Bewertung und Einsatzmöglichkeiten von motorischen Screeningverfahren für den langfristigen Leistungsaufbau

Die Umsetzung sportwissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis wird als niedrig wahrgenommen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sportliche Erfolge sowie die erfolgreiche Verletzungsprävention eher als Kunst und weniger als das Resultat der Integration von wissenschaftlicher Erkenntnis betrachtet werden (Bishop, 2008). Teilt man diese Annahme, so limitiert sich die Sportpraxis selbst. Denn die wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung bietet Vorteile, welche sich der praktischen Erfahrung entziehen. Gemäß dem Wissenschaftstheoretiker Popper (2002) verzichtet die Wissenschaft auf den Wahrheitsanspruch und richtet sich auf Fortschritt und Verbesserung der Welt durch Erkenntnis. Demzufolge ist nicht die Beherrschung der Wirklichkeit, sondern die bessere Lösung von Problemen das Ziel der Wissenschaft. In diesem Kontext kann man Poppers Idee von Wissenschaft als Voraussetzung für den Fortschritt sehen. Dies mag etwas eindimensional klingen, da es mehrere Wege zur Erkenntnis gibt. Für den Fortschritt innerhalb der Sportpraxis genügt ein Blick in die Sportgeschichte. Beispielsweise belegte Reindell die Wirkungsweise des Intervalltrainings erst Jahrzehnte später nach dem Einsatz im Leistungssport (Reindell, Roskamm, Gerschler & Adam, 1962). Jedoch bietet die Wissenschaft ein methodisches Gerüst zur Wissensschaffung, welches eine ständige kritische Prüfung und Überprüfung sowie Interpretation von Forschungsergebnissen enthält. In diesen Gedanken kann man durchaus die Ideen der Gründungsgeneration der Sportwissenschaft wiederfinden. Ursprünglich hatte die Sportwissenschaft den Anspruch, auf der anwendungsorientierten Seite effektive Lösungsansätze und auf der wissenschaftstheoretischen Seite Erklärungsmodelle für sportpraktische Probleme zu liefern (Willimczik, 2001). Der Anspruch liegt nicht darin, Wissenschaft um ihrer selbst willen zu betreiben. Reduziert man Bishops (2008) Ausführungen auf eine These, so verdiene das Prädikat Sportwissenschaft nur jene Forschung, welche sich den Problemen der Sportpraxis stellt und diese in den gesamten Forschungsprozess integriert. Hierfür erachtet er den Pendelprozess zwischen Wissenschaft und Praxis als notwenige Bedingung für die Optimierung der sportlichen Leistung, welcher im Modell des langfristigen Leistungsaufbaus noch intensiver verknüpft werden muss.
© Copyright 2013 15. Frühjahrsschule Informations- und Kommunikationstechnologien in der angewandten Trainingswissenschaft am 17. und 18. April 2013 am IAT. Veröffentlicht von IAT. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Naturwissenschaften und Technik Nachwuchssport Biowissenschaften und Sportmedizin
Tagging:Screening
Veröffentlicht in:15. Frühjahrsschule Informations- und Kommunikationstechnologien in der angewandten Trainingswissenschaft am 17. und 18. April 2013 am IAT
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Leipzig IAT 2013
Schriftenreihe:Frühjahrsschule "Informations- und Kommunikationstechnologien in der angewandten Trainingswissenschaft", 15
Seiten:50-58
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch