Sportwissenschaft zwischen Autonomie und außerwissenschaftlichen Impulsen
Formale und inhaltliche Aspekte einer Medialisierung und weitere außengerichtete Orientierungen im Sinne einer praktischen Anwendung als Beratungswissenschaft bestimmen das Geschehen in Teilen der Sportwissenschaft. Die Sportwissenschaft, gegründet als anwendungsorientierte, der Lösung praktischer Probleme gewidmete, universitäre Disziplin liefert sich im Zuge der Erfüllung dieser außerwissenschaftlichen Forderungen nicht selten der Legitimationsrhetorik eben dieser Praxis aus. Die Forschung im Sport erhielt gewissermaßen schon mit ihrem Gründungsdekret Impulse aus außerwissenschaftlichen Bereichen, insbesondere aus der Praxis des Leistungs- und Spitzensports. Diese Impulse sind außer der finanziellen Förderung im Wesentlichen Zielvorstellungen und Erwartungen anderer Art, die nicht selten den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess und seine Zeithorizonte dramatisch verkennen und auf seine naive Überforderung hinauslaufen. Statt das zu tun, was angewandte Forschung kann, nämlich durch jeweils adäquate, systematische Erarbeitung von wissenschaftlich in einem angebbaren Maß gesicherten Aussagen den jeweiligen Rahmen abzustecken, in dem (sport-)technisches Handeln sinnvoll und letztlich erfolgversprechend sein kann und außerhalb dessen Geldvergeudung zu erwarten ist, wird nicht selten gegen die Grundsätze wissenschaftlicher Grundhaltungen verstoßen. Außerwissenschaftliche Interessenbündelungen steuern nun teilweise die Wissensproduktion und nicht mehr der Kommunikationsprozess autonomer Wissenschaftler.
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| Notationen: | Theorie und gesellschaftliche Grundlagen Trainingswissenschaft Nachwuchssport |
| Veröffentlicht in: | Sportwissenschaft |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Schorndorf
Hofmann Verlag
2006
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| Jahrgang: | 36 |
| Heft: | 2 |
| Seiten: | 151-170 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |