Bindung von Kindern im Leistungssport. Bindungsrepräsentationen zu Eltern und Trainern: Analyse der Zusammenhänge zu Selbstkonzept, sozialer Unterstützung, pädagogischem Arbeitsbündnis und Bewältigungsstrategien
Wenn Sportler bereits im Kindesalter leistungssportlich trainieren und an entsprechenden Wettkämpfen teilnehmen, ergeben sich allein aus ihrem Alter und dem damit verbundenen Stand der Persönlichkeitsentwicklungen für das Umfeld der Mädchen und Jungen besondere Aufgaben. Die Beziehungen zwischen dem lehrenden Trainer und dem lernenden Sportler sind in diesem Fall von besonderer Bedeutung, bringen auch eine spezifische Qualität der Trainer-Athlet-Beziehung hervor. Eine der Sportarten, die sich mit diesen Herausforderungen konfrontiert sieht, ist das Gerätturnen, da hier talentierte Kinder im Alter ab sieben Jahren bereits an ein leistungssportliches Training herangeführt werden. In den Sportverbänden und Sportvereinen werden dazu spezielle Trainingsgruppen oder Talenteschulen organisiert, in denen sich Trainerinnen und Trainer um die sportliche und Persönlichkeitsentwicklung der jungen Turnerinnen und Turner kümmern. Angesichts sehr hoher Trainingsumfänge und sehr anspruchsvollen Übungsgutes, welches an die jungen Turntalente regelmäßig sehr hohe Anforderungen in der Erlernung und Perfektionierung turnerischer Elemente stellt, entwickelt sich eine sehr enge, auf Vertrauen der Mädchen und Jungen basierende Beziehung Sportler-Trainer. In dieses soziale Beziehungsgeflecht sind weitere Bezugspersonen der Sportlerinnen und Sportler, wie die Eltern oder auch Mannschaftskameraden einbezogen.
Während diese Annahme sowohl von Sportwissenschaftlern als auch Sportpraktikern grundsätzlich anerkannt wird, gab es bis dato nur wenige Forschungserkenntnisse zu dieser so wichtigen und sensiblen Beziehung. Mit ihrer Arbeit, die 2014 an der Universität Leipzig als Dissertation angenommen wurde, leistet Almut Krapf einen wichtigen Beitrag, um "Licht in dieses wissenschaftliche Dunkel" zu bringen. Dazu hat sie die Beziehungen von fast 50 leistungssportlich trainierenden Turnerinnen und Turnern im Alter von 7-11 Jahren zu ihren Trainern und Eltern sowie deren Bindung an diese mit verschiedenen Erhebungs- und Analysemethoden (wie dem Geschichtenerzählverfahren) untersucht. Eng mit diesem zentralen Thema der Arbeit verbunden war auch die Analyse der Selbstkonzepte, des Einflusses der sozialen Unterstützung, des gemeinsamen pädagogischen Vorgehens durch Eltern, Trainer und Kinder sowie der von den Kindern entwickelten Strategien zur Bewältigung komplizierter Lernaufgaben. In den Untersuchungen zeigten sich relativ große Übereinstimmungen zwischen den Regulationsprozessen für sportliche Herausforderungen zwischen den Kindern und den Eltern (als den primären Bezugspersonen) mit den Prozessen zwischen den Kindern und ihren Trainern (die hier sekundäre Bezugspersonen sind). Allerdings gab es auch Untersuchungsbefunde, die Unterschiede zwischen den beiden Beziehungsgruppen deutlich machten, z. B. hinsichtlich der Selbstkonzepte. Es zeigt sich zum Beispiel auch, dass die Mädchen und Jungen bereits im Kindesalter eine sehr differenzierte Wahrnehmung für das Agieren ihrer Trainer (verständnisvoll unterstützend, bagatellisierend zurückweisend) entwickeln. Kinder hatten ein feines Empfinden dafür, bis wohin Trainer ihnen mit Hinweisen bzw. Anweisungen helfen und wo es zu einem Umschlagen kam und das Agieren von Trainern als ungerecht und den Entwicklungsprozess nicht fördernd empfunden wurde. Insgesamt zeigte sich auch eine sehr hohe Bereitschaft, den Trainingsanweisungen der Trainer zu folgen, ihnen hier Vertrauen entgegenzubringen und auch längerfristige Lernprozesse als notwendig und richtig anzuerkennen und gemeinsam mit dem Trainer umzusetzen. Wenn es Trainern gelingt, eine positive Beziehungsqualität zu ihren Sportlerinnen und Sportlern zu entwickeln und im Trainings- und Wettkampfprozess zu leben, ist damit auch ein sehr gutes Engagement der Mädchen und Jungen verbunden, sind junge Sportlerinnen und Sportler auch bereit, mehr freiwillig in das Training zu "investieren".
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Nachwuchssport Sozial- und Geisteswissenschaften |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Hamburg
Czwalina-Verlag im Feldhaus-Verlag
2015
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| Schriftenreihe: | Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft, 248 |
| Seiten: | 171 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |