Beachvolleyball 2016

Primäres Ziel der Studie war die Beantwortung der Frage, ob die Erfolgsquote im Sideout von dem Erfolg im Vorgänger-Sideout abhängig ist. Hierfür wurden nicht nur direkte Angriffsfehler wie Bälle ins Aus oder in den Block als Misserfolg gewertet, sondern zusätzlich alle Angriffe, die das abwehrende Team zu einem gewissen Maß unter Kontrolle gebracht hat (operationalisiert durch zwei Ballberührungen). Dieses Vorgehen basiert auf der Annahme, dass eine Abwehr mit Ballkontrolle in der Weltspitze mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Angriffserfolg führt und dass taktische Ziel des Sideout, nämlich den direkten Punktgewinn, nicht erreicht wurde. Ein weiterer methodischer Freiheitsgrad bestand in der Länge des Zeitfensters, in dem Vorgänger-Sideouts berücksichtigt wurden. Die Begründung für eine Länge von 3 Sideouts besteht darin, dass hierbei die größten Effektstärken auftraten. Kürzere Fenster exkludieren offenbar viele Sideouts aus der Stichprobe, bei denen die Effekte durch Misserfolg noch wirksam sind. Auf der anderen Seite inkludieren längere Fenster viele Sideouts, bei denen Misserfolge nicht mehr Nachwirken und in Folge dessen, die bestehenden Effekte in der Stichprobe abgeschwächt werden. Auf Basis dieser methodischen Entscheidungen und der vorliegenden Ergebnisse kann festgestellt werden, dass ein Fehler im Sideout nicht nur die Wahl der Technik (Link, Wenninger & Ahmann, 2016), sondern auch die Erfolgsquote schwach beeinflusst. Nach unseren Daten betraf dies allerdings nur den Beachvolleyball der Frauen, wenn der Angriff im Sideout als Shot ausgeführt wurde. In diesem Fall war die Erfolgswahrscheinlichkeit nach einem Fehler reduziert. Möglicherweise wurden diese Shots schlechter realisiert - entweder in der taktischen Absicht keinen direkten Fehler zu begehen oder durch einen erhöhten psychischen Druck aufgrund des vorangegangenen Misserfolges. Dies wäre die Umkehrung des "Hot- Hand-Effektes", wie er beispielsweise von Raab, Gula & Gigerenzer (2012) im Volleyball berichtet wurde. Ebenso könnte es sein, dass die abwehrende Mannschaft sich taktisch auf einen Shot einstellte - bspw. durch den Verzicht auf einen Block oder eine andere Ausgangsposition in der Abwehr. In diesem Fall wäre allerdings eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit beim Smash nach Misserfolg zu erwarten gewesen, die nicht vorlag. Warum der Post-Error-Effect bei harten Angriffsschlägen der nicht auftritt, lässt sich aus den verfügbaren Daten nicht klären. Die Verteilung der Angriffstechniken im Sideout deutet darauf hin, dass sich Männer und Frauen an der unterschiedlichen Erfolgswahrscheinlichkeit orientierten. Männer zeigten eine höhere Erfolgswahrscheinlich beim Smash und setzten diesen auch dominant ein. Die physischen Vorteile scheinen bei harten Angriffsschlägen eher zum Tragen gekommen zu sein. als bei Shots oder bei Abwehraktionen. Bei Frauen war die Verteilung zwischen Smash und Shot etwas ausgeglichener. Dieses lässt sich vor dem Hintergrund gleicher Erfolgsquoten auch taktisch gut begründen. Die generelle Existenz von Post-Error-Effekten in der Beachvolleyball Weltspitze der Frauen, zeigt die Notwendigkeit von individuellen Analysen auf Spielerebene. Bestehen diese Effekte bei eigenen Teams, so kann versucht werden, die Fehlerrate nach Fehlern durch entsprechende Trainingsmaßnahmen zu verringern oder mehr Angriffe als Smash zu spielen. Betreffen die Effekte gegnerische Teams sollte die Erkenntnis bei der Strategieentwicklung berücksichtigt werden bspw. durch eine bessere Antizipation durch Fokussierung auf bestimmte Bewegungsmerkmale nach Fehlern. Beides steigert potentiell die Erfolgsaussichten im Wettkampf. (vom Autor übern. gek.)
© Copyright 2018 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2016/17. Veröffentlicht von Sportverlag Strauß. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Trainingswissenschaft Spielsportarten
Tagging:Hot-Hand-Phänomen
Veröffentlicht in:BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2016/17
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Hellenthal Sportverlag Strauß 2018
Online-Zugang:http://my.page2flip.de/2895682/14185088/14185117/html5.html#/179
Seiten:177-179
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch