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Einflussgrösse auf die Spitzenleistungen an Olympischen Spielen

Die olympischen Spiele werden als extrem stressig für alle Teilnehmenden betrachtet. Wie alle anderen Athleten wollen auch die Schwimmer an den olympischen Spielen Bestleistungen erzielen. Die Kenntnis der Einflussgrössen auf die Bestleistungen an olympischen Spielen ist daher von grosser Wichtigkeit für die Athleten, Trainer, Wissenschaftler und die Unterstützung bietenden Personen. In einer von Issurin et al. vor 3 Monaten veröffentlichten Studie (J Sports Med Phys Fitness. 2008 Mar;48(1):1-8.) wurde untersucht, welche Faktoren an den olympischen Spielen von Athen die Bestleistungen bestimmten (sofern solche Faktoren überhaupt greifbar und auswertbar sind). Informationen von 301 Olympia-Teilnehmern, die an 424 Wettkämpfen starteten, wurden dazu verwendet, den relativen schwimmerischen Leistungsgewinn, auf englisch abgekürzt RSPG, zu berechnen. Der RSPG-Wert zeigt an, wie viel Prozent ein Schwimmer an den olympischen Spielen schneller war verglichen mit einem Selektionswettkampf oder einem anderen Wettkampf vor Athen. Issurin et al. fanden, dass im Durchschnitt, d.h. über alle 301 Schwimmer betrachtet, der RSPG-Wert 0.58% betrug, was eine Leistungsabnahme um 0.58% bedeutet. Nur Nationen mit strengen Selektionskriterien, wie beispielsweise einem einzigen Selektionsmeeting Wochen oder wenige Monate vor den Spielen, waren in der Lage Schwimmer nach Athen zu schicken, die dort schneller schwammen. Nationen mit einem liberalen Selektionssystem, das es beispielsweise gestattet, eine Limite im Jahr vor den Spielen zu unterbieten, hatten keine Schwimmer, die in Athen Bestzeiten schwammen. Das am besten abschneidende Team kam aus der Ukraine (RSPG 0.23%), gefolgt von den USA (0.27%). Die Schweiz und Deutschland hatten RSPG-Werte von 0.96% bzw. 0.29%. Die Autoren schliessen daraus, dass sogar Nationen mit vielen Podestplätzen wie die USA, Australien, Japan und Deutschland nicht in der Lage waren, einen im Durchschnitt negativen RSPG-Wert zu erreichen, d.h. auch diese Schwimmer schwammen in Athen im Durchschnitt langsamer als unmittelbar davor. Nur Medaillengwinner und Finalisten übertrafen in Athen ihre persönliche Bestzeiten. Die wichtigste Erkenntnis ist, dass das Selektionsverfahren, d.h. streng versus liberal, den grössten Einfluss auf den RSPG-Wert hat. Schwimmer die in der Lage sind, den Härtetest eines Trials zu bestehen, sind in der Lage, besser mit emotionalem Stress umzugehen.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Ausdauersportarten
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Zürich Limmat Sharks Zürich 2008
Online-Zugang:http://www.svl.ch/SwimmingPeakPerformance/index.html
Dokumentenarten:elektronische Publikation
Level:hoch