Zum Training der Koordinativen Fähigkeiten im Juniorenfußball- Trainingsexperiment zur Prüfung allgemeiner und mehr spezieller Programme
Das Problem meiner Arbeit entstand daraus, daß es im Fußball unterschiedliche Auffassungen bezüglich der Strukturierung der Lernziele im Grundlagentraining gibt.
Die beiden konkurrierenden Grundpositionen lassen sich folgendermaßen charakterisieren:
Position 1 fordert eine frühzeitige Technikspezialisierung der Fußballgrundtechniken, wie Formen der Ballführung, der Ballan- und mitnahme sowie der Zielstoßtechniken, damit Lernvorgänge anderer Art später möglichst wenig von einer unzureichenden Technik negativ beeinflußt werden können.
Position 2 befürwortet hingegen im Grundlagentraining eine Ausrichtung an sportartübergreifenden Lernzielen, wie einem großen Bewegungsrepertoire und der Ausbildung der allgemeinen Koordination.
Aus der näheren Literaturanalyse zu diesen Positionen ergaben sich eine Reihe wissenschaftlich ungelöster Fragen und viele Unklarheiten. Zum einen wird klar, daß diese Problematik nicht nur für das Sportspiel Fußball gilt, sondern eine grundsätzliche Fragestellung der Periodisierung des langfristigen Trainingsaufbaus im Sport tangiert. Die grundlegende Frage lautet hierbei: Wie steht die Trainings- und Bewegungswissenschaft grundsätzlich zur Gestaltung des Trainings im Grundlagentraining als Basis des Aufbau- Leistungs- und Hochleistungstrainings ? Auf die allgemeine Trainingslehre bezogen, sind die Vertreter, die sich für ein allgemein ausgerichtetes Grundlagentraining aussprechen zweifellos in der Mehrheit. Für den konditionellen Bereich gilt die Reihenfolge "erst allgemein dann speziell" sicher auch als erwiesen. Für den technisch/koordinativen Bereich gilt diese Forderung nur bedingt: Die spezielle Trainingslehre einzelner Sportarten und vor allem deren Trainingspraxis zeigt dies deutlich. Als Beispiele hierfür seien Sportarten mit einem hohen Anteil an technisch/koordinativen Inhalten wie Eiskunstlauf, rhythmische Sportgymnastik, Turnen oder Wasserspringen genannt.
- Zum zweiten fällt eine unzureichend ausgeprägte begriffliche Darstellung von Sachverhalten auf. Die Begriffe Koordination und Koordinative Fähigkeiten finden häufig Anwendung, allerdings zu oft mit differierenden Begriffsbestimmungen. Als Beispiel dafür sei hier erwähnt, daß manche Autoren drei Koordinative Fähigkeiten, andere fünf und wieder andere bis zu 100 Koordinative Fähigkeiten nennen ! Dies weist auf wenig festgelegte Definitionen und unzureichende Fachtermini hin, und da die Terminologie einer Wissenschaft auch eines ihrer Qualitätskriterien ist, scheint dies meiner Auffassung nach und in den Worten POPPERS´s gesprochen, noch ein sehr weitmaschiges Netz an Erkenntnissen zu sein.
- Die Vertreter der Forderung nach einer allgemeinen Grundausbildung argumentieren häufig mit einer Veränderung der Gesellschaft und der Umwelt, und plädieren für eine Orientierung am sogenannten "Straßenfußball" der Vergangenheit, in der Vereinsarbeit. Zu diskutieren ist dabei, ob Straßenfußball als allgemeines oder eher als spezielles Training zu interpretieren ist.
Aus der Analyse der Praxis einzelner Sportarten und wissenschaftlicher Beiträge ergaben sich demnach für mich folgende Problembereiche:
- Wie soll ein Grundlagentraining ausgerichtet sein ? Allgemein oder Speziell ?
- Wie ist das Verhältnis Technik/Koordination ?
Und vor allem: Wie geht man eine derart komplexe Fragestellung mit trainingswissenschaftlichen Methoden an ?
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| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Spielsportarten |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
2000
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| Online-Zugang: | http://home.t-online.de/home/F.Thoemmes/wiss.htm |
| Dokumentenarten: | Dissertation |
| Level: | mittel |