Talent identification
(Talentsichtung)
Verf., Sportphysiologe und Trainer, geht (ohne ethische Bewertung) ein Thema an, von dem er glaubt, dass es - nach der großen öffentlichen Aufmerksamkeit, die das Schwimmen (international und in den USA) nach den Olympischen Spielen in Peking insbesondere durch die Erfolge von Michael Phelps aber auch anderen erzielt hat - neben den Themen Doping und Schwimmanzüge in den kommenden Jahren stark ins öffentliche Interesse geraten wird: Talentsichtung durch Gentests.
Mit dem Human Genome Project erzielte die Genforschung 2003 einen großen Durchbruch, die Forschung richtet sich auf bestimmte Gene, darunter auch auf solche in Zusammenhang mit sportlicher Leistung und sportlicher Eignung. Momentan wurden bereits 150 Gene auf ihren Zusammenhang mit der sportlichen Leistung untersucht. Zwei davon scheinen einen direkten Zusammenhang zum Spitzensport aufzuweisen: ACTN3 (R577X) und ACE I/D.
In Zusammenhang mit dem ACTN3 steht das Protein Alpha-Actinin, das in schnell kontrahierenden Muskeln auftritt. Es scheint logisch zu sein, dass es bei Personen mit dem R577X zu Unterbrechungen in der Funktion der schnell kontrahierenden Muskeln kommt und sie daher die Prädisposition einer begrenzten Krafterzeugung haben. (In Europa haben schätzungsweise ca. 18 % der weißen Europäer die R577X-Allele.) Untersuchungen haben auch gezeigt, dass es eine starke Korrelation zwischen Elite-Kraftsportlern und dem R-Allel gibt.
ACE (ein Enzym, das mit dem D- oder I-Allel auftreten kann) wurde als ACE II vorzugsweise bei Langstreckenläufern mit höheren VO2max-Werten und einem höheren prozentualen Anteil langsam kontrahierender Muskelfasern gefunden. Schwimmer mit diesem Gen sind daher besonders für die Langstrecke und das Freiwasserschwimmen geeignet. Ein Sportler mit ACE DD dagegen wäre besser für die Sprint- und Kurzdistanzen geeignet.
Forschungen zu den Zusammenhängen zwischen Genetik und Sport wurden laut dem Autor auch in Russland, Australien und Finnland durchgeführt.
Russische Forscher fanden 10 separate Gene, die spezifische Merkmale für eine erhöhte aerobe Leistung im Rudern sind. Keiner ihrer Olympiateilnehmer 2008 wies alle zehn dieser Gene auf, jedoch alle 6-9 davon. Verf. nimmt an, dass nun gezielt nach Athleten mit allen zehn gesucht wird ...
In Australien ist der Test auf ACTN3 sehr einfach und preiswert und für jeden durchführbar. Noch gibt es das in den USA nicht - Verf. erwartet es jedoch bald.
Speziell im Schwimmen ist eine Studie bekannt, in der europäische Eliteschwimmer und Teilnehmer der Commonwealth Games sowie US-Collegeschwimmer (keine Elite) verglichen wurden. Bei den Eliteschwimmern wurden vorzugsweise die DD-Allele gefunden, die mit der Kraftleistung assoziiert werden. Es wurde geschlussfolgert, dass es genetische Unterschiede zwischen den Spitzen- und den College-Schwimmern gibt.
Im Moment stellen sich viele Trainer oder Eltern von Nachwuchsschwimmern die Frage, ob sie ihrem Kind einen der teuren neuen Schwimmanzüge kaufen sollen. Zukünftig stehen sie möglicherweise vor der Frage, ihre Sport treibenden Kinder einem Gentest zu unterziehen. Eine andere Perspektive wäre möglicherweise auch die gezielte Einmischung von Eltern und der Versuch von Einflussnahme auf das Training ihres Kindes aufgrund der Ergebnisse solcher Gentests. Wie wird der Sport reagieren?
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Ausdauersportarten Nachwuchssport |
| Veröffentlicht in: | Swimming World Magazine |
| Sprache: | Englisch |
| Veröffentlicht: |
2009
|
| Jahrgang: | 50 |
| Heft: | 5 |
| Seiten: | 36-37 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |