Effects of training at a young age: A review of the Training of Young Athletes (TOYA) Study

(Trainingswirkungen bei Jugendlichen: Überblick über eine Studie zum Training jugendlicher Sportler (TOYA))

Darstellung ausgewählter Ergebnisse einer Längsschnittuntersuchung zum Wachstum und zur Entwicklung junger britischer Sportler. Die Untersuchungen erfolgten in den vier Sportarten Turnen, Fußball, Schwimmen und Tennis mit insgesamt 453 ausgewählten Kindern beiderlei Geschlechts über einen Zeitraum von 5,5 Jahren. Die Hauptschwerpunkte der Untersuchungen waren Sportverletzungen, Wachstum und Entwicklung, psychologische und psychosoziale Probleme sowie physiologische Leistungsfähigkeit. Ergebnisse: Die Untersuchungen konnten keine Anzeichen für eine negative Beeinflussung von physiologischem Wachstum oder biologisch- geschlechtlicher Entwicklung durch das sportliche Training erkennen. (Der kleine Körperbau und die späte Maturation der Turnerinnen ist als Ergebnis biologischer und sozialer Selektionsfaktoren und nicht als Auswirkung des sportlichen Trainings zu betrachten.) Verletzungen traten nur selten auf und waren nur leichter Natur. Die untersuchten jungen Sportler wiesen einen gesunden Lebensstil auf. Auftretende negative Wirkungen intensiven Trainings in einem jungen Alter wurden durch vielfältige soziale, psychologische und gesundheitsfördernde positive Effekte (einschließlich der Parameter aerobe Leistungsfähigkeit und Muskelkraftentwicklung) im Ergebnis dieses Trainings aufgehoben. Zu einzelnen Ergebnissen: Körperliches Wachstum und biologische Reife Wachstum bezieht sich auf die Erhöhung der Maße des Körpers oder seiner Teile (z.B.Körperhöhe und -masse), während die biologische Reife sich auf das Tempo und den zeitlichen Verlauf (Timing) des Reifeprozesses bezieht (z.B. Menarche und Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale). Es wurde darauf verwiesen, daß Unterschiede im Körperbau zwischen jungen Sportlern wahrscheinlich die Auswahl in relativ jungen Lebensjahren nach körpermaßlichen Anforderungen einer speziellen Sportart widerspiegeln. Die beobachteten Unterschiede bei den Erwachsenen können auch ein Ergebnis des Trainings im jungen Alter sein. In der vorliegenden Studie wurde das Alter (in 0.01 Jahren) gemessen, und dann wurden die Probanden in Altersgruppen (zu 12 Monaten) zusammengefaßt. Die Körperhöhe wurde mit einem fixierten Harpender-Stadiometer in 0.1 cm gemessen, die sexuelle Reife bei den Jungen über den Hodenumfang, bei den Mädchen über das Menarchealter ermittelt. Die weiblichen Probanden sowie ihre Mütter wurden mittels Interview zum Auftreten der ersten Menarche befragt. Im allgemeinen konnten sie dieses innerhalb eines Zeitraumes von 2 - 3 Monaten angeben, was für Gruppenvergleiche ausreichend ist. Mittels Covarianzanalyse wurde für die Gruppenvergleiche der Körperbauentwicklung die Körperhöhe mit dem Alter und dem puberalen Status abgeglichen. Es wurde ermittelt, daß männliche Schwimmer (161.6+/-0.6 cm) signifikant größer (p<.01) als Turner(150.7+/-0.8 cm) und Fußballspieler (158.7+/-0.6 cm) waren und ihre angeglichene mittlere Körpermasse (51.3+/-0.6 kg) signifikant höher (p<.01)als die der anderen Gruppen war. Im Vergleich zu den Standardwachstumstabellen (Tanner)lagen die männlichen Turner in allen Altersgruppen unter der Durchschnittshöhe (Abb.2).Im Gegensatz dazu waren die männlichen Schwimmer für ihr Alter mit mittleren Körperhöhen über dem 50er Pertenzil groß. Das gleiche Verhalten wurde auch bei den Tennisspielern beobachtet. Die Vergleiche der Hodenwachstumskurven in den vier Sportarten mit denen von gesunden Jungen (Tanner)ergaben, daß die Wachstumskurven alle innerhalb des Normalbereiches lagen (Abb. 3). Dennoch gab es deutliche Unterschiede in den Sportarten: Tennis- und Fußballspieler folgten der 50er-Pertenzillinie von normalen Jungen. Schwimmer hatten signifikant größere Umfänge als für ihre Altersgruppe von 14 bis 16 Jahren vorausgesagt, während Turner signifikant kleinere Hodenvolumen innerhalb des gleichen Altersbereichs aufwiesen. Diese Wachstumskurven sind charakteristisch für Früh- und Spätreife. Da alle jungen Sportler das Training vor der Pubertät begannen, weist die beobachtete späte Geschlechtsreife der Turner und die Frühreife der Schwimmer auf eine Form der sportspezifischen Auswahl hin. Die drei weiblichen Sportarten zeigten, daß in allen Altersgruppen Schwimmer und Tennisspieler im Vergleich zu den Britischen Wachstumsstandardtabellen eine überdurchschnittliche Körperhöhe hatten (Abb. 4). Im Gegensatz dazu wiesen die Turnerinnen eine unterdurchschnittliche Höhe, insbesondere vom 12. bis 16. Lebensjahr auf. Zum 17. Lebensjahr war die Körperhöhe der Turnerinnen wieder gleich/ähnlich den Durchschnittshöhen der Standardtabellen. Das weist auf ein spätes Erreichen des jugendlichen Wachstumsspurts hin. Es wurde die Hypothese aufgestellt, daß junge Sportler, die sich einem intensiven Training unterziehen, eine verzögerte Menarche infolge der Trainingswirkungen in einem frühen Alter haben, obwohl bekannt ist, daß andere genetische und Umweltfaktoren zu dieser beobachteten späteren Menarche beitragen (Malina). In der vorliegenden Studie war in allen Sportarten (Turnen, Schwimmen und Tennis) ein späteres Menarchealter (14.3, 13.3 und 13.2 Jahre) als in den Referenzwerten von Großbritannien von 13.00 Jahren ausgewiesen zu verzeichnen (Abb. 5). Zwischen dem Menarchealter von Müttern und Töchtern wurde eine positive Korrelation ermittelt (p<.01). Die Covarianzanalyse unter Einbeziehung des mütterlichen Menarachealters, der sozialökonomischen Gruppe, der Trainingsdauer und der Sportart ergab, daß das mütterliche Menarchealter und die Sportart das Menarchealter der Probanden signifikant beeinflussen. Wenn das mütterliche Menarchealter und die Sportart die besten Prediktoren des Menarchealters bei den von uns untersuchten Sportlern ist, würde sich ergeben, daß die Menarche eher spät als verzögert war. Wie bei den männlichen Sportlern verweist dieses Ergebnis wiederum auf eine Form der sportartspezifischen Selektion. Obwohl die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung darauf verweisen, daß regelmäßiges Training nicht den erreichten Körperbau oder die Geschlechtsreife beeinflußt, wird die Interpretation durch den Fakt durcheinandergebracht, daß das Alter des Trainingsbeginns von 6.3 bis 7.6 Jahren reicht. Obwohl Trainingswirkungen vor der Untersuchung aufgetreten sein können, beinhaltet der Fakt, daß die vorausgesagten Erwachsenenhöhen zwischen den Sportarten signifikant unterschiedlich sind (Baxter-Jones u.a.,1995), daß Training nicht das Wachstum beeinflußt. Es scheint eher wahrscheinlich, daß Sportler mit entsprechendem Körperbau in der entsprechenden Sportart ausgewählt werden. Wachstum, Reife und Leistung Die Verteilung der Geburtstage zeigte deutlich Unterschiede zwischen den Sportarten ((Abb. 6). Die Geburtstage der männlichen Turner waren gleichmäßig über das Jahr verteilt. Im Vergleich waren die Geburtstage in den anderen Sportarten nicht gleichmäßig verteilt. Etwa die Hälfte der Schwimmer, Fußballspieler und Tennisspieler war innerhalb der ersten drei Monate des Auswahljahrs geboren. Den gleichen Trend bei den Sportlerinnen zeigten nur die Tennisspielerinnen. Die Ergebnisse weisen darauf hin, daß in Sportarten, in denen ein großer Körperbau für den Erfolg notwendig ist (z.B.Schwimmen und Tennis), Sportler zu einer fortgeschrittenen sexuellen Reife tendieren. Im Gegensatz dazu bringt die bei den Turnerinnen beobachtete späte Reife einen Leistungsvorteil in dieser Sportart. Lungenwachstum Die Schwimmer hatten von allen Gruppen die höchsten Anfangs-FVC-Werte (forcierte Vitalkapazität).Dieser Unterschied veränderte sich nicht mit der Zeit, was darauf verweist, daß die Eliteschwimmer eher nach diesem Merkmal ausgewählt wurden als eine Trainingswirkung vorliegt. Unter Berücksichtung der Unterschiede in Körpergröße und Alter erhöhte sich bei den Sportlerinnen die FVC bei allen Sportlern und Nichtsportlern in einem größeren Maße als bei der Körpergröße. Zum Alter des Beginns der Untersuchung war jedoch die FVC bei den Tennisspielerinnen, Turnerinnen und Schwimmerinnen bereits 20%, 21% bzw. 34% größer als bei den Nichtsportlern. Wie bei den Jungen deutet dies darauf hin, daß physische Aktivität ansich nicht das Lungenwachstum beeinflußt und daß die zwischen den Gruppen beobachteten Unterschiede eine genetische Veranlagung in Richtung einer besseren Lungenfunktion bei Sportlern reflektieren. Entwicklung der aeroben Kapazität Die männlichen Schwimmer, Fußball- und Tennisspieler haben in allen Abschnitten der puberalen Entwicklung eine höhere aerobe Kapazität (VO2max)im Vergleich mit einer normalen untrainierten Population Großbritanniens (Armstrong u.a., 1991). Bei den Sportlerinnen wird das gleiche Verhalten festgestellt. Laut Anfangsuntersuchungen der TOYA-Studie tendiertdie VO2max bei Mädchen und Jungen zum Anstieg mit fortschreitender puberaler Entwicklung. Bei den Sportlerinnen wurde in der VO2max kein Unterschied zwischen den Gruppen festgestellt, wenn sie relativ zum Körpergewicht ausgedrückt wurde. Das würde bedeuten, a. daß die erhöhte VO2max eher einem Anstieg der Körpermasse zuzuschreiben ist als einem Anstieg der Stoffwechselkapazität und b. daß Training vor der Pubertät wenig, wenn überhaupt, Einfluß auf die aerobe Kapazität hat. In Folgeuntersuchungen wurde ermittelt, daß unter Berücksichtung des Anstieges von Körperhöhe und -gewicht die unterschiedlichen Sportarten und somit die unterschiedlichen Trainingsregimes einen signifikanten Einfluß auf die aerobe Kapazität haben. Die Veränderungen in der VO2max sind zwischen den Geschlechtern unterschiedlich. Bei den männlichen Probanden wurde ein sign. Anstieg der aeroben Kapazität zum Ende der Pubertät im Gegensatz zu den weiblichen Probanden festgestellt, die in dieser Zeit keinen Anstieg aufwiesen. Das Wachstum der aeroben Kapazität war, wie erwartet, sign. bezogen zum Wachstum der Kinder (Alter, Höhe, Gewicht), jedoch auch überasschenderweise zur puberalen Entwicklung der Jungen am deutlichsten. Die unterschiedlichen Sportarten zeigten ein unterschiedliches Verhalten der aeroben Kapazität mit dem Alter. Das deutet darauf hin, daß die Form des Trainingsregimes die Entwicklung der aeroben Kapazität beeinflußt. Kraft und Beweglichkeit Die Probanden der TOYA-Studie waren in der Lage, höhere isometrische Kraft aufzuwenden als eine Referenzgruppe normaler Schulkinder (Parker u.a., 1990). Die männlichen Probanden differierten von der Referenzgruppe mit 14 Jahren, die weiblichen waren in jedem Alter kräftiger als die Referenzgruppe. Die weiblichen TOYA-Probanden waren bis zum 12. Lebensjahr kräftiger als die männlichen. Danach erhöhten die Jungen ihre Kraft weiter, während die Mädchen konstant blieben. Die mittlere maximale isometrische Kraft sowohl in den unteren als auch oberen Extremitäten war in den vier Sportarten nicht sign. unterschiedlich. Männliche Turner über 11 Jahre waren sign. kräftiger als alle anderen Sportler. Die Beweglichkeit spielet keine signifikante Rolle bei Verletzungen. Junge Schwimmer haben eine größere allgemeine Beweglichkeit, und Mädchen sind beweglicher als Jungen zwischen 13 und 16 Jahren. Bei Mädchen scheint die Beweglichkeit allgemeiner als bei Jungen zu sein, bei denen die Beweglichkeit des Oberkörpers von der des Unterkörpers abhängt. Lebensweise der jungen Sportler Die Ergebnisse der TOYA-Studie weisen nach, daß intensives Training eine sign. Wirkung auf die Lebensweise der jungen Sportler und ihre Familien hatte (weniger Fernsehen, gesundheitbezogene Vorteile wie weniger Rauchen und Alkoholkonsum). Zurückziehen vom Sport Insgesamt verweisen die Ergebnisse der vorliegenden Studie darauf, daß es ungenau ist, vom Zurückziehen oder "Dropout" zu sprechen, da eine signifikante Anzahl von Probanden ihre Teilnahme veränderten und neue Sportarten aufnahmen. Das Zurückziehen vom intensiven Training ist ein natürlicher Bestandteil der Sportteilnahme, es schließt nicht den totalen Rücktritt ein, sondern eine Neubestimmung des Teilnahmeniveaus. Es treten "sensitive" Perioden des Zurückziehens auf, wie zum Beispiel vor, während und nach öffentlichen Prüfungen, nach dem Verlassen der Schule oder langen Verletzungspause.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Nachwuchssport
Veröffentlicht in:Pediatric Exercise Science
Sprache:Englisch
Veröffentlicht: 1996
Jahrgang:8
Heft:4
Seiten:30-327
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch mittel