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RedFIR - Anwendung eines funkbasierten Trackingsystems zur lückenlosen Echtzeit-Leistungsdiagnostik am Beispiel des 100-m-Sprints

Das Wissen über die leistungsrelevanten physischen Parameter Teilzeiten, Geschwindigkeitsverlauf des Körpers und der Füße sowie sprintspezifische Parameter, wie Schrittfrequenz und Schrittlänge, ist aus trainingswissenschaftlicher Sicht für Athleten, Trainer und Wissenschaftler in den leichtathletischen Laufdisziplinen von immenser Bedeutung (Letzelter & Letzelter, 2002). Geschwindigkeiten oder Beschleunigungen werden seit 2009 in Wettkämpfen üblicherweise durch Laserdistanzmessung bestimmt (Graubner & Nixdorf, 2011) oder können indirekt über verschiedene kinematische Modelle berechnet werden (Janjic, Kapor, Doder, Doder & Savic, 2014). Im Gegensatz dazu werden Schrittfrequenz und Schrittlänge üblicherweise als Mittelwerte erfasst (Hunter, Marshall & McNair, 2004). Krzysztof und Mero (2013) haben, basierend auf der Unterteilung der Laufstrecke in 10-m-/20-m-Abschnitte, die vier besten 100-m-Läufe von Usain Bolt hinsichtlich der erfassten Mittelwerte analysiert. Die Erfassung dieser Parameter ist auf Basis videotechnischer Auswertungen sehr zeitaufwendig und fehleranfällig, da Läufer1 von anderen Läufern verdeckt werden können (Letzelter & Letzelter, 2005). Eine kontinuierliche und akkurate Messung über die komplette Laufstrecke ist mit dieser Methode nicht zu erzielen. Voll und Völker (2014) haben erstmals das funkbasierte Trackingsystem RedFIR zur Analyse von leichtathletischen Läufen eingesetzt. Seidl, Völker und Lames (2015) haben, darauf aufbauend, detaillierte Analysen von 100-m-Sprints, anhand von kontinuierlich erfassten Sprintparametern, vorgenommen. Das RedFIR-System des Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen IIS ermöglicht durch den Einsatz von miniaturisierten Sendern kontinuierlich detaillierte Aussagen über die Bewegung von Sportlern - in Echtzeit. Dies garantiert einen zeitlich hochaufgelösten, lückenlosen Geschwindigkeits- und Beschleunigungsverlauf sowie die zeitliche und räumliche Erfassung jedes einzelnen Schritts auch im Fall einer Verdeckung durch weitere Läufer. Die Genauigkeit liegt hierbei im einstelligen Zentimeterbereich. Der maximale Erfassungsbereich des Systems liegt bei 200 × 200 m und kann somit ein komplettes Sportgelände oder die Innenfläche eines Stadions abdecken (von der Grün, Franke, Wolf, Witt & Eidloth, 2011). Die hier vorgestellten Analysen basieren auf der kontinuierlichen Natur der durch die funkbasierte Ortung bereitgestellten Bewegungsdaten der Athleten. Im Folgenden sind neuartige Auswertungen am Beispiel des 100-m-Sprints dargestellt, die exemplarisch Leistungsdaten eines leistungsstärkeren männlichen Athleten und einer leistungsschwächeren weiblichen Athletin vergleichen. Analoge Analysen können für verschiedene Läufe eines Athleten verwendet werden.
© Copyright 2016 Technologien im Leistungssport 1: Tagungsband zur 17. Frühjahrsschule am 15./16. April 2015 in Leipzig. Veröffentlicht von Meyer & Meyer. Alle Rechte vorbehalten.

Bibliographische Detailangaben
Schlagworte:
Notationen:Naturwissenschaften und Technik Kraft-Schnellkraft-Sportarten
Veröffentlicht in:Technologien im Leistungssport 1: Tagungsband zur 17. Frühjahrsschule am 15./16. April 2015 in Leipzig
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Aachen Meyer & Meyer 2016
Schriftenreihe:Schriftenreihe für Angewandte Trainingswissenschaft, 4
Online-Zugang:https://open-archive.sport-iat.de/sponet/SR_2016_4_seidl_redfir.pdf
Seiten:30-41
Dokumentenarten:Artikel
Level:hoch