Effektivität einer wattgesteuerten Trainingsintervention mit polarisierten hochintensiven Belastungsintervallen auf sportartspezifische physiologische Parameter und die Wettkampfleistung bei Nachwuchsathleten in der olympischen Radsportdisziplin MTB XCO

Die Mountainbike-Disziplin Cross Country Olympic (MTB XCO) ist durch ein vielseitiges physiologisches Anforderungsprofil gekennzeichnet: durch die wiederkehrenden Wechsel zwischen kurzen flachen Passagen, Anstiegen und Abfahrten im Streckenprofil ist die Belastung intervallartig. Die Wettkampfdauer wurde in den letzten Jahren reduziert, und die Profile der Kurse sind ungleichmäßiger, der technische Anspruch höher geworden (Theobald, 2015; UCI). Die intensiven intermittierenden Belastungen liegen weit oberhalb der Ausdauerleistungsgrenze und führen so zu einer schnellen Reduktion der Glykogenreserven sowie zu einem exponentiellen Anstieg der Laktatkonzentration (Stapelfeldt, 2001; Stapelfeldt et al., 2004), die den aeroben Fettstoffwechsel auch in Phasen geringer Belastung hemmt (van Loon et al., 2001), so dass die Beanspruchung im MTB XCO höher ist als bei kontinuierlicheren Belastungsformen, die beispielsweise im Straßenradsport dominieren (Stapelfeldt, 2001). Der hierfür bereits angepasste Mountainbike-Trainingsmittelkatalog des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) bedient sich der bereits etablierten Power- Based Training Levels (Allen & Coggan, 2010) und hat damit insbesondere bei der anaeroben Leistungsfähigkeit eine weitere Differenzierung vorgenommen, um den wettkampfrelevanten kurz- und mittelfristigen, hochintensiven Intervallen in der Trainingsgestaltung im MTB XCO Rechnung zu tragen (Ebler, Schaupp & Mountainbike- Trainerteam, 2013; Theobald, 2015). Die Leistungserfassung und Trainingssteuerung erfolgen optimaler Weise über Leistungsmesser, die inzwischen sowohl für die Laborleistungsdiagnostik als auch für die mobile Messung im Feld zur Verfügung stehen. Im Nachwuchsbereich der Disziplin MTB XCO werden Leistungsmesser jedoch bisher nicht standardmäßig eingesetzt. Es zeigte sich eine gute Akzeptanz des Testprotokolls seitens der Athleten. Die erhobenen Daten können nun als Referenz für die weitere sportartspezifische (MTB) Diagnostik genutzt werden, so dass sich für die Nachwuchs-Kaderathleten auch individuelle Entwicklungsverläufe darstellen lassen. Die Rückmeldung der Athleten hinsichtlich der Trainingsintervention war ebenfalls sehr positiv: sie hatten Spaß am leistungsgesteuerten Training und hätten gerne weiterhin mit den Systemen trainiert. Die mittels der sportartspezifischen Leistungsdiagnostik erhobenen physiologischen Variablen zeigten starke, statistisch signifikante Zusammenhänge mit der Wettkampfleistung und bestätigen damit im Wesentlichen die Ergebnisse früherer Untersuchungen - die Stärke des jeweiligen Zusammenhangs unterscheidet sich allerdings etwas (Ahrend et al., 2018; Ahrend et al., 2014; Ahrend et al., 2016). Beide Interventionsgruppen profitierten von der Trainingsintervention und konnten ihre Leistungen bei der MTB spezifischen Leistungsdiagnostik von t0 zu t1 etwas steigern. Die berechneten Effektstärken (cohen`s d) helfen bei der Beurteilung der praktischen Relevanz der Mittelwertunterschiede. Die zeigen für die Trainingsintervention insgesamt (Kollektiv) überwiegend kleine Effekte (d = 0.2 - 0.5). Im Vergleich der Interventionsformen LIT und HIT kann also zusammengefasst werden, dass die HIT-Gruppe etwas stärker von der Intervention profitierte, gegenüber der LITGruppe aber nur mit mittlerem Effekt. Mit den Erkenntnissen der Studie wird damit die Basis für den Aufbau einer MTB-Radsport-Kohorte mit der Beschreibung eines sportartspezifischen physiologischen Anforderungsprofils geschaffen. Die Umsetzung dieses Zieles konnte zum einen direkt durch die unmittelbare Beteiligung der Trainer erfolgen. Zudem wurde das Projekt bereits bei mehreren Veranstaltungen vorgestellt.
© Copyright 2018 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2017/18. Veröffentlicht von Eigenverlag. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Biowissenschaften und Sportmedizin Nachwuchssport Sozial- und Geisteswissenschaften
Veröffentlicht in:BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2017/18
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Bonn Eigenverlag 2018
Online-Zugang:https://my.page2flip.de/15646901/16713668/16713670/html5.html#/302
Seiten:301-307
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch