Förderungseinrichtungen und Zeitbudget heranwachsender Leistungssportler in Finnland
Die Anforderungen des Leistungssports müssen heutzutage zunehmend mit den Anforderungen anderer Lebensbereiche der Heranwachsenden abgestimmt werden. Am Beispiel Finnlands werden mögliche Wege dazu aufgezeigt. In diesem Artikel wird einleitend über die neuesten Förderungsmaßnahmen, Förderungseinrichtungen und Forschungsergebnisse, die an heranwachsenden Leistungssportlern Finnlands gewonnen wurden, berichtet. Im zweiten Teil wird die Zeiteinteilung der jungen, geförderten Spitzensportler in Finnland erläutert und mit dem Zeitbudget der nichtgeförderten Spitzensportler und Nicht-Sportler verglichen. Zur Förderung: Im Herbst 1986 begann der erste Versuch, verschiedene Möglichkeiten zu eruieren, das Studium und die schulische Ausbildung von Sportlern zu erleichtern und mit dem Sport unter einen Hut zu bringen. Den Sportlern wurde eine flexible Stunden- und Lehrplangestaltung ermöglicht, sodass sie während der Schulzeit mit einem zur Schule gehörenden Lehrer trainieren können. Die Schulzeit kann, in einem vorgegebenen Rahmen, auf eigenen Wunsch der Sportler verlängert werden. An dem Versuch nahmen insgesamt 12 Schulen in Finnland teil. Der Anteil der Sportler an diesen Schulen ist auf maximal 30 % begrenzt. Es sind gewöhnliche Schulen mit Förderungseinrichtungen für Leistungssportler. So gibt es in sechs dieser Schulen klassenlose gymnasiale Oberstufen, in denen die Sportler nach individuellen Zeit- und Lehrplänen unterrichtet werden können. Von ähnlicher Art gibt es außerdem vier Sportberufsschulen mit mehreren Ausbildungsrichtungen. Eine spezielle Klasse von Eishockey- und Basketballspielern gibt es in der Handelshochschule. Die Sportler erhalten eine speziell auf sportliche Gebiete ausgerichtete Marketing-Ausbildung. Zum Zeitbudget: Die Zeitbudgetuntersuchungen wurden in den sechs Sportgymnasien durchgeführt. Die Versuchsgruppen bestanden aus 144 Sportlern, die an den Sportgymnasien studierten, 63 Sportlern von gewöhnlichen Gymnasien und aus 64 Nicht-Sportlern an diesen Gymnasien, die zum Zeitpunkt der Untersuchungen 17 und 18 Jahre alt waren. In die Untersuchungen gingen 2640 Schultage und 908 Wochenendtage ein. Untersuchungsmaterial wurde während der Dauer von vier Semestern 1987 bis 1989, nach einer für die finnischen Schüler angepassten Tagebuch-Methode gesammelt. Die Ergebnisse werden in 2 Tabellen und 2 Diagrammen anschaulich dargestellt. Grundlegend kann gesagt werden, dass die Jungen in den Sportgymnasien erheblich mehr Zeit für das Training haben als sporttreibende Jungen in gewöhnlichen Gymnasien. Das Training konnte besser über alle Tage der Woche verteilt werden. Das Training der Mädchen an Sportgymnasien erfolgt dagegen immer noch vorwiegend am Wochenende. Eine besondere Rolle spielt im Tagesablauf der Sportler die Sportart. Die Individualsportler trainieren sowohl in der Woche als auch am Wochenende zeitlich mehr als die Mannschaftssportler.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Sportgeschichte und Sportpolitik Nachwuchssport |
| Veröffentlicht in: | Leistungssport |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
1991
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| Ausgabe: | 21(1991)6, S. 21-25 |
| Online-Zugang: | https://open-archive.sport-iat.de/ls/1991_6_21-25_Suomalainen.pdf |
| Jahrgang: | 21 |
| Heft: | 6 |
| Seiten: | 21-25 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch |