Case report on lateral asymmetries in two junior elite long-distance runners during a high-altitude training camp
(Kasuistik zu lateralen Asymmetrien bei zwei Nachwuchsleistungssport-Langstreckenläufern während eines Höhentrainingslagers)
Hintergrund: Ausgeprägte seitliche Asymmetrien in der muskuloskelettalen Beanspruchung der unteren Extremitäten werden gemeinhin als Risikofaktor für das Auftreten von Über- und Fehlbelastungen im Langstreckenlauf angesehen. In einer jüngst veröffentlichten Arbeit haben wir ein innovatives, einfach zu handhabendes Messsystem vorgestellt, mit dem auf Grundlage von handelsüblichen Inertialsensoren die an Schienbeinen, Kreuzbein und Schultern während des Laufens auftretenden Beschleunigungen erfasst werden können, einschließlich etwaiger Asymmetrien sowie zugehöriger Stoßdämpfung. Das Messsystem wurde dabei unter Laborbedingungen als Teil der regulären komplexen Leistungsdiagnostik im Nachwuchsleistungssport-Langstreckenlauf eingesetzt.
Material und Methoden: In den vorliegenden zwei Kasuistiken wurde das System unter Feldbedingungen zur Erfassung der tibialen und skapularen Beanspruchung von zwei Nachwuchsläufern derselben Kohorte im Rahmen eines Höhentrainingslagers genutzt. Die beiden Athleten waren dabei zuvor von ihrem Trainer aufgrund visuell vermuteter (deutlicher) Asymmetrien ausgewählt worden. Wir überwachten die biomechanische Beanspruchung der beiden Läufer bei vier verschiedenen Höhentrainingseinheiten, die vom lockeren GA1-Dauerlauf auf flachen Wanderwegen bis hin zum hochintensiven Intervalltraining in Form von Bergan-Läufen auf Asphalt reichten.
Ergebnisse: Es wurden deutliche intra-individuelle Unterschiede in den tibialen und skapularen Spitzenbeschleunigungen beobachtet, die vor allem vom Gefälle der Laufstrecke und der Laufgeschwindigkeit abhingen. In beiden Fällen traten die höchsten tibialen Spitzenbeschleunigungen (19 ± 2 g ˜ 9.81 m s-1) beim Bergab-Laufen auf. Die visuell vermuteten seitlichen Asymmetrien der Schienbein- und Schulterbeanspruchung konnten objektiv bestätigt werden und erreichten, abhängig von der jeweiligen Trainingseinheit, Spitzenwerte von bis zu 39% bzw. 53%. Während bei Läufer 1 die höchste tibiale Asymmetrie bei einem flachen GA2-Lauf vorlag (39%), trat die höchste Asymmetrie für Läufer 2 beim Bergab-Laufen im GA2-Tempo auf (13%). Ein Vergleich der Inertialsensordaten mit den Ergebnissen laborseitiger isokinetischer Krafttests legt nahe, dass ein Zusammenhang zwischen einer lateral asymmetrischen Beschleunigungsbeanspruchung beim Laufen und einer Seitigkeit der Kraftvoraussetzungen der kniestreckenden Muskulatur bestehen könnte.
Schlussfolgerungen: Inertialsensoren stellen ein praktisches, zuverlässiges und nutzerfreundliches Werkzeug zur Erfassung der muskuloskelettalen Beanspruchung beim Laufen dar, insbesondere unter anspruchsvollen Trainingsbedingungen im Feld. Insgesamt lassen die vorliegenden Ergebnisse dieser Kasuistiken vermuten, dass die individuelle Ausprägung seitlicher Asymmetrien in der tibialen und skapularen Beanspruchung beim Laufen in Zusammenhang mit der Trainingsart und -intensität sowie einer etwaigen muskulären Dysbalance zwischen linker und rechter Kniestreckerkette stehen könnte.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Ausdauersportarten Biowissenschaften und Sportmedizin Nachwuchssport |
| Veröffentlicht in: | Sport-Orthopädie - Sport-Traumatologie |
| Sprache: | Englisch |
| Veröffentlicht: |
2019
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| Online-Zugang: | https://doi.org/10.1016/j.orthtr.2019.06.002 |
| Jahrgang: | 35 |
| Heft: | 4 |
| Seiten: | 399-406 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |