The sport of biathlon in Great Britain
(Der Biathlonsport in Großbritannien)
Die Anfänge des britischen Biathlonsports liegen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, wo viele britische Soldaten in Süddeutschland stationiert waren und dort über das Militär zum Biathlon gekommen sind. Britische Teilnehmer gab es daher bereits zu den ersten Biathlon-WM 1958 und den ersten olympischen Biathlonwettbewerben 1960. Bereits zu dieser Zeit wurde staatlicherseits auf den Biathlon und nicht den Skilanglauf orientiert, da man in dieser dualen Disziplin für Flachländer mit ungünstigen klimatischen Bedingungen bessere Chancen als in einer reinen Wintersporteinzeldisziplin sah. Für die OS 1964 wurde erstmals eine offizielle Biathlonmannschaft "in staatlichem Auftrag" durch die Army und die Royal Marines zusammengestellt.
Die Bedingungen zur Ausübung des Biathlonsports in Großbritannien sind schwierig: unzuverlässige Schneesituation/Schneemangel, daraus resultierend Unmöglichkeit des Aufstellens und Einhaltens eines Wettkampfkalenders; es gibt lediglich eine einzige Biathlonanlage im Land (Clashindarrick Forrest/Schottland), wo Biathlonwettkämpfe bereits erfolgreich ausgetragen wurden. Alerdings fielen sie in den letzten Jahren aufgrund von Schneemangel größtenteils aus. Speziell errichtet wurde das Ganzjahres-Biathlon-Trainingszentrum Glenmore Lodge. Mit diesem Zentrum ist das öffentliche Interesse am Biathlon gewachsen, man plant weitere ähnliche Zentren. Hauptproblem ist Geldmangel.
Die finanzielle Unterstützung des Biathlon durch den British Sports Council war nie groß, es obliegt vor allem der Army, die erforderlichen Gelder zu beschaffen.
Besonders enge Beziehungen der Zusammenarbeit bestehen von Anbeginn an mit den Norwegern (Trainingslager, Trainer). In den 70er Jahren bestanden gute Voraussetzungen für eine gute Entwicklung des Biathlon in GBR: Viele Soldaten der britischen Armeen trainierten für ihren Dienst in Norwegen, sie hatten ein gutes Niveau. Nach ihrer Rückkehr in die Heimat flaute bei den meisten Soldaten jedoch der Ehrgeiz und das Interesse am Biathlon schnell ab, so daß von einer Ausnutzung teilweise guter Voraussetzumngen nicht gesprochen werden kann.
Die beste Zeit für den Biathlonsport in Großbritannien brachten die 80er und frühen 90er Jahre. Reserven konnten erschlossen und Sponsoren gewonnen werden, es gab eine wissenschaftliche Betreuung und das Geld reichte für eine Teilnahme am kompletten World Cup-Programm. Außerdem war Biathlon erfolgreicher als der "Konkurrent" Skilanglauf. Beste Einzelplazierungen bei Olympischen Spielen waren die Ränge 14 (1984), 13 (1988) 12 (1992) jeweils im Einzel Männer sowie Rang 11 in der Mannschaftswertung.
Nach 1992 änderte sich die Situation im militärischen Bereich und damit die Voraussetzungen für den britischen Biathlonsport: Es kam zu starken Truppenreduzierungen in Deutschland stationierter britischer Soldaten undR eduzierungen in der britischen Armee und damit zu einer Verringerung des Budgets. Außerdem engte sich der Sponsorenmarkt ein, so daß die Erfolge schwer gehalten werden konnten.
1994 ging das kleinste britische Aufgebot aller Olympischn Winterspiele an den Start (4 Sportler), auch aufgrund schwieriger Qualifikationskriterien der IBU und der British Olympic Association. Die Ergebnisse waren schlecht, der Hauptsponsor zog sich zurück, die Saison 1994/95 wurde sehr schwer. Den letzten Stoß erhielt der britische Biathlonsport im Sommer 1995, ironischerweise nur 18 Monate nach der Eröffnung der ersten britischen Biathlon Trainingszentrums. Orientiert an den Richtlinien des Staates, Geld in Sportarten zu investieren, die Medaillen bringen, reduzierte der British Sports Council seine finanziellen Zuwendungen für den Biathlon bzw. den Britischen Skiverband insgesamt. Der Skiveband seinerseits reduzierte das Budget der Sportart Biathlon drastisch, alle Zuwendungen wurden gestoppt, professionelle Mitarbeiter gab es praktisch nicht mehr.
Hilfe kam von der Armee bzw. den Royal Marines, die die Nationalmannschaft Biathlon übernahmen und deren weitere Teilnahme an internationalen Höhepunkten sicherten. Die Biathleten traten aus dem Skiverband (BSF) aus und gründeten einen eigenständigen Biathlon-Verband (British Biathlon Union, BBU). Dieser Prozeß läuft momentan so weiter.
Der Biathlonsport in GBR ist bei weitem nicht tot, Sommerbiathlons werden an Hochschulen und Universitäten ausgerichtet, die Armee setzt ihre Unterstützung fort. Die Biathlon-Gemeinde Großbritanniens ist für die Zukunft enthusiastisch, zählt auf einen kleinen Kreis von Enthusiasten und die weitere Unterstützung durch die IBU.
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| Notationen: | Leitung und Organisation Ausdauersportarten |
| Veröffentlicht in: | UIPMB Report |
| Sprache: | Englisch |
| Veröffentlicht: |
1996
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| Ausgabe: | Allerod (1996)2, S. 61-62 |
| Dokumentenarten: | Artikel |
| Level: | hoch mittel |