Zwei Studien zum Talentverständnis von Basketballtrainer*innen

Einleitung "Talent" wird in der Sportwissenschaft allgemein als ein multidimensionales und dynamisches Konstrukt definiert. Eine Definition speziell im Basketball steht allerdings noch aus. Mit dem Konzept des Trainer*innenauges (Coach's Eye; z. B. (Lath, Koopmann, Faber, Baker & Schorer, 2021) wird zunehmend die Perspektive von Trainer*innen im Kontext der Talentforschung wissenschaftlich untersucht. Ziel der vorliegenden zwei Studien war es, das Talentverständnis von erfahrenen Trainer*innen und deren Gedanken zur Erkennung und Förderung von "Talent" im Basketball in verschiedenen Altersstufen zu beleuchten. Methode In Studie 1 wurden drei semistrukturierte Interviews mit Jugendnationalmannschaftstrainern des Deutschen Basketball Bunds durchgeführt. Die Audioaufnahmen wurden transkribiert und inhaltlich bezüglich der Talentfaktoren und -selektion analysiert. In Studie 2 wurden die Erkenntnisse aus Studie 1 genutzt, um einen Online-Fragebogen zu entwickeln und das Verständnis und die Einstellungen zum "Talent" im Basketball in verschiedenen Altersstufen von insgesamt 125 Trainer*innen verschiedener Erfahrungs- und Lizenzstufen zu erheben. Ergebnisse In Studie 1 offenbarten die Expert*innen ein multidimensionales, emergentes, dynamisches und kompensatorisches Talentverständnis. Als wichtige Dimensionen wurden primär die Anthropometrie (v. a. Körperhöhe), die Athletik (v. a. Schnellkraft) und die Spielfähigkeit betont. Die Ergebnisse der Studie 2 zeigten, dass Trainer*innen das grundsätzliche Talentverständnis aus Studie 1 teilten. Zudem wurde deutlich, dass sie bezüglich ihrer Kriterien zwischen Altersstufen unterscheiden und sowohl individuelle als auch Umfeld-Eigenschaften einbeziehen. Für ihre Selektionsentscheidungen vertrauen Trainer*innen eher auf ihr subjektives Coach's Eye als auf objektive Messdaten. Auch Unterschiede zwischen Erfahrungs- und Lizenzstufen bezüglich der Nutzung von Kriterien wurden gefunden. Diskussion Im Einklang mit vorherigen Studien zeigten die Expert*innen ein multidimensionales und dynamisches Talentverständnis. Sie nutzen sowohl Individuums- als auch Umfeldfaktoren für ihre Selektionsentscheidungen und unterscheiden zwischen Altersklassen. Zukünftige Studien sollten u. a. die Kombination und Gewichtung verschiedener Faktoren sowie das Zusammenspiel subjektiver Evaluation und objektiver Messdaten weitergehend erforschen.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Spielsportarten Nachwuchssport
Veröffentlicht in:13. DVS-Sportspiel-Symposium - "Ludo, ergo sum - Vom Kinderspiel bis zum Leistungssport"
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Augsburg Universität Augsburg 2024
Online-Zugang:https://assets.uni-augsburg.de/media/filer_public/73/02/7302604c-76c2-4f50-9711-05b92298faa5/abstractband_zum_13_dvs-sportspielsymposium_2024_in_augsburg.pdf
Seiten:43
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch