Rhythmische Sportgymnastik

Unter den technisch-akrobatischen Sportarten zählt die Rhythmische Sportgymnastik zu denen mit den höchsten Anforderungen an das koordinative Leistungsvermögen. Die besondere Herausforderung dieser bisher nur von Mädchen und Frauen ausgeübten Sportart, aber auch den besonderen Reiz macht dabei die Verbindung von sportlicher Technik und Akrobatik mit Musik, Tanz und Jonglieren aus, die in Übungen auf einer Wettkampffläche von 13 x 13 Metern präsentiert werden. Im Einzel dauert eine Übung zwischen 60 und 90 Sekunden, in der Gruppe 120 bis 150 Sekunden, was auch bereits erste Hinweise auf die konditionellen Anforderungen an die Gymnastinnen zulässt. Letztlich kommen in der Rhythmischen Sportgymnastik verschiedene Sportgeräte, wie Bänder, Reifen, Bälle, Keulen und Seile, zum Einsatz, mit denen atemberaubende Bewegungsbilder geschaffen werden. Die komplexe Leistungsstruktur der Rhythmischen Sportgymnastik stellt entsprechend umfassende und hochgesteckte Anforderungen an die langfristige Ausbildung der Sportlerinnen. Es gilt, die sportliche Technik der verschiedenen Elemente zu erlernen und zu perfektionieren und sie im Wettkampf stabil auf einem hohen sportlichen Niveau zu präsentieren. Eng verbunden damit ist die Entwicklung einer ausdrucksstarken individuellen und Gruppendarbietung, und das innerhalb einer sportlich und musikalisch "durchgestylten" attraktiven Choreographie für mehr als eine Minute. Dabei ist auch zu beachten, dass das Ziel einer hohen Bewertung der Übung nur dann erreicht werden kann, wenn als Basis Elemente mit einem vorgeschriebenen Schwierigkeitsgrad virtuos und kreativ präsentiert werden. Das setzt die Erlernung von Variationen von Körper- und Gerättechniken voraus, die in Kombinationen vorgestellt werden. Das erfordert auch eine entsprechende Risikobereitschaft, und die permanente Suche nach neuen, originellen Techniken und nach einer neuartigen Geräte- und Körpersteuerung. Das Lehrbuch der drei erfahrenen Trainerinnen bietet einen Weg, um sich systematisch diesem Anspruchsniveau zu nähern. Dazu entwickeln sie in den einleitenden Kapiteln ihre Vorstellungen zu grundlegenden Inhalten des Trainings in dieser technisch-akrobatischen Sportart wie der Zyklisierung und Periodisierung des langfristigen Trainingsprozesses, der Entwicklung eines sporttechnischen Leitbilds oder künstlerisch-ästhetischen Prägung und Formgebung von Übungskompositionen durch Musik. Eng verbunden damit ist die Frage, wie diese Lehr- und Lernprozesse zu gestalten sind, welche Methoden und Trainingsmittel geeignet sind, um in den unterschiedlichen Altersgruppen bzw. auf dem sich entwickelnden sportlichen Leistungsniveau die erwünschten und erwarteten Leistungsfortschritte auch tatsächlich zu erreichen. Eine zentrale Bedeutung für die Sportart hat natürlich die Entwicklung einer hohen körperlichen Beweglichkeit und die Ausprägung einer allgemeinen wie auch speziellen koordinativen Fähigkeiten innerhalb eines mehrjährigen Trainingsprozesses. Ausgehend von diesen trainingsmethodischen Inhalten führen die Autorinnen dann zu den Körpertechniken wie Schritten, Ständen, Drehungen, Sprüngen oder Rollen. Parallel dazu präsentieren sie auch die Gerättechniken wie Schwingen, Spiralen, Rollen, Zwirbeln oder Prellen, Werfen und Fangen von Bällen, die dann auch zu Kombinationstechniken zusammengeführt werden. Jede der Techniken wird dazu definitorisch gefasst, auf ihren Phasencharakter mit den entsprechenden Techniken und typischen Fehlern analysiert und präsentiert (was spezifisch für die verschiedenen Sportgeräte erfolgt). Daraus leiten sich Trainingsprogramme bzw. -empfehlungen ab, um sporttechnische Grundlagen zu schaffen und darauf aufbauend die Elemente schrittweise zu perfektionieren. Insgesamt entsteht ein sehr umfassendes Bild des mehrjährigen Leistungsaufbaus in der Rhythmischen Sportgymnastik, das in der Gesamtschau als spezielle Trainingslehre der Sportart aufgefasst werden kann. Es ist sowohl von Trainerinnen und Trainern zu nutzen, aber auch in deren akademischer Ausbildung in Hochschulen oder in der Ausbildung von ÜbungsleiterInnen und TrainerInnen in den Sportverbänden.
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Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:technische Sportarten Trainingswissenschaft Nachwuchssport
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Aachen Meyer & Meyer 2010
Ausgabe:Aachen: Meyer & Meyer, 3., überarb. Aufl., 2010.- 336 S.
Online-Zugang:https://www.amazon.de/s?k=Rhythmische%20Sportgymnastik%20Schwabowski
Seiten:336
Dokumentenarten:Buch
Level:mittel