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"Ressourcen im Gegenstoß" - Trends der Junioren-WM

Vor wenigen Tagen endete die Weltmeisterschaft der Junioren in Mazedonien. Deutschland belegte dort den Silbermedaillenplatz. Klaus Feldmann, Leiter von Handball-Akademie.de, war als Beobachter für die IHF vor Ort. Für handball-world.com beleuchtet der IHF-Lektor einige der sportlichen Trends der WM. So orientieren sich die meisten Mannschaften stark an ihrer jeweiligen A-Nationalmannschaft, außerdem sei der Gegenstoß stark ausbaufähig, meint Klaus Feldmann. IHF Lektor Klaus Feldmann Foto: www.handball-akademie.de Die deutsche Nationalmannschaft hatte durch eine 29:31 (18:13) Niederlage im Finale gegen Schweden den Titel verpasst. Unter den ersten zehn Mannschaften war mit Ägypten nur ein außer-europäisches Land, in der unteren Hälfte des Tableaus waren mit der Slowakei, Portugal und Bulgarien drei Europäische und sieben außer-europäische Nationen. Neben den sehr konzentriert spielenden Ägyptern konnten auch die Teams aus Korea und Kuwait durch ihre erfrischende Spielweise in der Hauptrunde für Belebung sorgen. Athletik und Motorik sind weiterhin wichtige Faktoren im Spiel der Spitze, allerdings ist die spielerische Qualität der entscheidende Aspekt. "Die Spielfähigkeit und das Entscheidungsverhalten der einzelnen Spieler macht im Vergleich der Mannschaften den Unterschied aus" hat Klaus Feldmann beobachtet. In ihrer taktischen Ausrichtung orientieren sich die meisten Mannschaften an der jeweilige A-Nationalmannschaft. Die überwiegende Zahl der Teams arbeitete in einer 6:0 Abwehr. Schweden, Deutschland, Dänemark, Slowenien, Spanien, Mazedonien und Portugal zählen hierzu. Ägypten, Frankreich, Angola und Chile traten mit einer 5:1 Abwehr an. Ähnlich wie es auch die Herren bei der Weltmeisterschaft in Deutschland bereits zeigten, hat Russland auch bei den Junioren eine offensivere Deckungsvariante in das Programm aufgenommen. "Russland spielte mit einer 3:2:1 Abwehr, darüber hinaus wechselten die Russen regelmäßig gleich zwei Abwehrspezialisten ein", berichtet Feldmann. Neben Russland traten auch Kroatien, Mazedonien, Korea und Kuwait mit einer Zwei-Linien-Abwehr an. Spezialistenwechsel ist die Regel Was in Deutschland im Jugendbereich verboten ist, ist auf internationaler Ebene weiterhin weit verbreitet: "Die meisten Mannschaften haben mindestens einen Spezialistenwechsel vollzogen", beobachtete Klaus Feldmann. Auffällig war, dass die meisten Mannschaften nur eine Abwehrformation spielten. "Nur Kroatien und Mazedonien arbeiteten mit zwei Abwehrsystemen", so Feldmann. Die meisten Mannschaften agieren mit Standard-Abwehrformationen, wenn es taktisch nötig erscheint, wird innerhalb des Systems variiert. So wird zwischen einer eher offensiven und einer eher defensiven Variante gewechselt, ohne das System an sich zu ändern. "Nur Mazedonien wechselte das Abwehrsystem häufig", sagt Feldmann. "Alle Nationen arbeiten mit den gleichen Systemen, wie es auch die A-Nationalmannschaften des jeweiligen Landes tun", sah Feldmann. Im Vergleich zu den Erwachsenen war das Spieltempo bei den Junioren noch deutlich niedriger. "Insbesondere in der dritten Welle sind noch einige Ressourcen offen", meint Feldmann. Die erste Welle wird hauptsächlich von den Außenspielern abgedeckt, in der zweiten Welle dominierte ein weitgehend freies Spiel. "Technik limitiert die Taktik", stellt Feldmann im Hinblick auf das Konterspiel fest: "Es gab oft viele technische Fehler: Offensive Fouls, Fehlpässe oder Fehlwürfe verhinderten ein effizienteres Tempospiel." Die dritte Welle fand eher selten oder mit geringer Effizienz Anwendung, so zum Beispiel als gezielt eingesetzte schnelle Mitte. Was sich bereits bei der Männer-WM in Deutschland zeigte, fand auch bei den Junioren eine Fortsetzung: Dem Spiel mit dem Kreisläufer kommt immer größere Bedeutung zu. "Insbesondere gegen offensiveren Abwehrformationen suchen die Angreifer gezielt die Kooperation mit dem Kreis, immer wieder kam auch ein zweiter Kreisläufer ins Spiel", stellte Feldmann fest. Der zentrale Spielraum ist entscheidend Im Spielaufbau werden dagegen die Außen immer mehr vernachlässigt, wie Klaus Feldmann sagte: "Viele Teams beziehen beim Positionsangriff ihre Außen nicht mehr in das Passspiel ein." Die Strategie der Angreifer war auf den zentralen Spielraum ausgerichtet: "Gerade bei defensiven Abwehrreihen versuchen die Halbangreifer entweder mit Aktionen gegen die Hand oder nach Kombinationen Druck auf die Nahtstelle zwischen Außen und Halbverteidiger auszuüben. Die Abwehr soll damit aus dem Zentrum gezogen werden, wo häufig der Abschluss gesucht wird." "Mazedonien war die Reise wert - zumal dort in den kommenden Jahren weitere Großereignisse stattfinden werden", meint Feldmann. 2008 werden die WM der Juniorinnen und die EM der Frauen in der jungen Balkan-Republik ausgetragen werden. Dann soll auch eine neue Halle in Skopje zur Verfügung stehen. Bei der Junioren-WM wurden alle Hauptrunden-Spiele in einer Halle in Ohrid ausgetragen. "Sechs Spiele pro Tag sind sogar für einen Beobachter richtig anstrengend. Aber auch die Teams mussten mit den ungewohnten Anwurfzeiten umgehen. Mit mehr Hallen kann der Spielplan deutlich entlastet werden."
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Spielsportarten Nachwuchssport
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2007
Online-Zugang:https://www.handball-world.news/o.red.r/news.php?auswahl=10350&GID=1
Dokumentenarten:elektronische Publikation
Level:niedrig