Von der Grundlagenforschung zur Anwendungsforschung Sensu Biomechanik
Die klassische Sportbiomechanik als Teilgebiet der Biomechanik war als geräteintensive Disziplin schon immer inhärent anwendungsorientiert. Ihr Profil war und ist gekennzeichnet durch die Orientierung nach Qualifizierung von Bewegungsabläufen im Sport. Allerdings hat sich die sportwissenschaftliche Biomechanik selbst aus der Biomechanik der Sportarten in den beiden letzten Jahrzehnten ausdifferenziert, neue Forschungsfelder sind dazugekommen. Das verstärkte Interesse an Gesundheitsaspekten, an Prävention und Rehabilitation hat insbesondere eine Erweiterung des Interessenkatalogs innerhalb des Sports beigetragen: Orthopädische Biomechanik ist heute ebenso gefragt, wie die Entwicklung von Belastungsprofilen motorischer Subsysteme im Spitzensport.
Die spezifischen Komponenten biomechanischer anwendungsorientierter Forschung können nicht ohne gegenseitige Grauzonen festgelegt werden: Neben der biomechanischen Serviceleistung, die Verfahren für die unmittelbare Praxisverwertung anwendet, ist komplexe Problemlösung für die Praxis gefragt. Grundlagenorientierte Forschung bezieht sich in diesem Kontext sowohl auf die Verfahren und Methoden, als auch auf die Erforschung grundlegender Fragestellungen, die nicht unmittelbaren Praxisbezug haben müssen.
Der moderne Ansatz der Bio&Mechanik versucht die traditionell enge Kopplung des Gegenstandsbereichs an die Mechanik aufzuweiten, neurophysiologische und belastungsrelevante Einflüße zu integrieren. Damit wird aber eine starre Trennung innerhalb der naturwissenschaftlichen Disziplinfelder unsinnig, da je nach Problemformulierung ein und dasselbe bio&mechanische Vorgehen trainingswissenschaftlichen oder auch bewegungswissenschaftlichen Inhalt annehmen kann.
Im Vortrag soll ein pragmatischer Ansatz vertreten werden. Anhand von exemplarischen Beispielen wird aufgezeigt, daß nicht der methodologische Zugang sondern der intentionale Problemlösungsansatz die Zugehörigkeit zu Bewegung, Motorik oder Training im Sport bestimmt.
Die Beispiele sollen aufzeigen, daß eine kompetente Anwendungsforschung nicht ohne ein adäquate Grundlagenforschung auskommen kann. Nur über eine intensive Kooperation mit Spezialisten angrenzender Mutterdisziplinen kann eine hohe inhaltliche Kompetenz erzielt werden. Dabei müssen die starren Grenzen von Bewegung-, Motorik- und Trainingswissenschaft zwangsläufig fallen, da nur über die physiologisch-biologischen Aspekte in Interaktion mit der Mechanik, Bewegung produziert werden kann. Diese zu quantifizieren kann auch Aufgabe der Biomechanik sein. Eine möglichst präzise Kenntnis der Einflußfaktoren, welche diese Bewegung determinieren, kann aber auch für eine zielgerichtete Formulierung des Trainingsprozesses primäre Aufgabe der Trainingswissenschaft sein.
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| Schlagworte: | |
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| Notationen: | Naturwissenschaften und Technik |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
1998
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| Online-Zugang: | http://www.tu-darmstadt.de/fb/fb3/sport/veranst/bei/gollgrun.htm |
| Dokumentenarten: | Kongressband, Tagungsbericht |
| Level: | mittel |