Lehrbuch Statistik. Einstieg und Vertiefung
In das akademische Fach Statistik einzusteigen, stellt für nicht wenige Studierende eine echte Herausforderung dar. Das scheint nicht selten bereits damit zu beginnen, dass die Vorstellungen davon, was Statistik kann und soll und wie man sich ihrer Methoden bedient, recht unklar sind und mit mehr oder minder "höherer" Mathematik in Zusammenhang gebracht werden - was wiederum nicht dazu beiträgt, dass eine Art natürliches Interesse an dieser Wissenschaftsdisziplin entsteht. Dennoch begegnet jedem die Statistik bzw. mit statistischen Methoden ermittelte Informationen und wissenschaftliche Erkenntnisse auf Schritt und Tritt - auch wenn das nicht immer sofort klar wird bzw. ist. Ein paar Beispiele gefällig? Der Klimawandel wird auf der Basis statistischer Daten erklärt und diskutiert, und es werden wahrscheinliche Szenarien für die sich daraus ergebenden Konsequenzen entwickelt - wieder auf statistischer Grundlage. Die Prognosen des Abschneidens der verschiedenen Parteien schon wenige Minuten nach dem Schließen der Wahllokale sind ein weiterer Beleg für statistische Einflüsse, wie auch die Höhe die Tarife unserer verschiedenen Versicherungen auf statistischen Berechnungen beruhen. Bevölkerungsstatistiken werden benutzt, um die Entwicklung von Städten und Gemeinden oder ganzer Landstriche vorherzusagen. Im Sport wiederum werden in der Fußball-Bundesliga historische Statistiken der Ergebnisse der gegeneinander antretenden Mannschaften benutzt, es werden Angriffs- und Torhütereffektivitäten berechnet und dem interessierten Zuschauer und Zuhörer präsentiert.
Welche statistischen Verfahren eingesetzt werden (können) und wie das erfolgt, ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig, die diejenigen, die sich der Statistik bedienen wollen, kennen und beherrschen müssen. Wenn diese Voraussetzung aber gegeben ist, kann die Statistik zu einem sehr guten und geeigneten Hilfsmittel werden, um (große) Datenmengen zu strukturieren, zu organisieren und zu bewerten.
Und in der Unterstützung dieses Erwerbs von Wissen zu statistischen Verfahren und ihrer Anwendung sieht Rainer Leonhart das primäre Ziel seines Lehrbuchs. Dabei will er einerseits stets die praktischen Anwendungsaspekte der Statistik im Blick haben, um Motive zur Beschäftigung zu setzen und den Nutzen der Anwendung der Statistik deutlich zu machen, andererseits geht das nur, wenn in der Wissenschaftlichkeit keine Kompromisse zugelassen werden, die statistische Ergebnisse schnell wieder in Frage stellen würden.
In dem er sich
- der deskriptiven Statistik (mit Themen wie Messen, Skalenniveau, zentrale Tendenz und Dispersion),
- der Interferrenzstatistik, (mit Wahrscheinlichkeits- und Stichprobentheorie, Hypothesenprüfung, parametrischen und nicht-parametrischen Testverfahren),
- Korrelation und Regression (inkl. einfacher und multipler Regression, Mediator- und Moderatorenanalysen sowie logistischer Regression),
- der Varianzanalyse (u. a. mit Erläuterungen zu Messwiederholungen und zur Kovarianzanalyse),
- multivariaten Analysemethoden (wie der Faktoren- und Clusteranalyse und Strukturgleichungsmodelle) sowie
- Effektgrößen (wie ein optimaler Stichprobenumfang)
in seinem Lehrbuch zuerst aus definitorischer und theoretischer Sicht zuwendet, schafft er die notwendigen wissenschaftlichen Grundlagen, um in der Folge die unterschiedlichen Verfahren in die Diskussion einzuführen, ihre Einsatzgebiete (einschließlich der Voraussetzungen) zu beschreiben und mit ausgewählten Beispielen auch gut nachvollziehbar zu machen. Die durchgängige Strukturierung der Kapitel, die entsprechendes Kernwissen heraushebt und zusammenfasst, und das mit entsprechenden, am Kapitelende zu findenden Kontrollfragen überprüft und gefestigt werden kann, entspricht sehr gut dem Lehrbuchcharakter und unterstützt die fachliche Auseinandersetzung mit dem in der Tat anspruchsvollen Lernstoff.
Aus dem Inhaltsverzeichnis
Teil I Einführung
1 Über den Umgang mit Statistik
1.1 Grundsätzliches
1.2 Panik bei positiven Testergebnissen
1.3 Wahrscheinlichkeit versus Kausalität
1.4 Zufall oder nicht?
1.5 Darstellung statistischer Ergebnisse
1.6 Der Glaube an die Genauigkeit expliziter Zahlen
1.7 Eine undifferenzierte Betrachtungsweise
1.8 Fehlinterpretation von Querschnittstudien
1.9 Die Interpretation von Zusammenhängen
1.10 Das Gesetz der großen Zahl
1.11 Lügen mit Statistik
Teil II Deskriptive Statistik
2 Messen und Skalenniveau
2.1 Grundlagen deskriptiver Statistik
2.2 Messen
2.3 Definition des Skalenniveaus
2.4 Transformationen
2.5 Messfehler
3 Maße der Zentralen Tendenz und der Dispersion
3.1 Häufigkeiten und Kategorien
3.2 Maße der Zentralen Tendenz
3.3 Maße der Dispersion
3.4 Schiefe und Exzess einer Verteilung
3.5 Normalverteilung
3.6 Transformationen
3.7 Normierung und Normalisierung
4 Grafische Darstellungen
4.1 Allgemeine Anmerkungen zur Erstellung von Grafiken
4.2 Verschiedene Darstellungsformen
4.3 Zusammenfassung
4.4 Aufgaben
5 Vorbereitung von Daten zur statistischen Analyse
5.1 Notwendigkeit von Datenkontrolle
5.2 Dateneingabe und Datenqualität
5.3 Grafische Analysen, Ausreißer und Extremwerte
5.4 Fehlende Werte
5.5 Überprüfung von Voraussetzungen statistischer Verfahren
Teil III Inferenzstatistik
6 Wahrscheinlichkeitstheorie
6.1 Grundlagen
6.2 Begriffserklärung
6.3 Mehrere Zufallsereignisse
6.4 Kombinatorik
6.5 Wahrscheinlichkeitsfunktionen
6.6 Binomialverteilung
6.7 Poisson-Verteilung
6.8 Hypergeometrische Verteilung
6.9 Normalverteilung
6.10 .2-Verteilung
6.11 t-Verteilung
6.12 F-Verteilung
7 Stichprobentheorie
7.1 Auswahlverfahren
7.2 Zufallsgesteuerte Auswahlverfahren
7.3 Nichtzufallsgesteuerte Auswahlverfahren
7.4 Schätzungen
7.5 Schätzung bei qualitativen Merkmalen
7.6 Schätzung bei quantitativen Merkmalen
7.7 Standardfehler
8 Einführung in die inferenzstatistische Hypothesenprüfung
8.1 Hypothesen
8.2 a-Niveau
8.3 Ein- oder zweiseitige Testung
8.4 Fehler beim Hypothesentesten
8.5 Beeinflussung des ß-Fehlers
8.6 Optimaler Stichprobenumfang
8.7 Inferenzstatistische Prüfverfahren der zentralen Tendenz
9 Parametrische Testverfahren
9.1 Ein Überblick zu den parametrischen Testverfahren
9.2 z-Test
9.3 t-Test für eine Stichprobe
9.4 t-Test für abhängige Stichproben
9.5 Prüfung auf Varianzhomogenität bei unabhängigen Stichproben
9.6 t-Test für homogene Varianzen
9.7 t-Test für heterogene Varianzen
10 Nicht-parametrische Testverfahren
10.1 Binomial-Test
10.2 x2-Test
10.3 McNemar-Test
10.4 Q-Test von Cochran
10.5 Mediantest
10.6 U-Test von Mann-Whitney
10.7 Vorzeichentest
10.8 Vorzeichenrangtest von Wilcoxon
10.9 H-Test von Kruskal & Wallis
10.10 Friedman-Test
10.11 Kolmogorov-Smirnow-Test
10.12 Theoretischer Hintergrund der nicht-parametrischen Testverfahren
Teil IV Korrelation und Regression
11 Produkt-Moment-Korrelation
11.1 Varianzadditionssatz
11.2 Kovarianz
11.3 Korrelation
11.4 Determinationskoeffizient
11.5 Mittelwerte von Korrelationen
11.6 Signifikanztest für Korrelationskoeffizienten
11.7 Gleichheit von zwei Korrelationen
12 Weitere Korrelationskoeffizienten
12.1 Überblick zu den Korrelationskoeffizienten
12.2 Spearmans Rangkorrelation
12.3 Kendalls
12.4 Punktbiseriale Korrelation
12.5 Biseriale Korrelation
12.6 Biseriale Rangkorrelation
12.7 Punkttetrachorische Korrelation (.-Koeffizient)
12.8 Tetrachorische Korrelation
12.9 Polychorische Korrelation
12.10 Odds Ratio und Yules Y
12.11 .-Koeffizient
12.12 Kontingenzkoeffizient CC
12.13 Cramérs Index
13 Lineare Regression
13.1 Kausale Zusammenhänge
13.2 Herleitung der Regressionsgleichung
13.3 Güte der Vorhersage
13.4 Kreuzvalidierung
13.5 Regressionseffekt
13.6 Einengung der Streubreite
14 Multiple Korrelation und Multiple Regression
14.1 Partialkorrelation rxy.
14.2 Semipartialkorrelation rx(
14.3 Multiple Korrelation
14.4 Verschiedene Formen korrelativer Zusammenhänge
14.5 Das Allgemeine Lineare Modell (ALM)
14.6 Multiple Regression
14.7 Strategien bei der Multiplen Regression
14.8 F-Test bei Multipler Korrelation und Regression
14.9 Mediatoranalyse
14.10 Moderatoranalyse
15 Logistische Regression
15.1 Anwendung
15.2 Regressionsgleichung
15.3 Interpretation des Regressionskoeffizienten
15.4 Güte der Vorhersage
Teil V Varianzanalyse
16 Einfaktorielle Varianzanalyse mit festen Effekten
16.1 Anwendung
16.2 Modell I: Feste Effekte
16.3 Hypothesen
16.4 Quadratsummenzerlegung
16.5 Mittlere Quadratsummen
16.6 F-Test
16.7 Kontraste
16.8 Post-hoc-Tests
17 Zweifaktorielle Varianzanalyse mit festen Effekten
17.1 Zweifaktorielle Versuchspläne
17.2 Effekte bei der zweifaktoriellen Varianzanalyse
17.3 Hypothesen
17.4 Quadratsummenzerlegung
17.5 Mittlere Abweichungsquadrate
17.6 F-Tests
17.7 Interaktionsformen
17.8 Kontraste
17.9 Post-hoc-Tests
17.10 Drei- und mehrfaktorielle Varianzanalysen
18 Varianzanalyse mit festen und zufälligen Effekten
18.1 Einfaktorielle Varianzanalyse mit zufälligen Effekten
18.2 Zweifaktorielle Varianzanalyse mit zufälligen Effekten
18.3 Zweifaktorielle Varianzanalyse mit gemischten Effekten
19 Varianzanalyse mit Messwiederholungen
19.1 Einfaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholungen
19.2 Zweifaktorielle Varianzanalyse mit Messwiederholungen
Unvollständige Messwiederholung
Vollständige Messwiederholung
20 Kovarianzanalyse
20.1 Anwendung
20.2 Bildhafte Vorstellung
21 Vertiefung zur Varianzanalyse
21.1 Mehr Theorie zur Varianzanalyse
Teil VI Multivariate Analysemethoden
22 Faktorenanalyse
22.1 Fragestellung und Überblick
22.2 Explorative und konfirmatorische Faktorenanalyse
22.3 Inhaltlicher Ablauf einer Faktorenanalyse
22.4 Mathematische Grundlagen
23 Clusteranalyse
23.1 Fragestellung und Überblick
23.2 Inhaltlicher Ablauf
23.3 Mathematische Grundlagen
24 Strukturgleichungsmodelle
24.1 Fragestellung und Überblick
24.2 Inhaltlicher Ablauf
24.3 Mathematische Grundlagen
25 Weitere Multivariate Verfahren
25.1 Allgemeines
25.2 Diskriminanzanalyse
25.3 Kanonische Korrelation
25.4 Kontingenzanalyse
25.5 Conjoint-Analyse
25.6 Multidimensionale Skalierung
25.7 Neuronale Netze
Teil VII Effektgrößen, Statistikprogramme und Epilog
26 Effektgrößenberechnung und optimaler Stichprobenumfang
26.1 Problemstellung
26.2 Effektgröße
26.3 Optimaler Stichprobenumfang
26.4 Problematik der Ermittlung von Cohen's d
26.5 Problematik von Effektgrößen bei Varianzanalysen
27 Verschiedene Statistikprogramme
27.1 Standardsoftware
27.2 Spezielle Programme
28 Studiendurchführung und Ergebnisdarstellung
28.1 Methodik
28.2 Ergebnisse
28.3 Statistische Analyse
28.4 Diskussion
28.5 Formales zur Ergebnisdarstellung
28.6 Allgemeine Richtlinien zur Erstellung eines wissenschaftlichen Texts
Teil VIII Anhang
A Mathematische Grundlagen
A.1 Das Rechnen mit dem Summenzeichen
A.2 Matrizenrechnung
A.3 Erwartungswerte
A.4 Zusammenfassung
A.5 Aufgaben
B Zeichenerklärung und Tabellen
© Copyright 2009 Veröffentlicht von Huber. Alle Rechte vorbehalten.
| Schlagworte: | |
|---|---|
| Notationen: | Naturwissenschaften und Technik |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
Bern
Huber
2009
|
| Ausgabe: | Bern: Huber, 2., überarb. und erw. Aufl., 2009.- 709 S. |
| Seiten: | 709 |
| Dokumentenarten: | Buch |
| Level: | hoch |