Talent und Bildungsgang. Rekonstruktionen zur Schulkultur in Verbundsystemen "Schule - Leistungssport"
Die notwendige und effektive Verbindung einer schulischen und später akademischen oder Berufsausbildung mit einem nachwuchs- und später leistungssportlichen Trainings- und Wettkampfbetrieb stellt innerhalb des deutschen Sportsystems eine Herausforderung für viele der Akteure dar. Sowohl das Bildungs- als auch das Sportsystem erheben gegenüber den sportlich talentierten Mädchen und Jungen klare Forderungen, denen allein nicht selten die Passfähigkeit fehlt. Hinzu kommt, dass auf dieses schon problembehaftete Verhältnis zusätzlich die subjektiven Bildungs- und Sportvorstellungen der Mädchen und Jungen sowie ihrer Familien einwirken.
Am Beispiel von drei Schulen (ein Gymnasium, das "Partnerschule des Leistungssports" ist, ein Schulzentrum mit Sekundarstufe und Gymnasium, das eng mit Landesleistungsstützpunkten verschiedener Landesverbände kooperiert und eine integrierte Gesamtschule mit Grundschule und Aufbaugymnasium, die seit 2006 "Eliteschule des Sports" ist und die mit dem ansässigen Olympiastützpunkt zusammenarbeitet) die über unterschiedliche Zugänge zu einer vertieften sportlichen Ausbildung von Talenten verfügen.
An diesen Schulen wurde der Zeitraum der Talenteingangsphase - der Übergang von der Grundschule in die Sekundarstufe I (von Klassenstufe 5 zur Klassenstufe 6) analysiert, da hier wesentliche Weichenstellungen für langfristige Entwicklungswege vorgenommen werden. Die ausgewählten Schulen wiesen dabei ein unterschiedliches Verständnis zu Sinn und Funktion der Talentförderung auf. Nicht selten drücken sich diese in der Verbindlichkeit aus, mit der die Schülerinnen und Schüler (sowie deren Familien) die Talentförderung (und hier nicht immer nur im relativ engen Sportbezug) verstehen, annehmen und auch praktisch leben bzw. mit der dieses von den Schulen "eingefordert" wird. Im Zusammenhang damit zeigen sich auch Differenzen in der Stringenz mit der Stringenz, mit der angebotene Talentfördermaßnahmen im schulischen Rahmen zu nutzen sind bzw. in der Bereitschaft, die Talente auch als mündige, mitredende Akteure zu betrachten.
Deutlich wird an den drei untersuchten Schulen, dass die verschiedenen Formen der Integration von Schulen und Zentren des Leistungssports und die damit entstehenden Verbundsysteme zu Projekten der Lernortkooperation führen, in denen die Zukunftsorientierungen, Sinnkonstruktionen und Bildungswege sportlicher Talente zur Disposition stehen. Das Passungsverhältnis zwischen den subjektiven Bildungsgängen von Schülern und Schülerinnen, die an leistungssportlicher Talentförderung teilhaben, und den objektiven Bildungsgangvorgaben in Verbundsystemen aus Schule und Leistungssport ist aus der Perspektive der Schulkulturforschung von den Anerkennungs- und Partizipationsverhältnissen der Einzelschule abhängig. Sie sind im Bewährungsmythos der Einzelschule hinterlegt.
Für die Autoren der vorliegenden Arbeit ist Talentförderung in einem Verbundsystem von Schule und Nachwuchsleistungssport stets und konsequent als Bildungsgangförderung zu verstehen und anzulegen. Damit sollen weitere Optionen für die individuelle Lebensplanung entstehen, die sehr flexibel angelegt werden sollten, die auch Raum bieten, eigene Erfahrungen in Sport und Schule zu verarbeiten und daraus Folgeentscheidungen zu treffen, und die den Talenten ein hohes Maß an Kompetenz zuschreiben, ihre Ausbildungswege verantwortlich mitzugestalten und nicht nur Angebote passiv zu "konsumieren".
Aus dem Inhalt:
Teil I: Die strukturelle Kopplung von Schule und Spitzensport - Referenzstudien und Referenzdiskurse
Referenzstudien - bildungstheoretische Anmerkungen zu organisationssoziologischen Forschungsansätzen in der Sportwissenschaft
Referenzdiskurse - Ansätze der Schulforschung
Zwischenfazit und Differenzierung der Fragestellung
Teil II: Gegenstandsbestimmungen und methodisches Vorgehen der Studie
Forschungsgegenstände der Studie
Methodologische und methodische Anlage der Untersuchung
Teil III: Talentförderung an drei Schulen - Ergebnisse der Studie
Kurzporträts der Schulen
Fallstudien zum Kernfall Eversten
Kontrastierender Vergleich der Schulporträts
Rückblick und Ausblick
© Copyright 2010 Veröffentlicht von Budrich. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Nachwuchssport Schulsport |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Opladen, Famington Hills, MI
Budrich
2010
|
| Ausgabe: | Opladen, Farminton Hills, MI: Budrich, 2010.- 188 S. |
| Schriftenreihe: | Studien zur Bildungsgangforschung, 29 |
| Seiten: | 188 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |