestaltet, dass es eine Lerner- und eine Umlernergruppe gab. Für die Umlerner wurden zwei Lernphasen realisiert, die zeitnahe nach 2,5 Stunden, die zeitferne nach 24 Stunden. Zur Untersuchung der Bewegungsfertigkeiten wurde ein Retentionstest durchgeführt, der sowohl für die Lerner als auch für die Umlernen mit einem Retentionsintervall von 24 Stunden stattfand. Dabei ergaben sich für die Umlerner keine zeitabhängigen Unterschiede, d. h. die Bewegungsfertigkeiten, quantifiziert durch Bewegungsfehler und Muskelaktivität, hatten eine vergleichbare Qualität. Diese Aussage trifft sowohl auf die Verhaltensebene als auch auf die neuromuskuläre Ebene zu. Beim Vergleich der Lerner mit den Umlernern zeigten sich dahingegen höhere Fehlerwerte bei Letzteren, was als proaktive Interferenz interpretiert wird. Diese Ergebnisse können Anlass zum Umdenken bei der Platzierung des Techniktrainings (insbesondere des Umlernens) innerhalb des täglichen Trainingsprozesses insgesamt geben. Und es sollte ein Informationsprozess zum Sportler gestaltet werden, der sowohl die Bewegungsresultate als auch den Bewegungsverlauf zum Gegenstand hat.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Hamburg Kovac 2006
Ausgabe:Hamburg: Verlag Dr. Kovac, 2006. - 152 S.
Schriftenreihe:Schriften zur Sportwissenschaft, 63
Seiten:152
Dokumentenarten:Buch
Level:mittel