Biomechanische Analyse moderner Skatingtechniken und diverser Imitationsformen im Skilanglaufrennsport als Grundlage für Technikansteuerung, technikspezifisches Konditions- und Imitationstraining und Materialentwicklung
(Biomech. analysis of modern skating techniques and diff. imitation exerc. in cross-country skiing as basis for techn. enhancement, sport spec. conditioning and imitation training and material develop)
Ziel der vorliegenden Untersuchung war und ist es, das beschriebene Problem, dass im Bereich der Skatingtechniken im Skilanglauf insgesamt immer noch ein Mangel an biomechanisch voll abgesicherten Technikleitbildern besteht, mit Hilfe einer umfangreich angelegten wissenschaftlichen Studie in Form einer biodynamischen und biokinematischen Bewegungsanalyse von vier modernen relevanten Skatingtechniken und diversen Imitationstechniken in Angriff zu nehmen. Detailfragen qualitativer Art, wie z. B. die Frage nach dem optimalen Beinabstoß und seiner Ansteuerung bei bestimmten Skatingtechniken, oder der Einfluß von Schwungeinsätzen diverser Körperteile und dessen Einfluß auf den Abstoßimpuls etc. sollen unter Einsatz biomechanischer Meßverfahren auf der Basis biomechanischer Theorien beantwortet werden.
Inhalt: Die Leistungsentwicklung im Skilanglauf in den letzten Jahren hat gezeigt, daß Leistungssteigerungen kaum noch über die bereits ausgeschöpften quantitativen Faktoren, die Trainingsbelastung betreffend (Erhöhung von Trainingshäufigkeit, -umfang, -intensität) zu erzielen sind. Größere Entwicklungsmöglichkeiten der sportlichen Leistung werden sowohl von Wissenschaftlern aber auch von Trainern über qualitative Faktoren gesehen (KRUG 1994, 55).
Das technomotorische Leistungsniveau spielt im Skilanglauf mit seinen zahlreichen, unterschiedlichen Bewegungstechniken aber auch grundsätzlich eine zentrale Rolle für die Gesamtleistung, sowohl aus Fragen der Effektivität (Vortriebsleistung pro Bewegungszyklus) als auch der Ökonomie (Energieverbrauch). Gezieltes Technik- und Koordinationstraining wird im Skilanglauf, vor allem im Grundlagen- und Aufbauabschnitt am Wege zur Fein- und Feinstform der Bewegung, stark vernachlässigt. Eine potentielle Leistungsreserve wird so kaum bewußt genutzt. Ursachen dafür liegen einerseits in der unbegründeten Angst davor, das Konditionstraining zu beschneiden und andererseits in der Ratlosigkeit der meisten Trainer, Technikleitbilder und Techniktraining betreffend, im Gegensatz zu meist großer Erfahrung im Konditionstraining, oder konkreter im Ausdauertraining. Es besteht zweifellos auf dem Gebiet des Techniktrainings allgemein ein Forschungsbedarf. Der These von Dietrich MARTIN, die Trainingslehre habe zum Techniktraining, im Gegensatz zum Konditionstraining oder zur Zyklusproblematik noch kein theoretisches Konzept entwickeln können, ist wohl großteils zuzustimmen, obwohl es einige neue Ansätze aus dem Bereich des systemdynamischen Ansatzes gibt, der hauptsächlich von SCHÖLLHORN im deutschsprachigen Raum propagiert wird. Eines der Hauptprobleme stellt die Tatsache dar, dass im Bereich der Skatingtechniken im Skilanglauf insgesamt immer noch das Problem des Mangels an biomechanisch voll abgesicherten Idealtechniken besteht, mit allem Bedacht auf individuelle Eigenheiten einer Technik. Effektives Techniktraining setzt voraus, dass sowohl Trainern als auch Athleten die wesentlichen Einflußgrößen der verschiedenen Skatingtechniken bekannt sind. Die für den Erwerb dieser Kenntnisse notwendigen biomechanischen Technikanalysen liegen noch immer nicht im ausreichenden Maße und in der entsprechenden Qualität vor. Vor allem Untersuchungen mit dem Ziel einer qualitativen Bewegungsanalyse, wie sie aus dem Bereich des Eisschnelllaufs bekannt sind, fehlen beinahe zur Gänze. Die Beschreibungen und vor allem schlüssige Erklärungen, welche Ausführungsvariante der Bewegung oder einzelner Elemente davon (z. B. Beinabstoß) aus rein biomechanischer Sicht dem Technikoptimum entspricht, sind im Skilanglauf kaum vorhanden und fehlen eben auch für den Trainer brauchbare, praxisorientierte, und auch wissenschaftlich fundierte Konzepte für das Techniktraining im Skilanglauf, angepaßt an die jeweiligen Entwicklungsstufen sporttechnischer Fertigkeiten.
Methoden: In Kooperation mit dem norwegischen Skiverband wurden vier moderne, relevante Skatingtechniken und Imitationstechniken biomechanisch analysiert. Vier der besten norwegischen Skater des Nationalteams dieser Zeit stellten sich als Versuchspersonen zur Verfügung, unter ihnen Olympiasieger Thomas Alsgaard oder der in der Saison 99/00 aufstrebende Tor Arne Hetland. Bodenreaktionskräfte normal zum Ski, die Druck- bzw. Kraftverteilung an der Fußsohle, der Verlauf des Kraftangriffspunkts der resultierenden Abstoßkraft etc. wurden mit Hilfe des Mobil-Pedar-Systems der Firma NOVEL-Munich gmbh. gemessen (Meßfrequenz 50 Hz). Die Stockabstoßkräfte gelangten durch den Einbau von Kraftmeßdosen in die Stöcke und durch den Einsatz der BIOVISIONS-Anlage von ERNST zur Aufnahme (Meßfrequenz 200 Hz). Biokinematische Bewegungsparameter konnten durch den Einsatz eines 3D-Videoanalyse-Systems, bestehend aus zwei geschwenkten und gezoomten Videokameras (Aufnahmefrequenz 50 Hz), einem Passpunktsystem, der Auswertesoftware der Firma PEAK PERFORMANCE-USA und der Zusatzsoftware von DRENK erhoben werden. Pro Technik mußten drei gültige Versuche absolviert werden.
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| Subjects: | |
|---|---|
| Notations: | endurance sports |
| Language: | German |
| Published: |
1997
|
| Online Access: | http://fodok.uni-salzburg.at/pls/portal/nav.show?x=&format=full_projekt&object=3721&lang=158 |
| Document types: | electronical publication |
| Level: | intermediate |