Training im Leistungssport: Modellierung und Simulation von Adaptationsprozesses

Aufgegriffen wird die Idee der modellgestützten Simulation von Trainingsanpassungen. Vorgestellt und diskutiert werden das Modell von Banister et al. (1975), das mathematische Modell der Proteinbiosynthese von Mader (1990) und das Metamodell LeiPot von Perl (Mester & Perl, 2000). Ausgehend von diesen Modellen wird ein eigenes Modell zur Simulation von Belastungs-, Ermüdungs- und Anpassungsprozessen hergeleitet. Dieses SimBEA-Modell lässt sich anhand von Trainingsdaten zur Belastung und Leistungsfähigkeit individuell kalibrieren, so dass es die personenspezifischen Reaktionsweisen eines Athleten simulieren kann. Ziel der weiteren Arbeit ist die Prüfung des Modells. Hierzu werden zwei trainingsbegleitende Einzelfalluntersuchungen mit einem leistungsorientiert trainierenden Läufer über sechs bzw. 68 Wochen sowie eine Kleingruppenuntersuchung (n = 7) mit D-Kader-Triathleten während eines 12-tägigen Trainingslagers durchgeführt. Die trainingsbegleitende Erfassung des Anpassungs- und Ermüdungszustandes erfolgt über ein an den Ausdauer-Standard-Test (AST) (Hottenrott, 1993) angelehntes Verfahren. Mit den Kaderathleten werden zusätzlich ein Laktatstufentest im Laufen und ein Einzelzeitfahren durchgeführt. Die Modellgüte wird über die Pearson- bzw. die Intraclass-Korrelation (rICC) beurteilt. Unabhängig von der gewählten Datenbasis lässt sich das SimBEA-Modell zuverlässig kalibrieren (rICC = .92 bzw. .93, p < .001). Für die Modellanpassung an den über den AST gemessenen Trainingszustand ergeben sich hohe Validitäten von rICC =.86 bzw .65 (p < .001). Nach mindestens dreiwöchiger Kalibrierung des SimBEA-Modells ergeben sich für einwöchige Prognosen im Mittel prognostische Validitäten über r = .84. Mittelfristige Prognosen (r = .52, p < .10; r = .54, p < .01) und langfristige Prognosen (r = .55, p < .001) sind mit mittlerer Validität möglich. Für zwei Modellparameter ergeben sich in der Gruppenuntersuchung mittlere (r = .56, p < .10 und r = -.56, p < .10) und hohe (r = -.87, p < .01) Zusammenhänge zur über Laktatstufentest und Einzelzeitfahren gemessenen Leistungsfähigkeit. Dies wird als Bestätigung der Modellstruktur gewertet. Insgesamt verläuft die Modellprüfung positiv. Diskutiert werden Verbesserungs- und Erweiterungsmöglichkeiten des Modells sowie weiterer Untersuchungsbedarf. Zwei abschließende Beispiele zeigen Einsatzmöglichkeiten des SimBEA-Modells in der Trainingssteuerung, die sich auf die Analyse von Trainingsprozessen sowie auf die Simulation von Trainingswirkungen bei der Trainingsplanung beziehen.
© Copyright 2006 Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Biowissenschaften und Sportmedizin Nachwuchssport
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Kiel 2006
Online-Zugang:http://d-nb.info/1019865806/34
Seiten:133
Dokumentenarten:Dissertation
Level:hoch