Koordiniertes Blickverhalten beim Beachvolleyball zur Verbesserung der Entscheidungsfindung von Spitzensportlern/Spitzensportlerinnen

Der Zusammenschluss von Personen im Team kann in vielen Lebensbereichen vorteilhaft sein und zu einer Steigerung der Gesamtleistung führen. Seit geraumer Zeit werden in der Forschung verschiedene Kommunikationsstrategien zur Optimierung von Teamleistungen untersucht (z. B. Araújo & Davids, 2016). Schwerpunkt ist dabei allerdings zumeist die verbale Verständigung, während die Abstimmung in Teams auf kognitiver Ebene, welche unter anderem das Blickverhalten bzw. die Aufnahme von visuellen Informationen einschließt, bislang weitestgehend außen vorgelassen wurde (vgl. Neider et al., 2010). Die Abstimmung des Blickverhaltens könnte aber z. B. gerade im Sport ein entscheidender Faktor sein, um die Leistungen von Teams zu optimieren. Im Mittelpunkt dieses Service-Forschungsprojekts standen die Analyse des Antizipations- und Blickverhaltens von Beachvolleyballspielern und -spielerinnen aus dem obersten Leistungsbereich. In Side-Out- Situationen, das heißt während der Annahme, des Zuspiels und des Angriffs wurden die Blickbewegungen von Beachvolleyballteams mittels eines mobilen Eye-Tracking-Systems aufgezeichnet und analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass in circa Dreiviertel aller Spielsituationen (74 %.) der Ball von dem Angriffsspieler bzw. der -spielerin in die freie hintere Ecke des gegnerischen Spielfeldes geschlagen wurde. Da die Wahrscheinlichkeit, einer der beiden hinteren freien Ecken des gegnerischen Spielfeldes zu treffen, bei 50 %. lag, ist die Erfolgsquote in Anbetracht dessen, dass die Positionierung des gegnerischen Teams weitestgehend festgelegt war (zumindest, dass der Blockspieler immer vorne am Netz zum Blocken geblieben ist), als nicht allzu hoch zu bewerten. Wenn der Zuspieler dem Angriffsspieler einen Call über die freie Ecke im gegnerischen Feld gab, war dieser zu 78 %. richtig. Dass allerdings fast ¼ (22 %.) aller Calls trotz der durch den gegnerischen Blockspieler zum Teil festgelegten gegnerischen Positionierung falsch waren, verdeutlicht, dass es dennoch sinnvoll ist, dass auch der Angriffsspieler, wenn zeitlich und spielerisch umsetzbar, auf die andere Seite schaut. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die höchste Erfolgsquote der Teams erzielt wurde, wenn sich Angreifer und Zuspieler in ihrem Blickverhalten koordiniert haben, das heißt, wenn der Angreifer selbst auf die andere Seite geschaut hat, aber gleichzeitig auch einen Call von seinem Mitspieler bekam. In aufbauenden Studien sollte genau analysiert werden, zu welchem spezifischen Zeitpunkt die Blickausrichtung von Zuspieler und Angriffsspieler auf die andere Seite am sinnvollsten bzw. erfolgversprechendsten ist und wann der Angreifende den Call von seinem Zuspieler benötigt, um die Handlungsanweisung überhaupt noch umsetzen zu können. Aus den bisherigen Ergebnissen lässt sich aber bislang auf jeden Fall schon schließen, dass es wichtig ist, das Blickverhalten von Spielern und Spielerinnen gezielt zu trainieren und abzustimmen, um als Team die bestmögliche Leistung erbringen zu können. Es gibt jedoch Studien, die zeigen, dass das Blickverhalten und darauf aufbauende Entscheidungsfindungen von Beachvolleyballern verbessert bzw. trainiert werden können. So zeigten Klostermann, Vater, Kredel und Hossner (2015), dass Entscheidungs- und Blickbewegungsverhalten durch Interventionen optimiert werden können, sodass Beachvolleyballer mehr Informationen aus dem gegnerischen Angriff entnehmen können. Dadurch sollte sich langfristig die Erfolgsquote bei Angriffssituationen von Beachvolleyballspielern und -spielerinnen im Spitzensport verbessern.
© Copyright 2018 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2017/18. Veröffentlicht von Eigenverlag. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Sozial- und Geisteswissenschaften
Veröffentlicht in:BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2017/18
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Bonn Eigenverlag 2018
Online-Zugang:https://my.page2flip.de/15646901/16713668/16713670/html5.html#/296
Seiten:295-299
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch