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Leistungssportliches Engagement und Risikoverhalten im Jugendalter. Eine Studie zum Konsum von Drogen, Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln

Nahezu 70 Prozent aller Kinder und Jugendlichen im Alter von 7-18 Jahren sind Mitglieder in einem Sportverein und beteiligen sich dort regelmäßig an Training und Wettkampf. Daraus ergibt sich mit Blick auf das Risiko des Konsums von Drogen, Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln eine herausgehobene Position und mögliche Funktion des Sports und seiner Organisationen, um präventiv großflächig aktiv zu werden. Diese Aufgabe bildet u. a. auch die Funktion des Sports ab, die Persönlichkeitsentwicklung der Sportlerinnen und Sportler im Kindes- und Jugendalter positiv zu beeinflussen und zu unterstützen. Angesichts nicht enden wollender medialer Enthüllungen und Skandale zum Dopingmissbrauch im Leistungssport sehen sich Kinder und Jugendliche mit leistungssportlichem Interesse und Talent aber gleichzeitig einem Set von Versuchungen gegenüber, durch die Einnahme von leistungsbeeinflussenden Mitteln in die Nähe des Dopings zu geraten oder auch diese Schwelle bewusst oder unbewusst zu überschreiten. Um hier aktiv entgegenwirken zu können, muss der Sport, müssen die im Sport Tätigen (Trainer, Vereins- und Verbandsoffizielle, aber auch Ärzte, Eltern und Familien) besser verstehen, wie Kinder und Jugendliche mit diesen Risiken umgehen, warum sie sich für die oder gegen die Einnahme verbotener Substanzen entscheiden. Gerade in den Vereinen ist das eine echte Herausforderung, werden die Kinder und Jugendlichen doch nicht selten von ehrenamtlich tätigen Übungsleitern und auch nur während weniger Stunden pro Woche betreut und begleitet. Zur Unterstützung initiierte lokale, regionale oder nationale Präventionskampagnen können da helfen, ohne aber allein das Übel an der Wurzel ausrotten zu können. Mit dem vorliegenden Buch soll einerseits eine Faktenlage zum Substanzenkonsum durch Jugendliche im (Leistungs)Sport geschaffen werden, aus der sich Verhaltens- und Risikomuster ableiten lassen. Davon ausgehend bzw. diese Informationen nutzend stellt sich der Autor mit der quantitativ ausgerichteten empirischen Sozialstudie auch das Ziel, die Beziehungen eines nachwuchsleistungssportlichen Trainings- und Wettkampfbetriebs einerseits und dem Verhalten der Jugendlichen mit Blick auf die Einnahme von leistungsfördernden Substanzen theoretisch besser zu verstehen und dafür ein Modell zu entwickeln, das auf verschiedenen Facetten beruht, die aus sozialwissenschaftlichen Teildisziplinen der Sportwissenschaft wie der Sportpädagogik stammen. Im Ergebnis entsteht daraus ein thematisch sehr breit ausladendes Bild des Substanzkonsums und der damit verbundenen Risiken. Dabei wird die Lebenssituation und Lebenswirklichkeit der jugendlichen Leistungssportler differenziert analysiert und mit den Entwicklungsphasen ihrer Sozialisation in Bezug gesetzt. Die empirische Grundlage der Arbeit entstand durch die Befragung von 470 Mädchen und Jungen im Alter von 15-19 Jahren, von denen nahezu alle leistungssportlich aktiv waren. Aus deren Befragung stammen die detaillierten Erkenntnisse zum zurückhaltenden Gebrauch von Zigaretten und Cannabis, aber einer - im Vergleich zu einer nicht-leistungssportlichen Community - höheren Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, aber auch einem vergleichbaren Konsum von Vitaminen, Mineralstoffen oder Alkohol. Zum Nachdenken regt auch die Erkenntnis zur großen Bedeutung von Medikamenten für Nachwuchsleistungssportler an, insbesondere bei Beachtung einer nicht unerheblichen Selbstmedikation. Die Befragungsergebnisse zum sozialen Umfeld und zum Selbstbild der Mädchen und Jungen erbrachte gute Ergebnisse, zeigten aber auch, dass ein kontinuierliches leistungssportliches Engagement Auswirkungen auf die Intensität und Häufigkeit sozialer Kontakte hat, was wiederum angesichts einer dadurch geringer erscheinenden externen Regulationsbeeinflussung beachtet werden sollte. Hier weist die Arbeit auch auf die herausragende Bedeutung einer guten Trainer-Sportler-Beziehung hin, um Risiken in der Substanzanwendung zu reduzieren. Hinzuweisen ist auch auf die Erkenntnis, dass die untersuchten Risiken sich nicht mit zunehmender Belastung der Sportlerinnen und Sportler vergrößerten, sondern bei vielen der untersuchten leistungssporttypischen Belastungen sehr ähnlich waren, was auch auf die verschiedenen Sportarten zutraf. Allerdings stieg das Risiko kritischen Verhaltens mit höherem Kaderlevel tendenziell etwas an, wie auch sportartspezifische Unterschiede festgestellt wurden. Inhaltsverzeichnis I Einleitung 1 Gegenstand, Ziele und Aufbau der Studie II Theorie 2 Theoretische Annäherung 2.1 Erklärungsansätze zum Substanzkonsum 2.2 Sozialisationstheoretische Rahmenkonzeption 2.3 Sozialisation im Jugendalter - eine integrierende Perspektive 2.4 Jugendliche Sozialisation und Substanzkonsum 2.5 Jugendliche Sozialisation und Leistungssport 3 Substanzkonsum und Leistungssport im Jugendalter 3.1 Theoretische Vorstellungen zur Beziehung von Leistungssport und Substanzkonsum 3.2 Substanzkonsum und Leistungssport im Jugendalter - aktueller Forschungsstand 3.3 Fazit 4 Untersuchungsleitende Fragen und Annahmen 4.1 Erster Fragekomplex: Zur Beschaffenheit des Substanzkonsums 4.2 Zweiter Fragekomplex: Zur Beschaffenheit des Leistungssportengagements, von Ressourcen und Belastungen 4.3 Dritter Fragekomplex: Zu bivariaten Beziehungen zwischen Substanzkonsum, Leistungssportengagement, Ressourcen und Belastungen (totale Effekte) 4.4 Vierter Fragekomplex: Direkte Effekte des Sportengagements auf den Substanzkonsum 4.5 Fünfter Fragekomplex: Indirekte Effekte des Sportengagements auf den Substanzkonsum III Empirie 5 Methodik der Studie 5.1 Untersuchungsanlag 5.2 Datenerhebung, Datenbereinigung und Stichproben 5.3 Erhebungsinstrument 5.4 Datenaufbereitung und Datenauswertung 6 Ergebnisse 6.1 Zur Beschaffenheit des Substanzkonsums 6.2 Beschaffenheit von Sportengagement, Ressourcen, Belastungen 6.3 Bivariate Beziehungen zwischen Substanzkonsum, Sportengagement, Ressourcen und Belastunge 6.4 Direkte Effekte des Sportengagements auf den Substanzkonsum 6.5 Indirekte Effekte des Sportengagements auf den Substanzkonsum IV Schluss 7 Rückblick auf die Studie und zentrale Ergebnisse 8 Grenzen der Studie und Orientierungen für die zukünftige Forschung 9 Orientierungen für die Prävention riskanten Substanzkonsums
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Bibliographic Details
Subjects:
Notations:social sciences junior sports
Tagging:Nahrungsergänzungsmittel
Language:German
Published: Hamburg Czwalina-Verlag im Feldhaus-Verlag 2017
Series:Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft, 261
Online Access:http://www.feldhausverlag.de/shop/EDITION-CZWALINA-Sportwissenschaft/Schriften-der-Deutschen-Vereinigung-fuer-Sportwissenschaft/Leistungssportliches-Engagement-und-Risikoverhalten-im-Jugendalter::3210.html?XTCsid=l8s0q8c6sb6054r9l85ng98kn4
Pages:330
Document types:book
Level:advanced