Bildung schadet nicht! Auch nicht im Spitzensport
Im Zentrum dieser fachlichen Auseinandersetzung um die aktuelle Situation der dualen Karriere in Deutschland steht die individuelle Persönlichkeit der nachwuchsleistungssportlich aktiven Mädchen und Jungen und deren Entwicklung. Das Thema wird vom Autor aus mehreren Perspektiven beleuchtet. Einerseits befasst er sich mit den aktuellen theoretischen Grundlagen schulischer Bildung und der Verbindung von Schule und (Spitzen-)sport, andererseits kommen die Sportlerinnen und Sportler in Interviews mit ihren eigenen Erwartungen, Zielen und Erfahrungen in dieser Entwicklungsphase der Kindheit und Jugend selbst zu Wort. Dazu hat er 12 ehemalige und aktuelle Schüler an Eliteschulen des Sports aus fünf Sportarten befragt, um die für die Eliteschulen des Sports (theoretisch) geltenden Werte, schulischen Bildungsinhalte, Organisationsformen und Vorgaben mit dem praktischen Erleben der Eliteschüler abzugleichen. Ein Ziel besteht folglich darin, die bildungspolitische Theorie über die Aussagen der Schülerinnen und Schüler zu deren Wahrnehmungen während der Schulzeit hinsichtlich ihrer tatsächlich erfolgenden praktischen Umsetzung im Schul- und Sportalltag zu hinterfragen. Angesichts der Tatsache, dass die Eliteschulen des Sports die standardisierte Organisationsform der dualen Karriere in Deutschland darstellen, kommt diesem Abgleich eine besondere Bedeutung zu.
Für die dabei ermittelten Diskrepanzen zwischen "Soll" und "Ist" von Förder- und Unterstützungsmaßnahmen gibt es viele, aber keine einfachen Antworten, was aus den Interviews auch sehr deutlich wird. Aufgabe und Herausforderung des Autors ist es dann gewesen, dieses subjektbezogene, qualitative Forschungsdesign in allgemeine Zusammenhänge zurückzuführen und entsprechende verallgemeinernde Ableitungen zu treffen. Dabei spielen Fragen nach Schwerpunkten der Persönlichkeitsentwicklung jugendlicher Sportler im Spannungsfeld schulischer Bildung und sportlichen Erfolgsdenkens eine wichtige Rolle wie auch die kritische Auseinandersetzung mit den qualitativen Ansprüchen an die unterschiedlichen Elemente der Persönlichkeitsförderung in Schule und Sport. Daraus ergeben sich für die verschiedenen Handelnden Konsequenzen, bei der Setzung von Prioritäten, kommt es nicht selten zu einseitigen, langfristig nicht zu rechtfertigenden Betonungen oder Übertreibungen, unter denen eine umfassende Persönlichkeitsentwicklung infrage gestellt wird. Daraus wiederum ergeben sich Fragen nach der Verantwortung der Eliteschulen für ihre Schülerinnen und Schüler und nach entsprechenden Konsequenzen für die Gestaltung von Förder- und Unterstützungsmaßnahmen, die sich nicht an Edelmetall bei Meisterschaften messen lassen. Der Autor verdeutlicht in der Auseinandersetzung mit den Interviews aber ebenso das große Potenzial, das sich durch die Aufhebung der aktuell oftmals anzutreffenden Konkurrenzsituation zwischen Schule und Sport und die wechselseitige Befruchtung durch die Ansprüche beider Handlungsfelder ergeben kann. Es gibt eben auch eine Vielzahl von Belegen, dass der Leistungssport sowohl für die Sportler als auch für Bildungseinrichtungen und Arbeitgeber eine Vielzahl von Persönlichkeitseigenschaften ausprägen kann, die in allen Phasen des Lebens einen hohen Wert erlangen können.
Inhalt
Kapitel 1 Problemhinführung
Kapitel 2 Zur Genese und zum Aufbau der Arbeit
Kapitel 3 Forschungsstand
Kapitel 4 Theoretische Grundlagen
4.1 Bildung: Bedeutung und Bezug
4.1.1 Zur Bedeutung und Unterscheidung der Begriffe Bildung und Erziehung
4.1.2 Zur Zweckgebundenheit der Bildung sowie zur Entwicklung des Kompetenzbegriffs und dessen Auslegung
4.1.3 Bildung als Staatsauftrag
4.1.4 Zum Bildungsauftrag eines allgemeinbildenden Gymnasiums
4.1.5 Zum Vorgang der Bildung - Aneignung durch Entfremdung und Entäußerung
4.1.6 Zur Bedeutung der Krise für den (Spitzensport treibenden) Menschen
4.2 Leistungssport als Bildungsprozess an einer Eliteschule des Sports
4.2.1 Zum Bildungsauftrag einer Eliteschule des Sports
4.2.2 Zur Zweckgebundenheit einer Eliteschule des Sports
4.2.3 Zum Bildungspotential des Leistungssports und sich daraus ergebene Konsequenzen eines "Dreifachauftrags" an eine EdS
Kapitel 5 Fragestellung der Untersuchung
Kapitel 6 Untersuchungsmethodik
6.1 Zur Begründung und Notwendigkeit eines qualitativen Forschungsansatzes
6.2 Gütekriterien qualitativer Forschung
6.2.1 Zur Begründung des verwendeten Untersuchungsplans
6.2.2 Zur Begründung des verwendeten Erhebungsverfahrens
6.2.3 Zur Problemzentrierung der Untersuchungsmethode
6.2.4 Zur Gegenstandszentrierung der Untersuchungsmethode
6.2.5 Zur vorgenommenen Prozessorientierung
6.3 Durchführung der Untersuchung
6.3.1 Zur Auswahl und Zusammensetzung der Interviewpartner - Darstellung der Gesamtstichprobe
6.3.2 Zur vorgenommenen Datenbearbeitung
6.3.3 Zum verwendeten Auswertungsverfahren
Kapitel 7 Zusammenfassung der Interviews anhand problemzentrierter Kommentare
7.1 Kommentar zu A1 - Aktueller Schüler (Fussballer)
7.2 Kommentar zu A2 - Aktueller Schüler (Judoka)
7.3 Kommentar zu A3 - Aktueller Schüler (Fussballer)
7.4 Kommentar zu A4 - Aktuelle Schülerin (Leichtathletin)
7.5 Kommentar zu A5 - Aktueller Schüler (Fussballer)
7.6 Kommentar zu E1 - Ehemalige Schülerin (Beach-Volleyballerin)
7.7 Kommentar zu E2 - Ehemaliger Schüler (Fusballer)
7.8 Kommentar zu E3 - Ehemaliger Schüler (Leichtathlet)
7.9 Kommentar zu E4 - Ehemalige Schülerin (Handballerin)
7.10 Kommentar zu E5 - Ehemaliger Schüler (Fussballer)
7.11 Kommentar zu E6 - Ehemaliger Schüler (Fussballer)
7.12 Kommentar zu E7 - Ehemaliger Schüler (Leichtathlet)
Kapitel 8 Untersuchungsergebnisse
8.1 Zusammenfassende Analyse der Interviews aus der Perspektive der allgemeinen Qualitätskriterien des DOSB sowie der subjektiven Bedürfnisse der Betroffenen zur Bewältigung der schulischen und spitzensportlichen Doppelbelastung
8.1.1 Zusammenfassende Analyse der Interviews A1 bis A5 "Aktuelle Schüler"
8.1.2 Zusammenfassende Analyse der Interviews E1 bis E7 "Ehemalige Schüler" im Vergleich mit den Interviews A1 bis A5
8.1.3 Zwischenfazit
8.2 Zusammenfassende Analyse der Interviews vor dem Hintergrund des proklamierten Dreifachauftrags an eine Eliteschule des Sports
8.2.1 Zusammenfassende Analyse der Interviews A1 bis A5 "Aktuelle Schüler"
8.2.2 Zusammenfassende Analyse der Interviews E1 bis E7 "Ehemalige Schüler" im Vergleich mit den Interviews A1 bis A5
8.2.3 Zwischenfazit
8.3 Zusammenfassende Analyse der Interviews vor dem Hintergrund der Überlegungen zur Krise
und Differenzerfahrung für den schulischen Bildungs- und leistungssportlichen Entwicklungsprozess
8.3.1 Zusammenfassende Analyse der Interviews A1 bis A5 "Aktuelle Schüler"
8.3.2 Zusammenfassende Analyse der Interviews E1 bis E7 "Ehemalige Schüler" im Vergleich mit den Interviews A1 bis A5
8.3.3 Zwischenfazit
Kapitel 9 Fazit und Ausblick
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| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Sozial- und Geisteswissenschaften Nachwuchssport Theorie und gesellschaftliche Grundlagen |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Weinheim
Beltz Juventa
2017
|
| Online-Zugang: | http://www.beltz.de/fachmedien/erziehungs_und_sozialwissenschaften/buecher/produkt_produktdetails/34780-bildung_schadet_nicht.html |
| Seiten: | 249 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |