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Retrospektive Analyse motorischer Leistungen und anthropometrischer Daten - Untersuchungen von Sportlern der Eliteschule des Sports in Potsdam und des LKV Brandenburg

Mittelwerte Bei der Diskussion der Ergebnisse muss vorausgeschickt werden, dass die Auswertung der meisten Parameter der Untersuchung sowohl aus biologischer als auch aus trainingswissenschaftlicher Sicht erwartungsgemäße Daten erbrachte, die kaum Raum für Diskussion offenlassen. So ist z.B. die Zunahme in anthropometrischen Variablen mit fortschreitendem kalendarischen Alter ein erwartungsgemäßes Ergebnis. Ebenso wenig überraschend steigen mit zunehmendem Alter und damit verbundenem Trainingsaufwand sportmotorische Leistungen und Maximalkraft- und Schnellkraftwerte an. Dieses Ergebnis bedarf aufgrund der Plausibilität keiner weiterführenden Diskussion. Der Ergebnisverlauf in bezug auf die statische und dynamische Beweglichkeit muss hinsichtlich der mangelnden Durchführungsobjektivität (insbes. Bend - Twist - and - Touch - Test) hinterfragt werden. Tendenziell bessere Leistungen der Internatsbewohner in T1 manifestieren sich zu T3 signifikant (Sprint- und Kraftleistungen). Die Leistungsunterschiede im Schlussdreisprung zu T1 und T3 zwischen Internatsbewohnern und Heimfahrern sind nur zufällig, aber die Internatsbewohner verzeichnen einen stärkeren Leistungszuwachs als Heimfahrer. Die Ergebnisse folgen der Argumentation des Konzepts der »kurzen Wege« und des Ressourcen "Modells für Sportinternatsschüler" (RICHARTZ/BRETTSCHNEIDER 1996, PAUER 1996). In trainingswissenschaftlichen Untersuchungen spielt das Problem der Beanspruchungs - Erholungsforschung eine nicht unwesentliche Rolle (KELLMANN 2000). Der Vorteil verkürzter Wegezeiten zwischen Schule, Training und dem Zuhause/Internat spiegelt sich zwar auch in einer Verringerung der Beanspruchung durch die SportlerInnen wider, andererseits stellt sich die Frage, wie die so ersparte Zeit tatsächlich genutzt wird. Die Rangreihe der Häufigkeit der Freizeitaktivitäten wirft zumindest die Frage auf, ob "Sport treiben" als präferierteste Freizeitbeschäftigung aller SchülerInnen zusätzliche, selbständig auferlegte Trainingseinheiten beinhaltet. Sollte dem so sein, könnte auch im Hinblick auf die verringerte Motivierbarkeit der Schüler von T1 zu T3 auf eine Ressourcenerschöpfung geschlossen werden. In nachfolgenden Untersuchungen sollte daher das Item "Sport treiben" eindeutiger im Zusammenhang mit einer Freizeitbeschäftigung außerhalb der täglichen Trainingseinheiten definiert werden. Die Ergebnisse stellen ein Zwischenergebnis der Längsschnittanalyse dar, die in den nächsten zwei Jahren fortgesetzt wird. Die Untersuchungsergebnisse ergeben erst mit den psychologischen und soziologischen Auswertungen ein vollständiges Bild der Persönlichkeits- und Leistungsentwicklung. Nur die globale Analyse aller erhobenen Daten und die komplexe Interpretation ermöglicht die Bewertung und Beschreibung der Stärke volitiver und motivationaler Einflüsse auf die sportliche Leistungsentwicklung.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Nachwuchssport
Sprache:Deutsch
Online-Zugang:http://www.uni-potsdam.de/u/ABTUBW/Kr%FCger-Wick_dvs_2000.PDF
Dokumentenarten:Kongressband, Tagungsbericht
Level:hoch