Schnelligkeitsorientiertes Sprungtraining im Nachwuchsleistungssport

Im Übergang vom Nachwuchs- zum Hochleistungstraining werden in der Disziplingruppe Sprung der Leichtathletik bei einer Vielzahl von Sportlerinnen und Sportlern relevante Defizite bei den azyklischen reaktiven Schnelligkeitsleistungen deutlich. Diese erschweren bzw. verhindern u. a. die kontinuierliche Leistungsentwicklung bis zum Hochleistungsalter. Die Defizite zeigen sich vor allem in der unzureichenden Qualität und/oder Spezifik der realisierten Sprungformen, der Stabilisierung einer von der Zieltechnik abweichenden individuellen Bewegungsausführung bzw. Bewegungsvorstellung und einem daraus resultierenden erhöhten Verletzungsrisiko. Ziel des Projekts war es, das Training im leichtathletischen Sprungbereich verstärkt schnelligkeitsorientiert auszurichten und somit die Qualität und Spezifik im Nachwuchstraining zu erhöhen. Es sollten methodische Lösungen erarbeitet und evaluiert werden, wie talentierte Nachwuchsathleten bzw. -athletinnen systematisch an einbeinige Absprünge unter den perspektivischen Anforderungen herangeführt und somit der Übergang vom Landes- zum Bundeskader nachhaltig unterstützt werden kann. Insgesamt konnten, wie erwartet, in der Gesamtgruppe Trainingseffekte nachgewiesen werden. "Responder" und "Nonresponder" verteilten sich über beide Gruppen. Es konnte gezeigt werden, dass ein praxisrelevanter Vorteil in der IG bezogen auf die Leistungen im 5er-Sprunglauf und im Tapping erreicht wurde. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Geschwindigkeitsorientierung in der Bewegungsausführung der IG. Es konnte weiterhin gezeigt werden, dass der Parameter der Beinsteifigkeit auch im Nachwuchstraining als bedeutsamer leistungsdiagnostischer Parameter für Sprungläufe genutzt werden kann. Dies bestätigt Untersuchungen von Bret, et al., (2002); Chelly & Denis (2001) und Laffaye, Bardy, & Durey (2005). In den Tests der elementaren azyklischen Schnelligkeit finden sich hingegen keine Veränderungen. Insbesondere die Stützzeiten stagnieren auf niedrigem Niveau. Zusammen mit dem Leistungsabfall im vierten Test liegt die Vermutung nahe, dass die Gesamtbelastung für die Mehrzahl der Athleten insbesondere nach dem 3. Test zu hoch war. Sie zeigten auffällige Ermüdungserscheinungen und Defizite in der Bewegungsqualität. Als Ursache kommen neben der Trainingsbelastung, Anforderungen in der Schule und im familiären Umfeld in Betracht. Der individuellen Belastungs- und Beanspruchungssituation muss zukünftig eindeutig stärker Rechnung getragen werden. Erste Versuche, im Rahmen der Intervention die Belastung/ Beanspruchung zu erfassen, scheiterten an einem fehlenden, altersgerechten Inventar. Trotzdem eröffnet die vorliegende Studie eine Möglichkeit, schnelligkeitsorientiertes Sprungtraining im Grundlagen- und Aufbautraining der Leichtathletik einzusetzen. Die Effektstärken einiger untersuchter Parameter deuten darauf hin, dass der trainingsmethodische Einfluss praxisbedeutsam ist. Die Ergebnisse legen nahe, ein akzentuiertes Schnelligkeitstraining verstärkt mit der individuellen Gesamtbeanspruchung im Trainingsprozess abzustimmen. Andernfalls scheinen schnellkraft- und schnelligkeitsbezogene Leistungen im Nachwuchstraining oftmals nicht weiterentwickelt werden zu können bzw. sogar abzufallen. Im Rahmen der Studie wurde ein Trainerhandmaterial zum schnelligkeitsorientierten Training von Mehrfachsprüngen erarbeitet, welches die methodische Umsetzung in der täglichen Trainingsroutine wirksam unterstützt.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Biowissenschaften und Sportmedizin Trainingswissenschaft Nachwuchssport
Veröffentlicht in:BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2017/18
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Bonn BISp 2018
Online-Zugang:https://my.page2flip.de/15646901/16713668/16713670/html5.html#/72
Seiten:71-75
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch